Ausgebacken: Fast-Food-Kette Schnitzelhaus ist pleite

Schnitzelhaus: Riesen-Schnitzel um wenig Geld

Schnitzelhaus: Riesen-Schnitzel um wenig Geld

Food4you, Eigentümer der österreichischen Fast-Food-Kette "Schnitzelhaus" ist pleite. Das Unternehmen hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung angemeldet. Die Schulden liegen bei 4,5 Millionen Euro. 113 Mitarbeiter sind betroffen.

Was McDonald's & Co mit Hamburgern gelungen ist, das sollte doch auch mit dem ur-österreichischen Nationalgericht, dem Schnitzel möglich sein, dachte vor rund einem Vierteljahrhundert der Unternehmer Helmut Schindler und gründete das "Schnitzelhaus".

Man schrieb das Jahr 1989, als Schindler die erste Filiale eröffnete. Der Eiserne Vorhang war eben gefallen, Österreich noch nicht in der EU, es gab noch keinen Euro, kaum jemand hatte ein Handy, geschweige denn einen Internet-Anschluss und der spätere Facebook-Gründer Mark Zuckerberg war erst fünf Jahre alt. In dieser, einer komplett anderen Zeit, fiel die Idee auf einen nahrhaften Boden.

Die Fast-Food-Fritteusen waren bald in fast allen Wiener Bezirken am brutzeln, es folgte die Expansion nach Niederösterreich und ins Burgenland, ehe Schindler im Oktober 2005 seine inzwischen auf 35 Standorte angewachsene Kette an die Inhaber der oberösterreichischen Kette "Pizza Mann" verkaufte.

Gescheiterte Expansion

Die neuen Eigentümer wollten die Expansion vorantreiben. Vor allem in Westösterreich erhoffte man sich großes Potenzial für die Fritteusen, man wollte auf 100 Filialen kommen, eine Mitarbeiter-Akademie einrichten und holte Anfang 2008 den McDonald's Manager Gottfried Kraft als Geschäftsführer. Doch die Expansion kam bald ins Stocken.

Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise, und die Eigentümer witterten erneut großes Potenzial, mit riesigen Billig-Schnitzeln reüssieren zu können. Man profitiere von der Sparsamkeit der Leute, denn diese bringe Kunden von teureren Restaurants in die günstigeren Schnitzel-Lokale, argumentierten die Eigentümer damals. Fünf bis acht neue Filialen wollte man noch 2009 eröffnen, pro Standort 250.000 Euro investieren und dachte weiter Richtung 100 Filialen. Daraus wurde nichts. 20 Jahre nach der Gründung hatte sich die Welt grundlegend geändert und den Österreichern gustierte es in dieser neuen Welt immer weniger nach frittiertem Puten- und Schweinefleisch.

Weitere fünf Jahre später, im Herbst 2014, es gab 38 Schnitzelhaus-Standorte in Österreich, witterte Christian Wimmer, früher Chef von McDonald's Österreich, dennoch die Chance, mit der Kette durchstarten zu können. Er übernahm "Schnitzelhaus" und gliederte das Unternehmen in die neu gegründete "food4you gmbh" ein, die wiederum in die AIW Beteiligung GmbH eingegliedert wurde, die zu 100 Prozent im Eigentum der "Wimmer Systemgastronomie GmbH" ist, die wiederum zur Gänze Christian Wimmer gehört.

Schnitzel-to-Go

Den Traum der ursprünglichen Gründer, eine österreichische Variante von McDonald's zu schaffen, konnte jedoch auch Wimmer nicht realisieren. Es gab Probleme mit Franchisenehmern, mit den Lieferanten, der Qualität, der Sauberkeit und der Kundenzufriedenheit. Wimmer musste Filialen schließen, sich von Franchisenehmern trennen und zuletzt mit seiner "food4you gmbh" fast alle seiner Schnitzel-to-Go-Filialen selbst führen.

Es kam, wie es kommen musste: Die früheren Franchisenehmer beglichen ihre Verbindlichkeiten nicht. Als auslösende Insolvenzursache gab food4you an, dass es als Folge der Auflösung der Franchiseverträge zu erheblichen, ungeplanten Aufwendungen gekommen sei, da teilweise auch gerichtliche Schritte ergriffen werden musste. Hinzu kamen die Forderungsausfälle, bis Wimmer schließlich die Mitarbeiter in den noch verbliebenen 22 Filialen nicht mehr bezahlen konnte.

Laut Kreditschutzverband KSV1870 steht das Unternehmen mit 4,5 Millionen Euro in der Kreide, die Aktiva belaufen sich auf etwa eine halbe Million Euro. Von der Insolvenz sind etwa 140 Gläubiger und 113 Dienstnehmer betroffen. Den Gläubigern wird ein Sanierungsplan angeboten, der die Zahlung einer Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren ab Annahme vorsieht.

Dem Sanierungsplan zufolge will Wimmer weitermachen und sich künftig auf größere Restaurants in Hochfrequenzlagen konzentrieren. Kleinere Standorte seien bereits verkauft worden. Schon im Sommer seien neue Lokale in der BahnhofCity Wien West und in der SCS eröffnet worden, 2017 sollen Standorte im Donauzentrum/Donau Plex, in der Wiener Innenstadt und der Plus City in Linz folgen.

Ob dieser Plan angenommen wird und aufgeht, wird sich zeigen. In einer Stellungnahme Wimmers heißt es: "Die finanziellen und bürokratischen Belastungen in der Gastronomie machen es in Österreich mittlerweile unmöglich, bestimmte Geschäftstypen profitabel zu führen." Möglicherweise gilt das aber auch generell für die Idee einer Schnitzel-Fast-Food-Kette.


Ab sofort können Gläubiger Forderungen über den KSV1870 anmelden. (Mail: ins.team.noeb <AT> ksv.at )

Weitere Informationen zu den Themen Insolvenzen, Gläubigerschutz und Bonitätsprüfung finden Sie auf der Website des KSV1870.

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