Thomas Cook-Pleite trifft Österreichs Urlauber und Hoteliers

Thomas Cook-Pleite trifft Österreichs Urlauber und Hoteliers

Gestrandet: Urlauber und Hoteliers müssen nach der Thomas-Cook-Pleite schauen, wie sie zu Flügen und Geld kommen.

Die Pleite des britischen Reise-Konzerns Thomas Cook trifft auch die österreichische Tourismuswirtschaft und heimische Urlauber. Die Kunden werden gebeten, für weitere Informationen den zuständigen Abwickler zu kontaktieren.

Die Riesenpleite des britischen Reise-Konzerns Thomas Cook schlägt auch in Österreich Wellen. Die österreichische Tourismuswirtschaft ist zwar von der Insolvenz nicht ganz so stark betroffen wie etwa Zypern, Tunesien, Spanien, die Türkei oder andere klassische Sonnen- und Meer-Destinationen, über die Thomas-Cook-Tochtergesellschaft Neckermann kommen jedoch auch heimische Hoteliers und Urlauber in ein Dilemma.

Mit einer knappen Notiz wandte sich der Reisekonzern am Montag, den 23. September 2019 an die Öffentlichkeit:

"Mit Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Verhandlungen zur geplanten Rekapitalisierung der Thomas Cook Group plc gescheitert sind. Daher hat die Thomas Cook Austria AG jeglichen Verkauf von Reisen gestoppt und kann die Durchführung von gebuchten Reisen nicht gewährleisten."

Für weitere Informationen werden Kunden an die Servicehotline des Abwicklers des Unternehmens, die Allianz Reiseversicherung (AWP P&C S.A.) verwiesen. Thomas Cook Austria forderte die heimischen bereits Urlauber auf, ihre Reisen nicht anzutreten. Buchungen mit Optionsstatus wurden automatisch storniert. Der zuständige Insolvenzabwickler AWP forderte ebenfalls auf, "Reisen nicht anzutreten und die Reisepreisstornierung einzureichen". Diese Regelung gelte "bis auf Weiteres".

Insolvenz und Hoffnung

Am Mittwoch, den 25. September hat auch die deutsche Reiseveranstaltergruppe Thomas Cook mit den Marken Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen einen Insolvenzantrag gestellt. „Wir hätten diesen Schritt natürlich lieber vermieden, doch leider ließ sich auf dem Verhandlungsweg keine kurzfristige Lösung erreichen“, sagt Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung von Thomas Cook Deutschland. „All unsere Gäste in den Zielgebieten, diejenigen, die in den letzten Tagen ihre Reise nicht antreten konnten, und auch unsere Partner können wir nur um Entschuldigung bitten.“

Thomas Cook Austria sah sich gezwungen, dem Schritt der deutschen Gesellschaft zu folgen und ebenfalls einen Insolvenzantrag zu stellen. Gespräche mit strategischen und Finanz-Investoren, langjährigen Partnern in den Zielgebieten und Vertriebspartnern hätten aber eine Option auf eine Fortführung der Marken gezeigt, nun angestrebt wird. Das Ziel ist, die Geschäfte selbstständig fortzuführen. "Das überaus positive Feedback aus unseren Gesprächen der letzten Tage macht uns sehr zuversichtlich, dass die Traditionsmarken die Chance bekommen, bald wieder in gewohnter Weise am Markt aktiv sein zu können", erklärte Berk.

Ioannis Afukatudis, Vorstand der Thomas Cook Austria AG dazu: "Wir sind zuversichtlich, dass es eine Zukunft für den sehr erfolgreichen Standort Österreich geben wird. Aus heutiger Sicht ist nicht absehbar, in welcher Form es weitergehen wird. Dank des Pauschalreiseverordnung sind unsere Pauschalreisekunden vor finanziellen Schäden abgesichert. Es gilt jetzt, in den nächsten Tagen, für alle unsere Kunden, Partner und mein Team die beste Lösung zu finden."

