Massiver Anstieg bei Privatkonkursen

Massiver Anstieg bei Privatkonkursen

Die Verbindlichkeiten bei den Privatpleiten sind in den ersten neun Monaten 2018 im Vorjahresvergleich laut KSV1870 geradezu explodiert. Eine Ursache ist das Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2017, das im November des Vorjahres Erleichterungen beim Privatkonkurs brachte. Die Firmenpleiten sind hingegen nur gering angestiegen, die dabei verursachten Schulden sind ebenso kräftig gestiegen wie auch die Zahl der betroffenen Dienstnehmer.

Das neue Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2017 macht es möglich: Die Zahl der Privatkonkurse ist in den ersten neun Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahr um satte 66 Prozent angestiegen. Ebenso massiv gestiegen sind dabei die Verbindlichkeiten: um 166 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Im Gegensatz zu den Privatpleiten ist die Zahl der Firmenpleiten nur schwach gestiegen: Nach der Insolvenzstatistik des KSV1870 sind in den ersten drei Quartalen 2018 die Unternehmensinsolvenzen um rund 1,9 Prozent auf 3.785 Insolvenzen gestiegen. Die hinter den Unternehmensinsolvenzen steckenden Schulden belaufen sich auf 1,293 Mrd. Euro und waren gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent höher.

Trotz Hochkonjunktur, wo die Firmenpleiten üblicherweise stagnieren. Der massive Anstieg der Schulden ist hauptsächlich auf die drei Großpleiten zurückzuführen. Niki (153 Millionen Euro), Wienwert (71,1 Mio. Euro) und Charles Vögele (32,9 Mio.) Euro machen alleine rund 20 Prozent der gesamten Schulden bei den Unternehmensinsolvenzen aus. Ebenso kam es auch zu einem kräftigen Anstieg der betroffenen Dienstnehmer. Infolge der Insolvenzen wurde ein Anstieg um 22 Prozent auf 14.200 Personen verzeichnet.

Gute Nachricht für Privatpleitiers

Anders als der KSV sieht die Schuldnerberatung im Anstieg der Privatkonkurse seit der Gültigkeit der neuen Privatinsolvenzregeln im November 2017 kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen.

Auch das immense Plus bei den Passiva sei "keine schlechte Nachricht: Die Zahlen sind eine gute Nachricht, weil mehr Menschen im wirtschaftlichen Sinn ein Neustart gelingt", so Schuldnerberater Clemens Mitterlehner.

Menschen mit geringem Einkommen, die bisher nicht in der Lage gewesen seien, ihre Schulden zu regeln, können infolge der neuen gesetzlichen Schuldenregelung (IRÄG 2017) die Hürde schaffen. So wurde beispielsweise die vorher verpflichtende 10-Prozent-Quote gestrichen. Damit könnten sich auch Menschen leichter entschulden, die einen besonders großen Schuldenberg haben. Vor allem würde dies laut Shculdnerberater Mitterlehner frühere Unternehmer betreffen.

Die Verbindlichkeiten je Schuldner betragen 193.000 Euro. Dieser heurige Durchschnittswert liegt laut dem KSV deutlich über dem langjährigen Schnitt, der rund 120.000 Euro pro Schuldner beträgt. Durch die neuen Insolvenzrechtsregeln wagten sich mehr ehemalige Unternehmer mit tendenziell höheren Schulden in den Privatkonkurs.

Auch gegenüber dem "normalen Insolvenzjahr" 2016 - als noch nichts über die gesetzlichen Änderungspläne beim Privatkonkurs bekannt war - gibt es um gut 27 Prozent mehr private Insolvenzverfahren. 2017 gilt aus Sicht der Gläubigerschützer bei den Privatinsolvenzen als Ausnahmejahr, weil viele private Schuldner auf die neuen, für sie etwas besseren Regelungen gewartet hätten. Daher wird das heurige Jahr gerne mit 2016 verglichen.

„Die aktuellen Höchstwerte sind das Ergebnis des IRÄG 2017 und der Entwicklung in den letzten Monaten“, erklärt Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz. Selbst im Vergleich mit einem „normalen“ Insolvenzjahr, also einem Jahr ohne Einschnitt durch die Gesetzgebung, ergibt sich bei den eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ein deutliches Plus von knapp 28 Prozent.

Die vom IRÄG 2017 ausgelöste „Insolvenzwelle“ werde laut KSV voraussichtlich gegen Ende des Jahres 2018 zur Ruhe kommen. Die Zahl der Privatkonkurse sei bereits in den vergangenen Wochen leicht rückläufig. Der KSV rechnet zum Jahresende 2018 mit insgesamt 10.000 Privatkonkursen in Österreich.

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