Wienwert Holding: Endgültige Pleite am Aschermittwoch

Wienwert Holding: Endgültige Pleite am Aschermittwoch

Für die Wienwert-Holding, die 99,99 Prozent an der Wienwert AG hält, kam am Aschermittwoch der endgültige Exitus. Der Sanierungsplan wurde zurückgezogen. Das Immobilienunternehmen, das große Rendite versprach, ist nicht mehr zu retten. Mehrere Hundert Anleger, die sich von den versprochenen hohen Renditen auf Anleihen blenden ließen, werden um ihre Investments umfallen

Der Karneval ist vorüber. Es gibt nichts mehr zu lachen. Das gilt auch für die Wienwert-Holding, für die am Aschermittwoch alles vorbei war. Bei dem Immobilienunternehmen Wienwert-Holding gehen nun endgültig die Lichter aus. Am Mittwoch, den 14. Februar, hat das Unternehmen bekanntgegeben, dass die Sanierung geplatzt ist. Der Sanierungsplan wurde zurückgezogen. Damit bleibt nur noch der Weg an das Konkursgericht und die Abwicklung des Unternehmens.

Der Masseverwalter der insolventen Wienwert-Holding, Norbert Abel, hat nach dem Zurückziehen des Sanierungsplans die Abwicklung des Unternehmens eingeleitet. Die Wienwert-Holding AG werde vollständig abgewickelt und die Tochtergesellschaft Wienwert AG "im Rahmen eines Bieterprozesses in Abstimmung mit dem Kooperationspartner verkauft", teilte Abel mit.

Bei anderen Töchtern der Wienwert-Holding wird "sofern Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegt" ebenfalls Insolvenz angemeldet. In den übrigen Tochtergesellschaften der Schuldnerin wird Abel die Geschäftsführung übernehmen und der bisherige CEO Stefan Gruze aus der Geschäftsführung ausscheiden. Ein Team von fünf Juristen soll unter Beiziehung von Sachverständigen die Bilanzen überprüfen.

Am Freitag, den 16. Februar wird am Handelsgericht Wien die erste Gläubigerversammlung stattfinden. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung ist für den 24. April geplant.

Von der Insolvenz in den Konkurs

Das im Jänner angestrebte Insolvenzverfahren wird automatisch in ein Konkursverfahren umgewandelt. Die Schulden der Holding belaufen derzeitigen Berechnungen zufolge auf etwa 55 Millionen Euro, davon entfallen 35 Millionen Euro auf rund 900 Anleihegläubiger. Ein kolportierter neuer Investor war offenbar doch nicht willens, sich in die Pleitefirma einzukaufen und deren Schuldenberg zu übernehmen.

Die über 900 Anleger, die in Wienwert-Anleihen investiert haben, hätten im Fall der Sanierung noch mit einer Quote rechnen können. Das Beratungsunternehmen Pwc ist davon ausgegangen, dass im günstigsten Fall einer Sanierung zumindest noch 14 Prozent der Forderungen bedient werden hätten können. Doch auch der letzte Funken Hoffnung ist somit verglüht. Die Investoren werden wohl keinen Cent mehr bekommen.

Die Umfaller

16 Anleihen mit einem Zeichnungsvolumen von rund 35 Millionen Euro sind noch ausständig. In den Jahren 2010 bis Frühjahr 2016 hat Wienwert in Summe 39,2 Millionen Euro von ihren Anlegern eingesammelt, bis Ende 2016 weitere 7,5 Millionen Euro. An Rückzahlungen wurden zugleich bis zum Frühjahr 2016 laut dem Wienwert-Vorstand 5,2 Millionen Euro geleistet, in weiterer Folge 2016 noch weitere 6,3 Millionen Euro.

Die Anleger wurden mit hohen Zins- und Rendite-Versprechen angelockt - in Zeiten der Nullzinsphase - und einer suggerierten Nähe zur Stadt Wien. Eine sogenannte "Hausherrenanleihe" wurde etwa mit "Dreifachsicherheit" und garantierter Zinszahlung von 6,5 Prozent pro Jahr marktschreierisch beworben. Und auch mit dem Sponsoring beim Traditions-Fußballklub SK Rapid versuchte das Management entsprechende Öffentlichkeitswirkung zu erzeugen und kapitalkräftige Fußballfans zu einem Investment zu verleiten.

"Hausherren-Anleihe mit 3fach Sicherheit und 6,75% garantierten Zinsen" - Investoren werden zumindest vorerst durch die Finger schauen.

Eine sogenannte "Hausherren-Anleihe mit 3-fach Sicherheit" beworben und mit garantierten 6,75 Prozent Zinsen.

Zu Gericht

Für die Vorstände dürfte es indes noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Im November wurde bekannt, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen Wienwert Ermittlungen aufgenommen hat. Es soll hierbei um den Verdacht der Untreue und der Vollstreckungsvereitelung zugunsten eines anderen gehen. Die Unternehmensleitung hat die Vorwürfe bislang stets zurückgewiesen.

... Fortsetzung folgt.

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