Ausfall, für Urlauber ein Versicherungsfall

Das österreichische Verkehrsbüro, aus dessen Gruppe vor allem die Bereiche Ruefa und Eurotours betroffen sind, hat Kunden indessen, die über Ruefa oder Eurotours eine Pauschalreise bei Thomas Cook oder Neckermann gebucht haben, aufgerufen, die Ruefa-Service Center zu kontaktieren. Reisende sollten auf jeden Fall zum Flughafen fahren und vor Ort klären, ob eine Reise angetreten werden kann. Damit wäre die sogenannte „Reisebereitschaft“ seitens der Kunden sichergestellt - ein wichtiger Punkt für Zahlungen aus Reiseversicherungen.

Das Verkehrsbüro weist außerdem darauf hin, Bestätigungen für eventuell vor Ort noch zu zahlenden Leistungen (Hotel, Mietwagen, etc.) unmittelbar einzufordern und unmittelbar nach der Rückkehr beim Abwickler AWP P&C S.A einzureichen, da es sich hier jedenfalls um einen Versicherungsfall handle.

Auch wenn der Urlaub verpatzt ist, ist für Pauschalreisende zumindest das Geld nicht verloren. "Der Gast ist abgesichert - der Pauschalreisevermittler hat eine Versicherung, die deckt den Schaden ab", bekräftigte der Geschäftsführer des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, Manfred Katzenschlager. "Wenn die Versicherungsdeckung nicht ausreicht, gibt es eine Staatshaftung."

„Bis Ende September sind bei uns etwa 500 Reisende betroffen, die wir gerade verständigen und für die wir so rasch wie möglich die Rückreise organisieren“, so Helga Freund, als Vorstand der Verkehrsbüro Group zuständig für die touristischen Sparten der Gruppe.

Hoteliers betroffen

Anders die Situation der Hoteliers: Diese müssen um die Begleichung ihrer Rechnungen bangen. Deshalb verlangen viele den Urlaubsgästen derzeit allenfalls offene Beträge gleich vor Ort ab, sonst ist das Geld weg. Die Urlauber wiederum können die von ihnen zusätzlich verlangten Summen - mit entsprechendem Zahlungsbeleg - bei der Versicherung zurückverlangen. Im Gegensatz zu den Quartiergebern greift bei den Gästen der Schutz durch die Pauschalreiseverordnung.

"Für manche Hoteliers im Land dürften die Auswirkungen beträchtlich sein", warnt auch der Salzburger Tourismuswerber Leo Bauernberger. Das gelte besonders dann, wenn diese ihre Zimmer zum Gros oder überhaupt ausschließlich über Thomas Cook oder Neckermann verkauft haben: "Das wird noch für unangenehme Situationen sorgen."

Insgesamt sei die Insolvenz für die gesamte Reisebranche keine gute Nachricht. "Schlecht sind für uns sicher auch die zusätzlichen Turbulenzen am britischen Markt, der durch den Brexit ohnehin schon stark verunsichert ist." Was das Wintergeschäft betrifft, zeigte sich Bauernberger hingegen optimistisch. "Die Wintersaison lässt sich sicher noch gut organisieren." Er sei überzeugt, dass andere Reiseveranstalter die Lücke füllen werden.

Man habe in der Vergangenheit zwar bereits mit Konkursen zu tun gehabt, etwa bei russischen Reiseveranstaltern. "Eine Insolvenz in dieser Dimension ist für uns aber neu", hält Wolfgang Breitfuß, Geschäftsführer des Tourismusverbands Saalbach-Hinterglemm, fest. "Das wichtigste ist jetzt, dass unsere Hoteliers die ausständigen Zahlungen für die letzten Anreisen bekommen, also für die Leute, die gerade einmal da waren und vielleicht sogar noch da sind." In der Verbandsregion sind rund 100.000 der etwa 730.000 Sommerübernachtungen auf Thomas Cook und hier wiederum vor allem auf die Konzern-Tochter Neckermann zurückzuführen. Breitfuß: "Die Betriebe im Ort sollen für die erbrachte Leistung auch Geld sehen."

Komplexe Situation

Die Abklärung der juristischen Details in der Großpleite des britischen Mutterkonzerns der österreichischen Thomas Cook Austria AG ist jedenfalls kompliziert. Insolvenz hat derzeit nur die börsennotierte Thomas Cook Group plc mit Sitz in London angemeldet. Die österreichischen Hoteliers haben ihre Verträge laut Wirtschaftskammer mit der Schweizer Thomas-Cook-Firma abgeschlossen. Und die Schweizer wiederum hätten Deutschland als Gerichtsstand in den Verträgen. Offen sei derzeit auch die Frage, "ob nicht nach britischem Insolvenzrecht alle Töchter einbezogen sind", so WKO-Mann Katzenschlager im Gespräch mit der APA.

