160 Millionen Euro Forderungen nach Waagner-Biro-Pleite

Der im Oktober zurückgetretene Waagner-Biro-Vorstandschef Thomas Jost (li) und Haupteigentümer Herbert Liaunig.

Der im Oktober zurückgetretene Waagner-Biro-Vorstandschef Thomas Jost (li) und Haupteigentümer Herbert Liaunig.

Nach der Insolvenz der Waagner-Biro Stahlbau AG haben 220 Gläubiger Forderungen von rund 160 Millionen Euro gegen die Nachfolgegesellschaft, die SBE Alpha AG, eingebracht. Der Insolvenzerwalter hat davon jedoch vorerst nur 11,5 Millionen Euro anerkannt.

Die Insolvenz der Waagner-Biro Stahlbau AG wirft immer noch viele Fragen auf. Wie konnte das Unternehmen, dessen Stahlbaukonstruktionen weltweit Beachtung fanden bei der aktuellen Baukonjunktur überhaupt in die Insolvenz schlittern? Warum wurde das Unternehmen dann binnen weniger Tage geschlossen? Und nun ganz aktuell: Wie kann es sein, dass der Masseverwalter von den im Zuge des Insolvenzverfahrens gestellten Gläubiger-Forderungen über 160 Millionen Euro nur 11,5 Millionen anerkennt?

Waagner-Biro, das war schließlich nicht irgendein Unternehmen, sondern ein österreichischer Vorzeigebetrieb mit herausragenden Projekten - darunter Konstruktionen am Berliner Reichstag und am Louvre in Abu Dhabi -, einer punktgenauen Positionierung, einer schlüssigen Diversifizierung und einem guten Auftragsbestand.

Bestrittene Forderungen

Dass der Insolvenzverwalter im Abwicklungsverfahren der SBE Alpha AG - die Waagner-Biro Stahlbau AG war erst am 15. Oktober 2018, acht Tage vor dem Insolvenzantrag entsprechend umbenannt worden - von den bis zur Prüfungstagsatzung angemeldeten Forderungen nur rund sieben Prozent der Forderungen anerkennt, ist nun ebenso ungewöhnlich.

"Dass in einem Insolvenzverfahren nicht alle Forderungen anerkannt werden ist der Regelfall. In diesem Fall ist die Diskrepanz aber außergewöhnlich groß", urteilt auch Christoph Vavrik, Leiter des Insolvenz Team Wien des Kreditschutzverbands KSV1870. Er erklärt den großen Anteil der bestrittenen Forderungen damit, dass die Frist für die Einbringung der Forderungen relativ kurz gesetzt war und zudem über die Weihnachtsfeiertage lief. Der Insolvenzverwalter Stephan Riel habe daher wohl auch vorsichtshalber viele Forderungen nicht anerkannt, weil eine genaue Prüfung vorerst nicht möglich war.

Unter den im ersten Durchgang nicht anerkannten Forderungen befinden sich auch hohe Schadenersatzforderungen ehemaliger Vertragspartner, die so Vavrik, gerade im Bauwesen immer strittig sind.

Gläubiger, deren Forderungen vom Insolvenzverwalter vorerst nicht anerkannt wurden, hätten nun die Möglichkeit von Feststellungsklagen, um ihre Ansprüche erneut zu deponieren. Ein Rechtsmittel, das Gläubigern übrigens in jedem Insolvenzfall bei einer bestrittenen Forderung haben. Im Fall der Waagner-Biro / SBE Alpha Pleite wurde für die Einbringung von Feststellungsklagen eine zweimonatige Frist festgesetzt.

Auf welche Höhe sich die Passiva am Ende belaufen werden ist daher vorerst noch nicht absehbar. Der KSV-Experte hält ein Volumen von rund 100 Millionen Euro für möglich.

Waagner-Biro Bridge Systems

Bei der ebenfalls in Insolvenz befindlichen Brückenbau-Tochter Waagner-Biro Bridge Systems hatten bis zu der Prüfungstagsatzung am 19. Dezember 140 Gläubiger Forderungen von rund 88 Millionen Euro angemeldet. Der in dem Verfahren zuständige Insolvenzverwalter Matthias Schmidt hatte davon im ersten Anlauf rund 57 Millionen anerkannt.

Die Bridge Systems sollen saniert werden. Am 28. Jänner wird sich entscheiden, ob die Mehrheit der Gläubiger dem Sanierungsplan zustimmt. Im Sanierungsplan ist aktuell eine binnen zwei Jahren zahlbare Quote von 20 Prozent vorgesehen.


Weitere Informationen zu den aktuellen Insolvenzen, Gläubigerschutz und Bonitätsfragen finden Sie auf der Website des Kreditschutzverband KSV1870.

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