KSV-Umfrage: Mehrheit der Unternehmer gegen "Entschuldung light"

KSV-Umfrage: Mehrheit der Unternehmer gegen "Entschuldung light"

Der Kreditschutzverband KSV1870 hat seine Mitglieder zu der bevorstehenden Änderung des Insolvenzrechts befragt. Demnach stemmen sich gut zwei Drittel der Befragten gegen die Reformpläne der Regierung zum Privatkonkursrecht.

Wien. Das Ergebnis der Umfrage ist für den Kreditschutzverband eindeutig: Die überwiegende Mehrheit lehnt eine weitere Benachteiligung der Gläubiger ab. Einer Umfrage unter den KSV-Mitgliedern zufolge, sprechen sich 69 Prozent der Befragten Unternehmer gegen eine Verkürzung der Entschuldungsdauer von sieben auf drei Jahre sowie gegen die Streichung der Mindestquote. Beides sind auch die Forderungen der Gläubigerschützer, die an der bisherigen Regelung zum Privatkonkurs in diesen beiden Punkten keine Abstriche machen wollen. Rund 1000 von insgesamt 23.000 Mitgliedsunternehmen, vorwiegend Klein- und Mittelbetriebe, haben an der KSV-Umfrage teilgenommen.

Argumentiert wird die Ablehnung damit, dass die Gläubiger bereits jetzt schon über eine Milliarde Euro verlieren, weil die Forderungen nicht beglichen werden. Der enorme volkswirtschaftliche Schaden wird sich weiter erhöhen, wenn die Reform des Privatkonkurses wie geplant durchgezogen wird.

Die gegnerische Seite der Schuldenberatung hat bei der Novellierung des Gesetzes genau darauf gedrungen, dass die Entschuldungsdauer herabgesetzt und die Mindestquote gestrichen wird, um vor allem unschuldig in Not geratenen Menschen die Entschuldung in kürzerer Zeit zu vereinfachen. "Wer nichts hat, dem kann man nichts holen", sagt Clemens Mitterlehner von der ASB Schuldenberatung. Das neue Insolvenzrecht würde laut ASB auch wichtig gegen die Armutsbekämpfung sein.

Die Konsumschulden

Eine Analyse der Privatinsolvenz-Fälle des Jahres 2016 zeigt laut KSV, dass es nur sehr selten arme Menschen sind, die übermäßig Schulden anhäufen. „Unsere Analyse bestätigt, dass auch gut verdienende Menschen nur zu oft über ihre Verhältnisse leben. Überschuldung lässt nicht auf den Vermögensstatus, sondern auf das Verhalten schließen“, argumentiert KSV1870 Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner. Fast die Hälfte der Insolvenzen werde durch Konsumschuldner verursacht infolge der Überschätzung der eigenen Leistungskraft, überbordendem Konsumverhalten, Spekulation und Glücksspiel.


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Die Notwendigkeit einer Reform wird laut KSV-Umfrage dennoch in Teilen der Unternehmerschaft goutiert, wenngleich es nur jeder fünfte offenbar als sinnvoll erachtet. 21 Prozent der Befragten können sich eine Reform für Unternehmer vorstellen, die "wirtschaftlich Schiffbruch" erleiden. Laut KSV-Umfrage gibt es aber besonders ablehnende Haltung der Unternehmer aus Tirol (77 Prozent gegen Reform) und Vorarlberg (87 Prozent). Insgesamt nur 17 Prozent der Umfragteilnehmer befürworten eine Entschuldung in dem Ausmaß wie es von der Regierung vorgesehen ist.

Die Schwächung der Moral

Während die Sozialpolitik inklusive Armutskonferenz die rasche Entschuldung fordern, werden die Änderungen auf der KSV-Seite als einen "Freibrief" für Schuldner bezeichnet: "Die Schuldenfreiheit wird gleich mit dem Kreditantrag mitliefert." Für Unternehmen hätte dies daher auch weitreichende Folgen.

Einerseits rechnen zwei Drittel der befragten Unternehmer (66 Prozent) mit einer Verschlechterung der Zahlungsmoral. Andererseits befürchten 57 Prozent der Befragten, dass Unternehmen und Banken ihre Preise erhöhen, um die Ausfälle abzufedern. Die Hälfte (51 Prozent) rechnet konkret damit, dass die Kreditvergabe werde teurer und restriktiver wird. An eine von manchen Befürwortern der Reform prophezeite Ankurbelung des Konsums glauben lediglich neun Prozent.

Der KSV betont einmal mehr, dass es bereits die "zweite Chance" für Unternehmer schon gibt. KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral fordert daher die Ausgewogenheit zwischen Reformbedarf und Gläubigerinteressen Fairness. Mit dem "Fairnesskonzept" will der KSV seine Position unterstreichen. „Eine Forderung nach leistungsarmer Entschuldung- to-go mag nach sozialem Schlaraffenland klingen. Letztlich muss immer irgendjemand den Preis zahlen", sagt Gläubigerschützer Vybiral.

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