Die Insolvenz des britischen Reiseveranstalters ausgelöst haben sollen der Wertverfall der britischen Landeswährung Pfund, der Brexit sowie teure Firmenübernahmen, etwa der Ankauf des Tourismuskonzerns MyTravel im Jahr 2007, der nie in die Gewinnzone kam. Auch die gewinnbringende Airline Condor gehört zur Thomas-Cook-Gruppe.


SERVICE

Österreichische Kunden der Thomas Cook Austria AG können Buchungs- und Zahlungsbestätigungen bei Allianz Partners (AWP) bis spätestens 17. November 2019 vorlegen ( thomascook.at <AT> allianz.com ). Für die Urlauber wurde eine 24-Stunden-Hotline (43 1 525 03 6811) eingerichtet. Weitere Informationen gibt es auch auf der Website www.allianz-travel.at.


Erweiterte Problemzone

Außerhalb Österreichs sind von den Thomas-Cook-Insolvenz hunderttausende Urlauber und Hoteliers in Ferienregionen betroffen. In beliebten Destinationen in Spanien, Griechenland, Tunesien oder in der Türkei war der Reisekonzern mit seinen Tochtergesellschaften dick im Geschäft. Die dortige Tourismuswirtschaft befürchtet massive Zahlungsausfälle.

In Spanien, der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, hat die Tourismuswirtschaft einen Anteil von gut elf Prozent am BIP. Der spanische Reiseunternehmerverband Exceltur rechnet mit negativen Effekten von mindestens 200 Millionen Euro. Von den Zahlungsausfällen besonders betroffen sind die Kanaren und die Balearen sowie Andalusien, Valencia und Katalonien. Allein auf Mallorca dürften Unternehmen auf etwa 100 Millionen Euro sitzenbleiben. Neben den Hotels sind auch Hotels sowie Handling- und Catering-Firmen betroffen.

Mit dem Veranstalter waren im vorigen Jahr rund 3,6 Millionen der insgesamt 82 Millionen ausländischen Touristen nach Spanien gekommen. Auf den Kanaren machten Thomas-Cook-Kunden nach amtlichen Angaben 20 Prozent aller ausländischen Besucher aus, auf den Balearen 10 bis 15 Prozent. Die Präsidentin der Hotelierverbandes von Mallorca (FEHM), Maria Frontera, sieht "die Zukunft vieler Unternehmen ernsthaft gefährdet".

"Schwerster Schlag seit der Finanzkrise"

Noch schwerer könnte die Insolvenz das krisengeschüttelte Griechenland treffen. Griechische Tourismusverbände gehen davon aus, dass sie dem Tourismussektor des Landes bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte. Es sei für die Wirtschaft "der stärkste Schlag seit der Finanzkrise", schrieb am Dienstag die Wirtschaftszeitung "Naftemporiki". Im Ranking der wichtigsten Destinationen von Thomas Cook lag Griechenland auf Platz drei, 2018 brachte das Unternehmen rund 2,8 Millionen Besucher in das Land.

In Tunesien sind nach Angaben des Hotelverbandes FTH etwa 100 Hotels in Hammamet und auf Djerba betroffen. 40 dieser Hotels seien ausschließlich Partner des insolventen Reisekonzerns. "Wir sind sehr besorgt, was die Zukunft dieser Hotels betrifft", sagte Mouna Ben Halima vom Hotelverband. Nach schweren Anschlägen im Jahr 2015 war der Tourismus in dem nordafrikanischen Land eingebrochen und erholt sich erst langsam wieder. 2019 hatte sich die Zahl der britischen Touristen, die rund zehn Prozent der europäischen Reisenden ausmachen, wieder erhöht.

Rund 205.000 Touristen reisten jährlich mit Thomas Cook nach Tunesien. Aktuell stehen rund 70 Millionen Euro an offenen Rechnungen bei tunesischen Hotels aus. Ben Halima: "Ein zweiter Schock wie nach den Anschlägen vor vier Jahren würde die Branche hart treffen."

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