Verkalkuliert: Kremsmüller Industrieanlagenbau insolvent

Die Kremsmüller Industrieanlagenbau KG in Steinhaus bei Wels ist insolvent. Am Landesgericht Wels wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Knapp 600 Mitarbeiter sind betroffen.

Gregor Kremsmüller

Gregor Kremsmüller

Ein Unternehmen des traditionellen und bekannten OÖ Familienunternehmens Kremsmüller aus Steinhaus bei Wels, die Kremsmüller Industrieanlagenbau KG, hat heute Mittag den Weg zum Insolvenzrichter angetreten. Das Unternehmen beantragte beim Landesgericht Wels die Einleitung eines Sanierungsverfahrens und bietet seinen Gläubigern eine 20%-ige Quote.

Betroffen in der Kremsmüller Industrieanlagenbau KG sind 594 Mitarbeiter. Die Bank-Passiva des Unternehmens belaufen sich auf rund 58 Millionen Euro, fast ausschließlich in Form von an Auftraggeber gelegten Bankgarantien. In erster Linie betroffen ist als Hausbank die Bank Austria. Auch die Eigentümer werden einen erheblichen Beitrag zur Fortbestandssicherung leisten.

Das Unternehmen hat dem Gericht einen Sanierungsplanantrag inklusive einer positiven Fortführungs-Prognoserechnung vorgelegt. Nach intensiven Verhandlungen und einem maßgeblichen weiteren finanziellen Engagement der Eigentümerfamilie ist die Bank Austria bereit, dem Sanierungsverwalter ausreichende Mittel für die Fortführung des Unternehmens zur Verfügung zu stellen.

Großauftrag, eine Nummer zu groß

Hauptursache für die Insolvenz ist ein völlig aus dem Ruder gelaufener Großauftrag im Raum Wien. Der Auftrag läuft seit dem Jahr 2018, die Auftragssumme betrug ursprünglich 22,5 Millionen Euro. Der Engineering-Aufwand stieg aber laut Kremsmüller exponentiell und hat die Möglichkeiten des Unternehmens - im Nachhinein betrachtet – überfordert.

Heute gesteht das Unternehmen ein, dass „dieser Auftrag für Kremsmüller um eine Nummer zu groß war“. Man sei zu gutgläubig und vertrauensvoll an dieses Projekt und die Auftraggeberin herangegangen, so der Gesellschafter Gregor Kremsmüller. Zudem hätten auch unabhängige Sachverständige bestätigt, dass die mit dem Projekt einhergehenden Risiken auch auf Grund der überaus komplexen Vertragssituation nicht wirklich erkennbar gewesen seien. Daher war die Einleitung eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens die einzige Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen.

Bei Fortführung des Projektes hätte sich ansonsten im Herbst ein riesiges, nicht bewältigbares Finanzloch abgezeichnet. Ein Übriges hat auch die Corona-Krise zur aktuellen Situation beigetragen.

Ausstieg aus der Prozesstechnik

Das ist auch der maßgebliche Grund dafür, dass sich Kremsmüller künftig aus dem Bereich Prozesstechnik zurückziehen wird. Der Fortführungsplan, beinhaltet wie bisher die Schwerpunkte Dienstleistung und Instandhaltung sowie in geringerem Umfang das Projektgeschäft. Drei der bisherigen vier Geschäftsbereiche bleiben unverändert aufrecht:
Apparatebau, Elektro-, Mess-, Steuer-und Regeltechnik und Rohr- und Anlagenbau. Der Unternehmensbereich Prozesstechnik wird geschlossen.

Die übergeordnete Kremsmüller Beteiligungs-GmbH und weitere Töchter sind von der Insolvenz nicht betroffen. Die Jobs der knapp 600 Mitarbeiter der insolventen Industrieanlagenbau KG sollen weitgehend erhalten bleiben. Wirklich gefährdet seien laut Management rund 20. Dabei handelt es sich um leitende Techniker aus dem Bereich Prozesstechnik, aus dem man sich nach dem Schlamassel zurückziehen will. Die übrigen Mitarbeiter dieser Sparte will man in anderen Bereichen von Kremsmüller unterbringen.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass man die Kurzarbeit, die für Teile des Unternehmens nach wie vor besteht, bei der Industrieanlagenbau KG nun nicht mehr nutzen darf und die 594 Mitarbeiter nach dem Insolvenzantrag wieder auf der Payroll stehen.

Die Kremsmüller-Gruppe beschäftigt insgesamt rund 1.800 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland und Rumänien. Das Familienunternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 300 Millionen Euro.

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