Konkurs: Vögele muss alle 57 Filialen schließen

Charles Vögele ist nun endgültig gescheitert.

Charles Vögele ist nun endgültig gescheitert.

Alle Rettungs- und Sanierungsmaßnahmen der Grazer Modekette Charles Vögele sind gescheitert. Das Sanierungsverfahren wurde aufgehoben, das Unternehmen hat den Konkursantrag gestellt. 394 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen.

Das Ringen um die Rettung der Grazer Modekette Charles Vögele mit ihren 394 Mitarbeitern ist zu Ende. Der Sanierungsplan ist gescheitert, das Unternehmen hat über die Rechtsanwaltskanzlei Graf & Pitkowitz einen Konkursantrag eingebracht. Die 57 noch bestehenden Geschäfte werden geschlossen. Es ist keine Fortführung mehr angestrebt.

Das Ziel ist nun eine geordnete Liquidation. Die meisten Filialen sollen rasch schließen, die Mietverträge schnell beendet werden. Im Mai reichten die Mittel nicht mehr aus, um die Mieten für alle Filialen zu bezahlen. Aktiva von rund 3,4 Millionen Euro stehen Passiva von knapp 21,1 Millionen Euro gegenüber. Von den Passiva entfallen laut KSV1870 15,1 Millionen Euro auf Rückstellungen für liquidationsbedingte Aufwendungen.

Für die Mitarbeiter wurde das Kündigungsfrühwarnsystem gegenüber dem AMS ausgelöst. Die April-Gehälter wurden noch ausbezahlt. Offen sind die aliquoten Sonderzahlungen ab dem 1. Jänner 2019.

Jahrelanges Ringen

Charles Vögele versuchte seit Jahren, in Fahrt zu kommen - zuerst mit Hilfe von Hollywood-Stars in der Werbung, dann mit Wechseln in der Führung, Restrukturierungsprogrammen und einem neuen Sortiment. Ende Juli 2018 musste das Unternehmen dennoch Insolvenz anmelden. Damals hatte das Unternehmen noch 711 Mitarbeiter. Das Unternehmen konnte die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Die per 1. August fälligen Gehälter und gestundeten Urlaubsgehälter blieben offen.

Die Passiva beliefen sich im August 2018 laut Kreditschutzverband von 1870 auf 32,9 Millionen Euro, die Aktiva wurden mit 12,9 Millionen Euro beziffert. 178 Gläubiger meldeten Forderungen an und sollten mit einer Quote von 20 Prozent abgefunden werden.

Die insolvente Masse war von der niederländischen GA Europe/GAEBB Group B.V. übernommen worden. Ein strategischer Investor, der von den Niederländern im April an Bord geholt worden war, soll aber nicht alle Vertragsbedingungen erfüllt haben. "Daher ist der Kaufvertrag rückabgewickelt worden und es kam zur Pleite", erklärte ein Insider gegenüber der Presse-Agentur APA. "Leider sind die Verkaufsverhandlungen trotz intensivster Bemühungen nunmehr gescheitert, womit die kurz-und mittelfristige Warenversorgung für die verbleibenden 57 Filialen nicht mehr im erforderlichen Ausmaß sichergestellt werden konnte", hieß es von der Textilkette.

Versuch der Sanierung

Charles Vögele, das noch Ende 2017 mit etwa 100.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Marktanteil von gut drei Prozent die Nummer zehn am österreichischen Bekleidungsmarkt war, sollte saniert werden. "Gegenüber der Zerschlagung des Unternehmens und Abgabe der Filialen an viele Einzelabnehmer, wie in den letzten Wochen immer wieder kolportiert, sehen wir im eingeleiteten Sanierungsverfahren die beste Chance zur Fortführung der Gesellschaft", erklärte Thomas Krenn, der damalige Geschäftsführer Charles Vögele Austria.

Nun wurde das Sanierungsverfahren aufgehoben. Die Insolvenzgläubiger werden aufgefordert, ihre Forderungen innerhalb der Anmeldungsfrist anzumelden. "Aussonderungsberechtigte und Absonderungsgläubiger an einer Forderung auf Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis oder auf sonstige wiederkehrende Leistungen mit Einkommensersatzfunktion werden aufgefordert, ihre Aussonderungs- oder Absonderungsrechte innerhalb der Anmeldungsfrist geltend zu machen", heißt es.

Textilhandel unter Druck

Der Niedergang von Charles Vögele ist ein Beispiel für den Wandel im Textilhandel. Jährlich werden in Österreich zwar etwa 6,4 Milliarden Euro für Bekleidung ausgegeben - eine Summe, die relativ stabil ist. Die Branche ist allerdings im Zuge der Digitalisierung schwer unter Druck geraten. Das traditionelle Geschäft wird zusehends von Online-Händlern aufgemischt.

2010 entfielen erst sechs Prozent des Umsatzes auf den Online-Handel, 2017 waren es bereits beträchtliche 27 Prozent. Und Wachstumstempo im Online-Handel bleibt deutlich höher als im stationären Handel. Schätzungen des Marktforschungsinstituts RegioData zufolge soll schon 2020 jedes dritte in Österreich gekaufte Kleidungsstück per Zustelldienst geliefert werden. Die Verkaufsflächen im stationären Handel gehen dramatisch zurück (siehe Grafik).

Weniger Verkaufsfläche, weniger Filialen: Der stationäre Textilhandel ist schwer unter Druck.

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