Wienwert Insolvenz: Anlegern droht der Totalverlust

Wienwert Insolvenz: Anlegern droht der Totalverlust

Wertlose Investments? Wer Geld in Wienwert-Anleihen gesteckt hat muss mit dem Schlimmsten rechnen.

Die WW Holding AG, Muttergesellschaft der Wienwert AG, hat nun auch offiziell Insolvenz beantragt. Die gesamten Verbindlichkeiten der Pleite belaufen sich auf rund 45 Millionen Euro. Anlegern, die in eine der 16 im Umlauf befindlichen Anleihen investiert haben, droht der Totalverlust.

Nach der in der Vorwoche bekannt gewordenen Pleite der Wienwert-Muttergesellschaft WW Holding AG - trend.at hat berichtet - hat die Gesellschaft nun ihren Insolvenzantrag eingebracht. Die Eröffnung eines Verfahrens wurde heute, Donnerstag, beim Handelsgericht Wien beantragt. Die WW Holding AG strebt ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung an. "Es wird erwartet, dass in dessen Rahmen die Beteiligung von WW Holding AG an Wienwert AG verkauft werden wird", heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Die Gesamtpassiva - einschließlich besicherte Gläubigerforderungen - betragen 55,4 Mio. Euro. Darunter sind Verbindlichkeiten von 34,4 Mio. Euro gegenüber rund 900 Gläubiger der 14 nicht über die Börde gehandelten Anleihen, denen sogar ein Totalverlust drohen könnte. Das Unternehmen hat zwei weitere an der Wiener Börse gehandelte Anleihen emittiert (AT0000A1P0K5 und AT0000A1LJK5).

Ein Masseverwalter soll umgehend bestellt werden. Den Gläubigern wird im Rahmen des Sanierungsplanes eine Quote von 20 Prozent angeboten, zahlbar binnen zwei Jahren. Ob diese 20-Prozent-Quote erreicht werden kann ist nach Einschätzung des Kreditschutzverbands KSV1870 völlig offen.

Der Prozessfinanzierer Advofin bietet Wienwert-Anlegern an, ihre Ansprüche im Rahmen einer Sammelklage durchzusetzen. Die Chancen, einen Gutteil des investierten Geldes zurückzubekommen, stünden gut. Auch der Anlegerschützer-Verein Cobin Claims hat eine Sammelaktion gestartet. Die Anlegervertreter werfen dem Unternehmen vor, die Wienwert-Investoren über das Risiko im Unklaren gelassen zu haben.

Die Wienwert-Affäre ist eine Geschichte des mehrfachen Scheiterns, großer Versprechungen, enttäuschter Hoffnungen und - zumindest vorerst - teils versickerter Anleger-Millionen. Der im Jahr 2016 angetretene neuen Führung gelang es nicht, das Unternehmen auf Schiene zu bringen. Dem Vernehmen nach wird bereits mit mehreren Interessenten verhandelt. Zuletzt hieß es, ein deutscher Investor sei bereit, die Sanierung zu finanzieren und dafür zunächst acht Millionen Euro bereitzustellen.


