"Start-ups sollten sich nicht zu sehr verbiegen"

KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral

KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral

Der neue KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral über Kreativität, Talent und die Wichtigkeit von zufriedenen Teams.

trend: Sie haben im Dezember 2016 beim KSV1870 die Geschäftsführung übernommen. Davor waren Sie lange in Deutschland tätig. Wie haben Sie die Start-up-Kultur da wie dort erlebt?
Ricardo-José Vybiral: Was das kreative Potenzial angeht, so stehen die österreichischen Gründer den deutschen um nichts nach. Die großen Unterschiede sind eher bei den Marktpotenzialen und den Budgets spürbar, die um ein Vielfaches höher sind. In Deutschland wurde ein Umfeld geschaffen, das das Unternehmertum stark antreibt. Berlin ist etwa ein sehr gutes Beispiel für eine dynamische Start-up- und Innovationskultur. Das wünsche ich mir auch für Österreich. Denn wo sich viel „abspielt“, gibt es auch viele Synergien und daraus generieren sich wieder neue Ideen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kreativität großteils im Zusammenspiel mit anderen entsteht und weniger allein im stillen Kämmerlein. Ist die Szene kleiner, dann ist es besonders wichtig gut vernetzt zu sein – und zwar mit jenen, die einen weiterbringen oder von denen gelernt werden kann.

trend: Was raten Sie Jungunternehmern in der Anfangsphase?
Vybiral: Ich glaube, es ist wichtig, dass Jungunternehmer an den eigenen Visionen festhalten und von eingefahrenen Wegen abweichen. Das klingt einfach, in der Realität kommt aber von außen schnell die Forderung, sich anzupassen. Dabei ist es gerade der Ideenreichtum, das Ungewöhnliche, und die spezielle Start-up-Kultur, die diese Betriebe auszeichnet. Liquidität und Ressourcen sind ohnehin meist Mangelware, wenn sich die Gründer zu stark von ihren ideellen Wurzeln, Ideen und Visionen entfernen und verbiegen – was bleibt dann noch? Gleichzeitig ist es wichtig, immer wieder einen Schritt zurückzugehen und zu hinterfragen, ob sich das Unternehmen noch in die richtige Richtung entwickelt.

trend: Das Aufgabenspektrum von Jungunternehmern ist enorm. Der KSV1870 kritisiert oft, dass es bei den Jungen zu wenig Planung und wirtschaftliches Knowhow gibt. Ist es nicht illusorisch, dass ein Gründer alles beherrschen soll?
Vybiral: Natürlich kann niemand alles, aber ein junger Unternehmer sollte wissen, welche Aufgaben anstehen und auf welche Kompetenzen er zurückgreifen kann. Hat er keinen Sinn beispielsweise für das Rechnungswesen, dann sollte er sich dafür rasch einen Partner suchen. Der KSV1870 bietet im Rahmen der Gratis-Mitgliedschaft etwa eine kostenfreie Rechtsberatung an – solche Angebote sind ein Geschenk und sollten genutzt werden.
Ein Unternehmer ist ab dem Moment der Gründung eine Managementkraft. Und das bedeutet, dass er Teams strategisch – also hinsichtlich der Aufgaben und der Talente – zusammenstellen sollte. Nur wenn die Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden, fühlen sie sich wohl und sind motiviert. Das ist ein unverzichtbarer Faktor, damit sie auch Durststrecken mit dem Unternehmer überwinden. Insgesamt muss ich aber sagen, dass es ohne realistische Planung und einen fundierten Business- beziehungsweise Finanzplan kaum gehen wird.

trend:
Angenommen Sie möchten in ein Start-up investieren. Was würden Sie den Unternehmer zuerst fragen?

Vybiral: Was machst du besser als dein Mitbewerb? Was zeichnet dich aus? Womit willst du in fünf Jahren dein Geld verdienen?


KSV1870 Jungunternehmer-Service

Der KSV1870 unterstützt Jungunternehmer mit einer Gratis-Mitgliedschaft für drei Jahre. Alles über die Gratis-Mitgliedschaft unter www.ksv.at/jungunternehmen

Bonität

Einst legendärer Wiener Promi-Treff "Eden Bar" insolvent

Bonität

Out of Business: Insolvenzfälle vom 17. Oktober 2017

Bonität

Out of Business: Insolvenzfälle vom 16. Oktober 2017