Weniger Firmenpleiten, Privatkonkurse auf Höchststand

Weniger Firmenpleiten, Privatkonkurse auf Höchststand

2018 ist die Zahl der Unternehmenspleiten um rund zwei Prozent auf rund 5.000 gesunken. Die Privatkonkurse sind massiv gestiegen und haben erstmals die 10.000er-Marke übertroffen. Die Verschuldung ist massiv gestiegen.

Wien. Bei den Unternehmenspleiten hat sich der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) in der Prognose für 2018 im vorigen Jahr ein wenig verrechnet. Im Gegensatz zu dem vor Jahresfrist prognostizierten, leichten Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen, ist unterm Strich nun ein Rückgang herausgekommen. In absoluten Zahlen. Denn im Jahr 2018 haben 5.079 Unternehmen eine Pleite hingelegt, was einem Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Allerdings sind die Schulden der Pleitefirmen gegenüber dem Vorjahr insgesamt kräftig angestiegen. Rund 2,1 Milliarden Euro Schulden wurden angeschrieben, damit war der Schuldenstand um 12 Prozent über dem Vorjahr.

Und auch bei der Zahl der betroffenen Arbeitnehmer ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Von den 4.982 Insolvenzen sind 18.600 Dienstnehmer betroffen, das sind im Vergleich zum Vorjahr 14,1 Prozent mehr.

Tatsächlich wurden jedoch nur bei 2.979 Unternehmensinsolvenzen ein Insolvenzverfahren eröffnet, was einem Rückgang von 1,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 entspricht. Mangels Vermögens wurden 2.003 Verfahren (minus 2,5 Prozent) nicht eröffnet.

Die üblichen Verdächtigen

Die Rangliste der Branchen zeigt kaum Veränderung. "Es sind da wieder die alten Freunde dabei oder die 'üblichen Verdächtigen'", meint Kantner. In der Rangliste der Pleitebranchen, gemessen an der Höhe der Schulden, sind die sogenannten "Unternehmensbezogenen Dienstleistungen" an der Spitze vor der Bauwirtschaft und Maschinen/Metall. Nach der Anzahl der Fälle liegt ebenso die Branche der Unternehmensbezogenen Dienstleistungen in Front vor der Bauwirtschaft. Das Gastgewerbe hält Rang drei der Pleitenliste.

Die größten Pleiten waren jene der Waagner Biro Firmengruppe (knapp 200 Mio. Euro), Niki Luftfahrt (153 Mio.), MFC Corporate Services (150 Mio.) in Folge der ominösen German Pellets Pleite aus dem Jahr 2011, Wienwert (gut 71 Mio.) und Hitzinger sowie Odelga Med (je 40 Mio. Euro).

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Schwierige Verhandlungen bei Privatinsolvenzen

Bei den Privatinsolvenzen kam es hingegen zu einem massiven Zuwachs - sowohl bei der Anzahl der Fälle als auch bei den Schulden: 10.118 Privatkonkurses wurde im Jahr 2018 bereits eröffnet. Dies ist der Höchststand, erstmals wurde hier die 10.000er-Marke durchbrochen. Im Jahr 2011 wurde bisher der Höchststand mit 9.596 Fällen registriert. Die Gesamtschulden aller Privatpleitiers hat sich nahezu auf 1,9 Milliarden Euro (+94 Prozent) verdoppelt.

Den kräftigen Anstieg bei den Privatpleitiers sieht KSV-Insolvenzexperte Hans Georg Kantner als Folge des seit November 2017 in Kraft getretenen Insolvenzrechtsänderungsgesetz (IRÄG 2017). "Einige Schuldner haben sich offenbar mit ihrem Insolvenzantrag etwas Zeit gelassen, um ins neue Regime zu rutschen", sagt Kantner. Der KSV-Experte hatte im Vorjahr bereits damit gerechnet, dass sich einige Schuldner die Insolvenzanmeldung bis in Jahr 2018 verschieben. Die Schuldner versprachen sich mit dem der neuen Gesetzeslage Erleichterungen bei der Entschuldung zu bekommen.

"Die Verhandlungen in den Gerichtsverfahren sind aber schwieriger geworden. Wesentlich mehr Verfahren werden erstreckt", warnt KSV-Experte Kantner. Ein Grund ist unter anderem, dass die Schuldner sich im Rahmen der Privatinsolvenz einen Job umschauen müssen, was nun gesetzlich auch deutlich klarer formuliert ist.

Zudem gebe es auch weniger Zahlungspläne. Rund zwei Drittel der Schuldner hätten nunmehr einen Zahlungsplan,. Im Vorjahr waren es noch über 70 Prozent. In der ursprünglichen IRÄG-Novelle sollte der Zahlungsplan abgeschafft werden. "Zahlungspläne erzeugen aber Rechtssicherheit", betont hingegen Kantner. Hingegen wurde der Richtwert von 10 Prozent Mindestquote gestrichen, worüber die Gläubigschützer nicht glücklich sind.

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Kräftig angestiegen ist die Zahl der Großschuldner. 180 Privatpersonen haben Schuldner von über eine Million Euro angehäuft. Insgesamt geht es dabei um 520 Millionen Euro Schulden, die nicht mehr bedient werden konnten. "So etwas hat es noch nie gegeben", sagt Kantner. Der KSV-Experte sieht die Ursache auch hier als Folge des zum 1. November 2017 rechtskräftigen IRÄG. In normalen Jahren oszilliert die Zahl der privaten Großschuldner bei rund 30 Personen. Die große Zahl der Privatschuldner beinhaltet etliche Ex-Unternehmer, die eine Firmenpleite hingelegt haben und nun auch privat mit ihren Schulden in die Haftung genommen werden.

Ehemalige Unternehmer haben im Zuge der Privatinsolvenz heuer rund eine halbe Million Schulden angehäuft. "Das ist ebenso eine Verdoppelung der Schulden", sagt Kantner. Bisher beliefen sich die Schulden der insolventen Ex-Unternehmer zwischen 200.000 und 300.000 Euro.

Bei den anderen Privatpersonen, die unter anderem als Konsumenten oder unselbständig Beschäftige ihre Kredite nicht mehr abzahlen konnten, beläuft sich die durchschnittliche Schuldenlast auf rund 59.000 Euro. Der Median-Wert ist mit 27.000 Euro deutlich niedriger.

Für das kommende Jahr prognostiziert KSV-Experte Kantner bei den Privatinsolvenzen wieder einen Rückgang. Für das Jahr 2019 rechnet Kantner mit einem Rückgang auf rund 8.500 Privatinsolvenzen.

Eine große Unbekannte

Bei den Unternehmensinsolvenzen hat der KSV1870 heuer ein "Insolvenztal" registriert. Für das kommende Jahr rechnet KSV-Chef Ricardo-José Vybiral

Die EZB könnte indes der Prognose für 2019 einen Strich durch die Rechnung machen. "Die schlechten Unternehmen profitieren derzeit noch von niedrigen Zinsen", sagt KSV-Chef Vybiral. Sollten die Zinsen erhöht werden, könnte dies zu einem höheren Anstieg an Firmenpleiten führen.

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