In-Location LAV am Wiener Graben kocht in die Pleite

In-Location LAV am Wiener Graben kocht in die Pleite

Ein Blick in den Wiener Graben und der neue Name haben alleine nichts genutzt: Das In-Lokal LAV als Nachfolger von "Graben 30" ist insolvent.

Mit viel Promi-Tamtam im Sommer 2018 nochmals durchgestartet, hat das Innenstadt-Lokal LAV nun eine Millionenpleite hingelegt. Wegen geschönter Umsätze, hohen Personalkosten und viel Eigenkonsumation von der Zeit davor werden sich die Neo-Eigentümer und seine Vorgänger andernorts treffen: Die Anwälte und das Konkursgericht sind derweil am Zug.

Im Sommer 2018 trafen sich bei der Neueröffnung des noblen Wiener Innenstadt-Bar-/Restaurants "Graben 30" noch berühmte Innenstadt-Beaus, wichtige Profikicker samt Anhang, der Bierbrauersohn einer berühmten irischen Brauerei sowie DJs aus dem In- und Ausland, lokale Werber und Adabeis mit Begleitung. Ein mittlerweile Ex-Moderator hatte das Comeback des Lokals verbal angerichtet, um nun wirklich durchzustarten. Nach dem Erstversuch im Jahr 2015, als die noble Location mit Pomp eröffnet wurde, sollte nun ein Neustart gelingen. Mit neuen Eigentümern und dem bisherigen Geschäftsführer.

Doch der Winter war kaum angebrochen, der Frühling noch in der Ferne, gab es schon Zores im doppelstöckigen In-Treff am Graben 30 zu Wien. Der übernommene Geschäftsführer wurde abgelöst. Die branchenfremden Eigentümer Loran Pejcinoski und Emilija Grankova - je zur Hälfte beteiligt an der GmbH - führten das nunmehr in LAV unbenannte Lokal alleine fort. Und mussten Konkurs anmelden, der noch viel Stoff bringen dürfte für eine Auseinandersetzung mit Anwälten und eventuell vor Gericht.

Die Neu-Eigentümer streiten sich schon seit Weihnachten 2018 nun mit dem übernommenen gewerberechtlichen Geschäftsführer, der weiterhin die Geschäfte führen soll. In der Bilanz 2017 - so berichtet der "Kurier" -, soll es Probleme mit dem Zahlenwerk geben, wie der Steuerberater erstaunt festgestellt hatte. Soll heißen: Die Alteigentümer sollen angeblich im Jahr 2017 kräftig zugelangt haben. Der Eigenverbrauch soll verdeckt in die Bilanz eingeflossen sein. Auf dem Deckel der Alt-Eigentümer standen noch rund 593.000 Euro angeschrieben für die Einladungen von Promis, Nicht-Promis und Adabeis sowie für den Eigenverbrauch der Alt-Gesellschafter.

Laut KSV1870 wurden bis dato Schulden von insgesamt rund einer Million Euro angeschrieben. Dem gegenüber wird das Vermögen auf knapp 110.000 Euro geschätzt. Die Zahl der Gläubiger wird vom KSV1870 auf 66 angegeben.

Neben dem Eigenverbrauch sollen auch immense Personalkosten zu Buche stehen. Bis zu 67 Mitarbeiter hatte das zur Tageszeit als Caféhaus und Restaurant, am Abend als Klub-Location genutzte Lokal auf der Gehaltsliste. Auch die Reduktion der Belegschaft sowie die Verschlankung der Speisekarte mit dem Speiseangebot brachten nicht die gewünschten Erleichterungen auf der Kostenseite. Und die Umsatzschätzungen dürften ebenso nicht ganz so gestimmt haben, wie sie vom Vorgänger des unter dem Namen "Graben 30" geführten Lokals angegeben wurden.

Zwar wurde letztens von den beiden Neu-Eigentümern mehrfach finanziell nachgeschossen. Doch der Konkurs schien nun der einzige Ausweg zu sein. Um auch neu durchstarten zu können.

Neustart 3.0

Doch das Ende scheint noch nicht gekommen. Im Graben soll ein weiterer Neustart erfolgen. Die Fortführung des Unternehmen wurde nun seitens der Schuldner vorgeschlagen. Die Schuldner haben laut KSV ein Sanierungsverfahren angemeldet. Die LAV-Unternehmer bieten allen unbesicherten Insolvenzgläubigern eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent, die innerhalb von zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes beglichen werden soll. Der KSV1870 hat angekündigt die Quote dahingehend zu prüfen, ob sie angemessen und erfüllbar ist.

Die Anmeldefrist für die Gläubigerforderungen läuft bis zum 21. Mai 2019. Ab sofort können Gläubigerforderungen über den KSV1870 angemeldet werden (ins.team.wien <AT> ksv.at) .

Die erste Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung findet am 25. April 2019 statt. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung erfolgt am 4. Juni 2019. Danach ist die Sanierungsplantagsatzung für den 18. Juni 2019 geplant.

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