Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

Im Sommer 2018 war noch alles anders: Da hatte Steyr Motors noch Mitarbeiter unter anderem via Facebook gesucht - aus gutem Grund. Nun ist das Unternehmen pleite, aber noch in Betrieb.

Der oberösterreichische Spezialmotorenhersteller Steyr Motors ist insolvent. Der Überschuldung beläuft sich auf 8,3 Millionen Euro. 159 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. Der chinesische Eigentümer soll schon vor der Pleite eine Restrukturierung durchgeführt haben.

Im Hochsommer hatte das oberösterreichische Traditionsunternehmen Steyr Motors GmbH noch Leute gesucht, im Herbst, kaum vier Monate später, kommt nun das Aus. Der Spezialmotorenhersteller Steyr Motors mit Sitz in der gleichnamigen oberösterreichischen Bezirksstadt ist insolvent. Das Landesgericht eröffnete ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Die Passiva betragen 23 Millionen Euro, die Aktiva werden auf 14,7 Millionen Euro geschätzt. Die Überschuldung beträgt somit rund 8,3 Millionen Euro

Kurioserweise führt beim Dieselmotorenhersteller nun ein Personalabbau in die Insolvenz. Zumindest wird das im Insolvenzantrag angegeben, wie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und Creditreform mitteilen. Davor dürften aber einige Mitarbeiter dem Unternehmen den Rücken zugekehrt haben. Teilweise sind auch Schlüsselarbeitskräfte abgegangen. Und es kam auch zu einem Rückgang der Produktion, der offenbar zu Liquiditätsengpässen geführt habe.

Die Finanzspritze

Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, wonach es bei dem Unternehmen Verluste, eine Restrukturierung sowie einen Chefwechsel gegeben habe. Steyr Motors (Jiangsu) Investment Co., die chinesische 100-Prozent-Eigentümergesellschaft, hatte noch vor der Insolvenz eine Finanzspritze in Millionenhöhe zur Verfügung gestellt. Die Verhandlungen mit dem chinesichen Eigentümer und potenziellen Investoren hätten aber das Liquiditätsproblem nicht lösen können. Der Weg zum Insolvenzgericht sei daher unumgänglich gewesen.

Die Quote

Der Betrieb des Motorenherstellers ist indes noch aufrecht. Es wird beabsichtigt, das Unternehmen weiter fortzuführen. Ein Sanierungsplan soll das Unternehmen entschulden. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent zahlbar innerhalb von 2 Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes angeboten. Als Insolvenzverwalter wurde der Steyrer Rechtsanwalt Norbert Mooseder bestellt. Die erste Gläubigerversammlung und Allgemeine Prüfungstagsatzung wurde mit 12. Februar 2019 festgelegt.

Von der Pleite sind 159 Mitarbeiter betroffen. Die Arbeiterkammer Oberösterreich sagte den Beschäftigten Unterstützung zu. Sie werde in Abstimmung mit Insolvenzverwalter, Gewerkschaft und Betriebsrat voraussichtlich schon in der kommenden Woche Informationsveranstaltungen für die Belegschaft abhalten. Dabei geht es unter anderem um Anmeldung und Beantragung ihrer offenen Ansprüche bei Gericht und beim Insolvenz-Entgelt-Fonds.

Die Geschichte

Die Steyr Motors GmbH wurde 2001 als eigenständiges Unternehmen einer Investorengruppe rund um den früheren Generaldirektor der "Steyr Daimler Puch Werke" und Ex-Verkehrsminister Rudolf Streicher (SPÖ) sowie den Ex-Chef der Motorensparte von Magna Steyr, Rudolf Mandorfer, der auch als Geschäftsführer fungierte, gegründet. Zuvor war sie Teil von Steyr Daimler Puch und Magna. 2012 wurde das Unternehmen an eine chinesische Investorengruppe verkauft.

Das Alleinstellungsmerkmal

Das Unternehmen hat sich in der Branche durchaus einen Namen mit der Entwicklung und Erzeugung von Monoblock-Motoren mit Hochdruck-Direkteinspritzung gemacht. Das sind Dieselmotoren, die keinen Extra-Zylinderkopf aus Aluminium und deshalb auch keine Zylinderkopf-Dichtung benötigen.

Dieses Nischenprodukt sei leichter, kompakter, sparsamer und höher belastbar als die üblichen Dieselmotoren, nannte man als Vorteile. Der Einsatz der Triebwerke erfolgte im Marinebereich, bei Landfahrzeugen und Maschinen. Auch ein Hybrid-Antrieb für Sport- und Freizeitboote wurde entwickelt. Allerdings: Die Technologie sei laut Insidern in die Jahre gekommen und nicht mehr konkurrenzfähig, was vor allem den Preis und die Qualität anbetrifft.

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