KSV fordert sofortige Einstellung der Corona-Hilfszahlungen

Österreichs Wirtschaft soll wieder in den "Normalmodus" wechseln. Im Herbst wird die Zahl der Insolvenzen laut KSV wieder steigen. Eine Insolvenzwelle droht jedoch nicht. Marode Unternehmen werden über die kommenden drei Jahren aussortiert, wenn der Markt wieder funktioniert.

KSV fordert sofortige Einstellung der Corona-Hilfszahlungen

Die befürchtete Insolvenzwelle bleibt bis dato aus. Die staatlichen Corona-Hilfen haben laut KSV1870 großteils gewirkt.

Wien. Österreichs Wirtschaft dürfte mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise kommen. Die noch im Herbst 2020 befürchtete Insolvenzwelle dürfte ausbleiben. Denn die Zahl der Insolvenzen geht laut Halbjahresbilanz des Kreditschutzverbands KSV1870 weiterhin zurück: Gegenüber dem Vorjahreshalbjahr ist Zahl der Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2021 um 48 Prozent geringer ausgefallen. 1000 Unternehmen haben Insolvenz angemeldet. Das ist der niedrigste Wert an Unternehmenspleiten seit 40 Jahren. Um insgesamt 79 Prozent sind die dabei angehäuften Schulden auf 365 Millionen Euro zurückgegangen.

Allerdings dürfte der Rückgang der Insolvenzen im zweiten Halbjahr wieder zunehmen, wenn die staatlichen Corona-Hilfszahlungen zurückgefahren werden und vor allem Unternehmen gestundete Zahlungen an Finanz und Sozialversicherung wieder zu zahlen haben. Für den Herbst 2021 rechnet der KSV wieder mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen.

Keine große Welle

Ein Insolvenzwelle, die noch im Vorjahr von den Experten nach Auslaufen der staatlichen Corona-Stützungen befürchtet worden war, sehen die KSV-Experten nicht auf Österreich zurollen. KSV-Holding-CEO Ricardo-José Vybiral rechnet mit einem Anstieg, der aber bis zum Jahr 2022 geglättet sein wird. Dann wird man in Österreich wohl wieder die Anzahl der Unternehmenspleiten vom Jahr 2019 vor der Corona-Krise erreichen.

Aufschub mit der Rückzahlung der gestundeten Beiträge an Finanz und Sozialversicherung bekommen die Unternehmen derzeit noch bis Oktober. Denn von Juli bis September startet eine sogenannte "Safety Car Phase". Erst ab Oktober müssen Unternehmen zwischen den bereits zwei bekannten Ratenzahlungsmodellen wählen. Die gestundete Beträge an Finanz und Sozialversicherung sind dann über 36 Monate zurückzuzahlen.

Staatliche Eingriffe stoppen

Diie "staatliche Gießkanne" mit den massiven Corona-Hilfspaketen dürfte zwar Schlimmeres verhindert haben. Die massiven Corona-Hilfszahlungen wie Härtefallfonds, Umsatzersatz, Fixkostenersatz, Kurzarbeit oder Stundungen von Steuern und Sozialversicherung hätten vielen Unternehmen über das Schlimmste weggeholfen. Für eine funktionierende Wirtschaft seien aber die staatlichen Eingriffe auf Dauer alles andere als förderlich. Unter anderem wurden dadurch auch Unternehmen durch die Corona-Krise gehoben, die schon insolvenzgefährdet waren oder die vergangenen 15 Monate im Normalfall kaum überlebt hätten.

"Die staatlichen Eingriffe müssen jetzt beendet werden, wir müssen wieder auf das normale Wirtschaftsleben zurückkehren", fordert der KSV-Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze. "Es finden keine Reinigungseffekte mehr statt, die aber für eine funktionierende Wirtschaft wichtig sind", so Götze.

Die Gefahr sei, dass Unternehmen am Leben erhalten werden, die nur noch "dahin vegetieren". "Man macht den Unternehmen und der Wirtschaft auch keinen Gefallen, weil dann ein Punkt erreicht wird, wo ein Unternehmen dann auch nicht mehr in die Insolvenz gehen kann, nicht mehr für einen Neustart sanierbar ist, weil das Unternehmen geschlossen werden muss, weil keine Assets mehr da sind und in weitere Folge sind dann auch noch die Jobs weg", warnt Götze.

Der KSV-Manager plädiert daher für eine geordnete Insolvenz, aus der Unternehmen noch mit einem Sanierungsplan neu durchstarten können. "In Österreich starten cirka 30 Prozent aus der Insolvenz heraus neu durch", sagt Götze. Ein frühzeitige Entscheidung in die Insolvenz zu gehen, habe für Unternehmen oft "reinigende Wirkung", sagt der Gläubigerschützer.

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