Wienwert: Chronologie des Scheiterns

  • 2008 Gründung des Untenehmens durch Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer, bis heute Drittel-Eigentümer der WW Holding AG. Das letzte Drittel gehört dem seit 2016 amtierenden Alleinvorstand Stefan Gruze.
  • 2009 Wienwert begibt seine este Anleihe und stellt 8,5 Prozent Rendite in Aussicht. Schon damals gibt es Kritik an dem hohen Versprechen.
  • 2010 Nach der Ausgabe weiterer Anleihen gibt es erste konkrete Immobilienprojekte: Vier Objekte in Wien werden erworben, renoviert und als Vorsorge-Immobilien angeboten.
  • 2011 Weitere Bonds werden ausgegeben. Mit "Hausherren-Anleihen" stellt das Unternehmen 6,75 bzw. 5,25 prozent Rendite in Aussicht
  • 2012 Wird der Kurs beibehalten, weitere Anleihen werden ausgegeben, mit der "Substanz-Anleihe" werden sogar 7,75 Prozent Zinsen jährlich versprochen. Das Geld (Mindestanlage 50.000 bzw. 100.000 €) soll für neue Projekte genutzt werden, wie für 95 Wohnungen, die am Niemetz-Firmengelände entstehen sollen. Später war von einem achtstöckigen Wohnblock mit 114 Wohnungen für 27 bis 28 Mio. Euro die Rede.
  • 2013 steigt Wienwert in den Immobilien-Neubau ein. Das erst 2008 gegründete Unternehmen bewirbt sich selbst mit "über 20 Jahren Erfahrung am Wiener Immobilienmarkt".
  • 2015 Erstes Verbraucherschutz-Urteil gegen Wienwert. In zweiter Instanz gewinnt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) vor dem Obersten Gerichtshof (OGH), weil Bonds als "grundbuchbesichert" beworben wurden, obwohl diese Sicherstellung Anlegern nicht eingeräumt wurde.
  • 2016 Der Kreditschutzverband KSV1870 senkt das Bonitätsranking der Gruppe. Das Geschäftsmodell wird hinterfragt. Zur Bilanz 2014 soll der Wirtschaftsprüfer im Herbst 2015 von "erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich der Unternehmensfortführung" geschrieben haben, die es wegen "wesentlicher Schwächen bei der internen Kontrolle des Rechnungslegungsprozesses" gebe. Vom Bauvolumen 2015 (10 Millionen Euro) soll Wienwert Forderungen über 1,6 Millionen nicht anerkennen.
  • 2016 im April ziehen sich die damaligen Hälfteeigentümer Bakir und Sedelmayer aus dem Vorstand zurück, der Investmentbanker Gruze wird Alleinvorstand und Drittel-Eigentümer. Er soll für 3 Mio. Euro Finanzierungszusagen mitgebracht haben, für weitere 3,5 Mio. gebe es konkrete Investorenabsichten, hieß es. Gruze nennt den Börsengang bis 2020, eventuell schon bis 2018, als strategisches Ziel. Der Wert des Immobiliendepots wird per Ende 2015 mit 124 Millionen Euro beziffert.
  • 2016 im Juni verhängt die Finanzmarktaufsicht (FMA) Geldstrafen gegen Bakirzoglu und Sedelmayer ,unter anderem wegen irreführender Werbung.
  • 2017 der Jahresabschluss 2016 zeigt ein negatives Eigenkapital von rund 20 Millionen Euro, es wird verucht, den Cashbestand durch den Verkauf von Altbauten zu erhöhen. Der Wert der im Handel befindlichen Anleihen wird mit 42 Millionen Euro beziffert, Zeichner werden nervös, Immobilien müssen - wie CEO Gruze erklärt, unter dem Buchwert abgegeben werden.
  • Sommer 2017 Die Finanzlücke des Unternehmens wächst auf 27,5 Millionen Euro, die FMA wirft der Wienwert vor, bei einer 5-Mio.-Anleihe das "tatsächliche Risiko des Erwerbs nicht hinreichend dargestellt" zu haben und leitet wegen Verdachts der irreführenden Werbung ein Verwaltungsstrafverfahren gegen Wienwert ein. Im September wird CEO Gruze deswegen zu einer Strafzahlung von 85.000 Euro verurteilt.
  • Oktober 2017 Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) prüft eine Anzeige gegen Wienwert, die ein Ex-Geschäftspartner eingebracht hat und nimmt im November Ermittlungen wegen Verdachts der Untreue gegen handelnde Personen von Wienwert auf.
  • Jänner 2018 Die Wienwert-AG-Mutter WW Holding AG räumt ihre Zahlungsunfähigkeit ein und kündigt einen Insolvenzantrag an.

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