Salzburger Ticketbüro-Pleite: Ermittlungen eingestellt

Salzburger Ticketbüro-Pleite: Ermittlungen eingestellt

Salzburger Festspiele 2016: Die Pleite eines Ticketbüros brachte zahlreiche zahlende Kunden um den Kulturgenuss.

Nach dem Konkurs eines Salzburger Ticketbüros, das bis zur Pleite der größte Kunde des Salzburger Festspielfonds war, wurden die Ermittlungen nun eingestellt. Der Unternehmer wurde für "redlich gescheitert" befunden.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat ihre Ermittlungen gegen einen ehemaligen Geschäftsführer eines in Konkurs geschlitterten Salzburger Ticketbüros eingestellt. Es hätten sich keine belastbaren Anhaltspunkte ergeben, dass der Beschuldigte mit Betrugsvorsatz gehandelt habe. Der Mann sei als Unternehmer "redlich gescheitert", erklärte der stellvertretende Mediensprecher.

Das Ticketbüro schlitterte im Juni 2016 in die Insolvenz. Beim Konkursverfahren wurden insgesamt rund 980.000 Euro an Verbindlichkeiten gegenüber Kartenkäufern angemeldet. Laut Kreditschutzverband KSV1870 standen Aktiva in der Höhe von 732.000 Euro Passiva von rund 1,3 Millionen Euro gegenüber. Der Grund für die Insolvenz lag laut dem betroffenem Unternehmen primär in einem zuletzt zweistelligen Umsatzrückgang, den man vergeblich mit erhöhten Werbeaufwendungen auszugleichen versucht hat. Die Situation habe sich 2016 durch die mit 1. Mai 2016 eingetretene Erhöhung der Umsatzsteuer von 10 auf 13 Prozent noch verschärft.

Das Kartenbüro war eigenen Angaben zufolge der größte Kunde des Salzburger Festspielfonds mit einem gesamten Umsatzvolumen von rund 19,6 Millionen Euro in den Jahren 2000 bis 2016. Nachdem sich das schlechte Ergebnis für das Jahr 2015 bereits abzeichnete, seien im Frühjahr 2016 Gespräche mit mehreren Interessenten über den Verkauf von rund 140.000 Kundendaten geführt worden. Die Verhandlungen scheiterten aber.

Kunden ohne Karten

In dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ging es vorwiegend um die Frage, warum Karten für Veranstaltungen der Salzburger Festspiele an Hunderte Kunden verkauft, aber nicht ausgefolgt worden sind. Üblicherweise habe die Gesellschaft jedes Jahr im Dezember beim Festspielfonds Kartenkontingente bestellt und diese in weiterer Folge verkauft, erläuterte der stellvertretende Mediensprecher Robert Holzleitner. Ende des Frühjahrs vor der jeweiligen Festspielsaison seien durch Vorlegung einer Bankgarantie an den Festspielfonds die Karten ausgefolgt und dann an die Kunden übermittelt worden. Als das Ticketbüro im Mai 2016 keine Bankgarantie mehr abgeben wollte, seien die Festspiele vom Vertrag zurückgetreten und hätten keine Karten mehr ausgeliefert. Die Festspiele bemühten sich damals, individuelle Lösungen für die betroffenen Besucher zu finden.

Nach Angaben des Staatsanwaltes hat der Geschäftsführer des Kartenbüros noch im Mai 2016 eine Zahlung von 100.000 Euro zur Bewerkstelligung des Ankaufes von Festspielkarten, die er seit Dezember 2015 im Rahmen seines Geschäftsbetriebes an Kunden verkauft habe, an den Festspielfonds überwiesen und dafür Karten im Ausmaß von 30.000 Euro erhalten. Diese Karten habe er dann an die Kunden weitergegeben.

Jahrelange Verluste

Der Beschuldigte habe dem Festspielfonds angeboten, die Karten nicht mehr wie sonst üblich mit einer Bankgarantie zu beziehen, sondern mit monatlichen Überweisungen von Geldbeträgen. Es seien diesbezüglich zwar noch Gespräche geführt worden, letztlich sei es im Juni 2016 zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen und zu einem Insolvenzantrag des Beschuldigten gekommen. Nach Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Festspielfonds sei es zu keinen weiteren Ankäufen und Übergaben von Karten des Festspielfonds an den Beschuldigten gekommen. Folglich hätten die Kunden keine Karten mehr erhalten, die sie vorher an die Gesellschaft des Unternehmers bezahlten.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der Causa ein Sachverständigen-Gutachten eingeholt. Darin wurde festgestellt, dass die Geschäftsergebnisse der Gesellschaft seit Jahren negativ waren. Der Geschäftsbetrieb konnte durch Zuschüsse von privater Seite, auch durch den Beschuldigten selbst, aufrechterhalten werden. Im Herbst 2015 hatte der Unternehmer eine Einlage in Höhe von 50.000 Euro geleistet. Entgegen der Usancen der Vorjahre habe er im Frühjahr 2016 nicht begonnen, die Einlagen zurückzuzahlen. Dies sei von der Staatsanwaltschaft als Indiz dafür gewertet worden, dass er keinen betrügerischen Vorsatz hatte und sich nicht bereichern wollte, erläuterte Holzleitner. Das Ermittlungsverfahren wurde am 6. Oktober 2017 eingestellt. Das Konkursverfahren wurde mit Beschluss von 9. Jänner 2017 beendet.

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