KSV: Privatkonkurse nehmen zu, Unternehmenspleiten leicht ab

KSV: Privatkonkurse nehmen zu, Unternehmenspleiten leicht ab

Die Zahl der Privatpleiten nimmt wieder kräftig zu. Die Unternehmenspleiten stagnieren, aber auch die Investitionen in Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle drohen gestoppt zu werden. Mit fatalen Folgen.

Die Gläubigerschützer vom Kreditschutzverband KSV1870 haben ihre Insolvenzbilanz 2019 präsentiert: Die Zahl der Unternehmenspleiten hat demnach im Jahr 2019 stagniert: die Zahl der Pleiteunternehmen stieg um 0,8 Prozent auf 5.018 leicht an. Hingegen kam es bei den Privatinsolvenzen erstmals seit acht Jahren wieder zu einem kräftigen Zuwachs. Die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen ist um 12,3 Prozent auf 9.534 Fälle gestiegen. Das ist laut Berechnungen des KSV1870 der höchste Wert seit acht Jahren. Im Jahr 2011 mussten 9596 Personen Privatkonkurs anmelden. Danach ging die Zahl zurück.

Heuer betreffen 31 Prozent der Privatkonkurse ehemalige Unternehmer, die im Schnitt 340.000 Euro Schulden angeschrieben haben. 69 Prozent der Privatkonkurse betreffen Verbraucher, die mit durchschnittlich 63.300 Euro in der Kreide stehen. Bei Privatpersonen zählen die Hauptgründe für die Überschuldung die leichtfertige Verschuldung durch Konsumausgaben, die Reduktion des Einkommens aber auch Lebenskrisen, Krankheit oder Arbeitslosigkeit.

Der kräftige Anstieg bei Privatpleiten sei heuer noch ein Ausläufer aus der Änderung des Insolvenzrechtsgesetz im November 2017. Potenzielle Privatpleitiers hatten ihre Pleite auf das Jahr 2018 verschoben. Mit der gesetzlichen Änderung wurden für Privatpleitiers Erleichterungen im Schuldenregulierungsverfahren gesetzlich abgesegnet: Die Mindestquote von 10 Prozent wurde abgeschafft, die Abschöpfungsdauer von 7 auf 5 Jahre verkürzt.

Nachdem 2017 absehbar war, dass die Insolvenz für einen Privatpleitier ab November 2017 quasi billiger wird, wurde von vielen Pleitekandidaten die neue gesetzliche Änderung abgewartet. Das führte zu einem kräftigen Anstieg der Pleiten im Jahr 2018. Um die Pleiten heuer sinnvoll mit den Vorjahren und somit vor der schuldnerfreundlichen Regelung vergleichen zu können, hat der KSV nun die Zahl der Privatkonkurse 2019 mit der durchschnittliche Anzahl der beiden Jahre 2017 und 2018 berechnet und verglichen und somit einen Anstieg um 12,3 Prozent errechnet.

Der typische Schuldner ist laut KSV-Erhebung männlich, lebt in der Stadt, ist konsumorientiert und um die 20 Jahre alt. Mehr als die Hälfte der 9534 Schuldner lebt in Wien. Gewinnspielsucht und Drogen spielten demnach eine nicht geringe Rolle. Auch übermäßiger Konsum treibe Menschen in die Schuldenfalle, "besonders in dieser Jahreszeit", warnt KSV1870-Chef Ricardo-Jose Vybiral vor allzu leichtfertigen und hohen Ausgaben in der Vorweihnachtszeit.

Die Verharrung

Anders ist die Lage bei den Unternehmenspleiten. Trotz rückläufiger Konjunktur ist die Zahl der Unternehmenspleiten kaum gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Mit 5018 Unternehmenspleiten ist die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen nur "minimal um 0,8 Prozent gegenüber 2018 gestiegen". Wie bereits zur Halbjahresbilanz im Sommer 2019 rechnet KSV-Insolvenzexperte Georg Kantner erst im kommenden Jahr mit einem kräftigeren Anstieg der Unternehmenspleiten. "Heuer war einmal mehr ein ideale Situation die Schulden abzuzahlen, alleine auch aufgrund der niedrigen Zinsen und doch stabilen Konjunktur", so Kantner.

Erfreulich sei, dass die Unternehmen kapitalstark sind, um auch in schwächeren Zeiten gut aufgestellt zu sein. "Es darf aber nicht sein, dass man auf die Bremse tritt. KSV-CEO Vybiral warnt davor, dass Österreich zu einem "Durchschnittsland" wird und bei Investitionen vor allem bei der Digitalisierung, für neue Geschäftsmodelle oder auch Forschung und Entwicklung auf die Bremse getreten werde. "Mut und Risiko sieht anders aus", meint Vybiral.

Die meisten Insolvenzen gab es nach Anzahl der Fälle in Unternehmensbezogenen Dienstleistungen, darunter fallen etwa Holdings, im Bau und der Gastronomie. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Betriebe gebe es in der Gastro allerdings unterdurchschnittlich viele Pleiten.

Die größten Pleiten waren heuer die Firmengruppe SFL (Metallbau) mit Passiva in der Höhe von 92,1 Mio. Euro, gefolgt vom Folienhersteller Alufix mit 41 Mio. und dem Reiseveranstalter Thomas Cook mit 38 Mio. Euro.

Die Zahl der Dienstnehmer, die von der Insolvenz des Arbeitgebers mitgerissen wurden, ging um 10,5 Prozent auf 17.000 Beschäftige gegenüber der Pleitebilanz 2018 zurück. Ebenso deutlich sind die Schulden um rund 18 Prozent auf 1,69 Mrd. Euro gesunken.

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