Schnäppchen-Portal Daily Deal ist insolvent

Schnäppchen-Portal Daily Deal ist insolvent

Die Schnäppchen-Plattform Daily Deal ist pleite. Nach einem massiven Schuldennachlass bei den Gläubigern und mit einem neuen Investor, der im Idealfall nebst Kapitaleinlage auch mitarbeiten soll, will Daily Deal mit seinem Rabatt-Portal neu durchstarten.

In der Theorie hatte das Geschäftsmodell eine Logik: Klein- und Mittelbetrieben sollten über eine sogenannte „online-to-offline“ Plattform“ www.dailydeal.at Produkte und Dienstleistungen ohne Fixkosten anbieten. Heißt konkret: Die Unternehmen sollten ihre Produkte und Dienstleistungen unter Abzug von kräftigen Rabatte verkaufen. Daily Deal schneidet sich dabei einen Teil des Rabatts für die Vermittlung ab.

Die Käufer bekamen mit der Entscheidung für den Kauf, auch Deal genannt, einen Gutschein ausgestellt, welcher beim jeweiligen Kooperationsunternehmen eingelöst werden konnte. Gelockt wurde dabei mit Rabatten von bis zu 50 Prozent.

Für Daily Deal selbst waren diese Geschäfte aber unterm Strich bisher nicht profitabel. Das Geschäftsmodell war offenbar nicht tragfähig und wenig geeignet, selbst damit Geld zu verdienen - geschweige denn mehr als die eigenen Fixkosten abzudecken oder gar selbst Gewinn einzustreifen. Daily Deal ist sozusagen selbst in die Fixkostenfalle getappt. Laut Angaben des Kreditschutzverband KSV 1870 hat der Rabatt-Dealer 1,17 Millionen Schulden angeschrieben, die nicht mehr beglichen werden konnten. Der Gang zum Insolvenzrichter am Handelsgericht Wien wurde somit notwendig.

Schuld am miesen Geschäftsgang sei die deutsche Muttergesellschaft. Auch in Deutschland verlief die inszenierte Rabattschlacht eher unprofitabel. Das schrumpfende Geschäft in Deutschland hat jedoch trotz getätigter Einsparungsmaßnahmen auch das österreichische Kerngeschäft beeinträchtigt, teilt der Gläubigerschutzverband KSV1870 mit.

Die Rabattschlacht soll weitergehen

Doch Daily Deal will in Österreich weitermachen. Der beim Handelsgericht Wien eingereichte Sanierungsplanvorschlag sieht vor, rund 20 Prozent der Schulden binnen der kommenden zwei Jahre wieder zurückzuzahlen. Die Gläubiger soll also auf 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Daily Deal fordert quasi nun selbst einen nachträglichen Rabatt auf die Schulden, mit denen das Unternehmen bei ihren Kooperationspartnern in der Kreide steht.

Das Handelsgericht in Wien hat über das Vermögen der in Wien ansässigen Tochter des deutschen Unternehmens ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung zugestanden. Die Schuldentilgung will Daily Deal aus den Erlösen des laufenden Geschäfts nun wirklich bedienen. Und, wie in Sanierungen üblich, die via Insolvenzgericht abgewickelt werden, hat Daily Deal im Sanierungsplan von Investoren gesprochen. Daily Deal will "Gespräche mit namhaften Investoren" führen, welche "an der operativen Tätigkeit interessiert sind", heißt es.

Betroffen von der Insolvenz sind 14 Dienstnehmer sowie 490 Kooperationspartner von Daily Deal, die über die Platfform ihre Dienste angeboten hatten. Sie können nunmehr bis zum 27.11.2019 ihre Forderungen am Handelsgericht Wien anmelden.

Der KSV gibt sich in der Fortbestandsprognose recht bedeckt. "Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Unternehmen tatsächlich fortgeführt werden kann und inwiefern die bereits angebotene Sanierungsplanquote als angemessen zu qualifizieren ist", teilt der KSV1870 mit.

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