Millionenpleite: Oberösterreichische GLS Bau und RW Montage insolvent

Die Großbaustelle Praterbrücke auf der A23 im Sommer 2015

Die Großbaustelle Praterbrücke auf der A23 im Sommer 2015

Für die Perger GLS Bau und Montage wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Landesgericht Linz beantragt, für die Tochter RW Montage ein Konkursverfahren. 280 Dienstnehmer und rund 1.130 Gläubiger sind betroffen.

Es ist die bislang größte Pleite in Oberösterreich des Jahres: Die GLS Bau und Montage mit Sitz in Perg, Oberösterreich und ihre Tochter RW Montage sind insolvent. Bei der GLS stehen mehr als 50 Millionen Euro Passiva rund 26,4 Millionen Euro Aktiva gegenüber. Bei der RW Montage liegen die Aktiva etwa bei 10,5 Millionen Euro, die Angaben zu den Passiva schwanken zwischen 8,3 und 10,5 Millionen Euro. Hier wurde der drohende Verlust offenbar noch nicht schlagend.

Bis zum Jahresabschluss Mitte 2016 sei die wirtschaftliche Entwicklung der Firmen laut Kreditschutzverband KSV1870 noch positiv gewesen. Am 4. November wurde jedoch offenkundig, dass sich die Unternehmen offenbar bei der Sanierung der Praterbrücken in Wien übernommen haben. Die Generalsanierung habe nicht nur das Eigenkapital der Unternehmen aufgefressen, sondern trieb es auch in den Verlust. "Insolvenzauslöser sind die immensen Mehrkosten im Zusammenhang mit dem im November 2014 übernommenen Auftrag zur Generalsanierung der Wiener Praterbrücke", teilt GLS mit. Die Mehrkosten werden mit zehn Millionen Euro beziffert.

Die GLS Bau soll nach einer Restrukturierung mit dem künftigen Insolvenzverwalter fortgeführt werden. Der Sanierungsplan sieht vor, den Gläubigern eine sofortige Barquote von 5 Prozent anzubieten. Weitere 15 Prozent sollen in den nächsten zwei Jahren ausgezahlt werden.

Asfinag widerspricht GLS

Die Asfinag widerspricht jedoch der Darstellung der GLS, wonach Mehrkosten bei der Sanierung der Praterbrücken für die Pleite ausschlaggebend seien. Die Sanierung der Praterbrücke sei korrekt beglichen worden und sei sowohl zeitlich als auch bei den Kosten im Plan gelegen.

"Für eine ursprünglich mit 175.000 Euro angebotene Teil-Leistung bei der Sanierung hat die GLS, bald nach Beginn der Arbeiten, der Asfinag Mehrkosten in Höhe von 176 Millionen Euro in Aussicht gestellt - also mehr als das Tausendfache", heißt es in einer Aussendung der Asfinag. Die GLS habe diese Mehrkostenauf letztlich 9,5 Millionen Euro reduziert. "Das ist immer noch rund das Vierzigfache des marktüblichen Preises. Das ist so nicht nachvollziehbar", hält der Geschäftsführer der Asfinang Baumanagement, Gernot Brandtner fest. Die Mehrkostenforderungen hätten nach einer Prüfung in dieser Höhe als keinesfalls gerechtfertigt erwiesen.

Die letzten Verhandlungen zwischen der GLS und der Asfinag fanden am 4. November 2016 statt. Die Asfinag hat die GLS letztlich auf den Klagsweg verwiesen. "Nachdem erfahrungsgemäß derartige Verfahren fünf bis acht Jahre in Anspruch nehmen, sind wir leider zu dem Schritt in die Insolvenz gezwungen", erklärt Edmund Wall, Geschäftsführer und Miteigentümer der GLS.

Die je zu 50 Prozent im Eigentum der Familienstiftungen Wall und Besenbäck stehende GLS Bau und Montage GmbH mit Hauptsitz Perg in Oberösterreich wurde 1998 gegründet. Zu dem Unternehmen gehört die RW Montage GmbH zur Gänze, für die ebenfalls ein Insolvenzantrag am Landesgericht Linz gestellt wurde. Ebenfalls zu GLS gehören die W 177 GmbH, die Wohnoase Dirnbergerstraße GmbH, die Schwarzbergerhof GmbH und die Objekt Sophiengut GmbH. Als Shareholder ist das Unternehmen zudem mit 66,67 Prozent an der Aventerra SAS in Frankreich beteiligt.


Mehr Informationen zum Thema Insolvenzen und Beratungen für Gläubiger finden Sie auf der Webseite des KSV1870.

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