Unternehmenspleiten unverändert, Privatpleiten rückläufig

Unternehmenspleiten unverändert, Privatpleiten rückläufig

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 hat die Zahl der Privatkonkurse abgenommen, die Zahl der Unternehmenspleiten blieb auf dem Niveau des Vorjahres. Der Privatpleitier ist im Schnitt mit 153.000 Euro in die Pleite.

Wien. Die Zahl der Unternehmenspleiten sind in den ersten drei Quartalen mit 3.760 Fällen nahezu gleichgeblieben. Im Vorjahr waren es noch 3773 Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, wie der Gläubigerschutzverband KSV1870 im jüngsten Pleitereport berichtet. Die Schuldenhöhe der Pleiteunternehmen beläuft sich auf 1,317 Milliarden Euro.

Weit weniger Pleiten gab es bei den Pleiten von Privatpersonen. Hier gibt es allerdings beträchtliche Unterschiede in der Schuldenhöhe zwischen ehemaligen Unternehmern und Privatpersonen. Im Durchschnitt hat der Privatpleitier 153.000 Euro Schulden angeschrieben. Bei Ex-Selbständigen beträgt die Schuldenlast 339.000 Euro, bei sogenannten" echten Privatiers belaufen sich die Konsumschulden auf knapp unter 60.000 Euro.

Der KSV warnt jedoch einmal mehr den Rückgang als positives Zeichen zu sehen. Die Zahlen seien verzerrend, weil es seit Herbst 2017 neue Regeln für den Privatkonkurs gilt. Viele Privatpleitiers hätten demnach die Novelle des Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2017 (IRÄG 2017) und das Inkrafttreten der neuen Regeln abgewartet. Im Jahr 2018 sei es dadurch zu einem Anstieg bei den Privatpleiten gegenüber 2017 gekommen. Die Zahl der Privatinsolvenzen ist somit im Jahr 2018 kräftiger gestiegen als zuvor. Heuer gab es hingegen in den ersten neun Monaten mit 7.245 Fällen um 7 Prozent weniger Privatpleiten. Für das gesamte Jahr 209 rechnet der KSV mit rund 9000 Privatinsolvenzen, was einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber 2018 entspricht.

Mehr Aussagekraft habe laut KSV1870 eine Mittelwertberechnung rückwirkend ins Jahr 2016, wonach seither die Zahl der Privatinsolvenzen theoretisch bis heuer gesteigen ist. Demnach müsse man laut Kreditschutzverband für heuer mit einem weiteren Anstieg rechnen, geht man bei der Berechnung von Mittelwerten als Vergleichsbasis aus. Nach der Mittelwertberechnung des KSV (siehe Grafik, unten) dürfte die Zahl der Privatpleiten mit 15,9 Prozent plus rechnerisch ansteigen.

Auffällig ist der Anstieg von Unternehmenspleiten mit Passiva von über 10 Millionen Euro. Waren es im Vorjahr noch 17 Fälle über dieser Marke, so sind es heuer bereits 23 Fälle. "Und dabei ist der üblicherweise 'heiße' Insolvenzherbst noch gar nicht ins Land gezogen", warnt KSV-Experte Hans-Georg Kantner vor zu positiven Aussichten.

Die erwähnte Novelle beendete das System der sogenannten Mindestquote in der Abschöpfung und dürfte erheblich dazu beigetragen haben, dass sich nun mehr Menschen eine Entschuldung zutrauen, bekräftigt der KSV einmal mehr. Die Zeiträume der Beobachtung sei noch zu kurz, um Aussagen dazu treffen zu können, wie nachhaltig dieser Effekt tatsächlich auch sein wird.

Laut KSV gibt es österreichweit mindestens 100.000 Personen, die ihren Verpflichtungen schon "seit langem nicht mehr nachkommen können" und daher einer materiellen Entschuldung bedürften. Da sind Zuwächse im Bereich von 1.000 Personen pro Jahr noch unzureichend, so der KSV.

Die rückläufigen Zahlen bei den Privatinsolvenzen seit 2011 erklärt sich der KSV auch aus den vorsichtigeren Kreditvergaben der Banken. Aber auch das Nullzinsphänomen habe dazu geführt, dass die Zahl der Privatpleiten abgenommen habe.

Bonität

Out of Business: Aktuelle Insolvenzen

Bonität

AvW-Pleite: Ex-Steuerberater in Klagenfurt freigesprochen

Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenzabteilung KSV1870

Bonität

Neue Insolvenzregeln für Private "funktionieren ganz gut"

Bonität

Hoteliers feiern Weihnachten und Silvester ohne Thomas Cook