KSV-Umfrage: Digitalisierung ist Neuland für viele Unternehmen in Österreich

KSV-Umfrage: Digitalisierung ist Neuland für viele Unternehmen in Österreich

Die Wirtschaft brummt, die Stimmung bei Unternehmern ist positiv, ungeachtet ob Klein-/Mittel- oder Großbetrieb. Nur beim Thema Digitalisierung gibt es viel Unverständnis und Fehlinterpretationen – hat der KSV1870 in einer Umfrage erhoben. Und beim Datenschutz (DSGVO) gibt es eine "gewisse Orientierungslosigkeit".

Vernetzung der IT, Updates und Aufrüsten der Server und Back Office sowie Prozessoptimierung - das alles sind zwar IT-Themen. Das Top-Thema Digitalisierung greift jedoch weiter. "Gräbt man tiefer, kommt man zu spannenden Ergebnissen", sagt KSV-Vorstandschef Ricardo-José Vybiral. Denn der Informationsstand zur Digitalisierung wirft Bedenken auf. So sind laut KSV-Umfrage vom März 2018 unter rund 1000 Unternehmensvertretern 22 Prozent schlecht informiert.

"Unternehmen fokussieren sich außerdem stark auf Prozessoptimierung und das Back Office", so KSV-Vorstand Vybiral. Die Kernthemen sind dabei der elektronische Zahlungsverkehr (79 Prozent), die elektronische Rechnung (52 Prozent) sowie der elektronische Amtsweg (52 Prozent). Mit dem Thema Digitalisierung werden weitgehend Effizienzsteigerungen von Verwaltungsprozessen und Prozessoptimierung verstanden. "Das Pferd wird von hinten aufgezäumt, nicht beim Kunden", sagt KSV-Chef Vybiral. Denn "Prozesse schlanker zu machen noch lange keine Digitalisierung".

Viel mehr geht es hier um die Zukunftsthemen, wie und wo sich das Unternehmen in "fünf bis zehn Jahren" sieht. "Das Thema Modernisierung des Produkt- und Serviceangebots, eine noch stärkere Kundenorientierung ist größtenteils noch im Hintergrund der Unternehmen", so der KSV-Chef. Vier von fünf Unternehmen (80 Prozent) verbinden Digitalisierung nicht mit der Modernisierung. 70 Prozent der Unternehmen verzichtet gar auf die Digitalisierung von Arbeitsabläufen und Produktionsprozessen. Fast ein Drittel der befragten Unternehmen (29 Prozent) hat kein weiteres Digitalisierungsprojekt in Planung.

Ein Gefälle zeigt sich freilich von Großunternehmen zu Klein- und Mittelbetrieben. Das hängt freilich auch damit zusammen, dass Großunternehmen strukturell besser aufgestellt sein müssen und daher auch schneller reagieren können.

"Jobs done? Nein, wir glauben nicht, dass die Hausaufgaben erledigt sind", sagt KSV-Chef Vybiral.

Dabei würde sich gerade die aktuell konjunkturell positive Stimmung quer durch alle Branchen eignen, um sich auf die Zukunft einzustellen. 42 Prozent der befragten Unternehmen wollen heuer ihre Investitionen erhöhen, 34 Prozent haben unverändert hohe Investitionen geplant, nur 13 Prozent der Unternehmen wollen die Investitionen zurückgefahren und bei zehn Prozent der Unternehmen gibt es noch keine Entscheidung.

Konkrete Investments planen die Unternehmen für die IT (31 Prozent), Werbung/PR (28 %), die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern (24 %), für die Steigerung des Personalstandes (21 %), den Fuhrpark (19 %) und den Aufbau neuer Produktlinien/Geschäftszweige (15 %).

Mehr für die Defensive als für den Angriff

Die wichtigsten Motive für die Investitionen sind der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, die langfristige Absicherung des Unternehmens, Gewinne zu steigern, die Markenbekanntheit zu erhöhen und den Marktanteil zu steigern. "Um es sportlich auszudrücken: Die Defensive ist stark aufgestellt, das Sicherheitsbedürfnis groß, aber in der Offensive gibt es Nachholbedarf", sagt Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH.

Klarerweise plädieren die Unternehmen für den Abbau von Hemmnissen, Bürokratie sowie Steuererleichterungen. Jedes fünfte Unternehmen scheue auch das Risiko. "Aber das ist nicht Neues, denn 90 Prozent der Unternehmen sind in der Lage die Rahmenbedingungen zu berücksichtigen", sagt Wagner.

Die Imagekrise des Bankkredits

Auch nach der Überwindung der Finanzkrise mit deren Schwierigkeiten, Kredit zu bekommen, haben sich die Unternehmen endgültig auf neue Finanzierungsformen eingestellt. So sieht KSV1870-Kreditexperte Wagner ein Imageproblem für die Kreditfinanzierung, wenngleich sie für mittlere bis größere Vorhaben unverzichtbar sind. "Die Unternehmen haben Rücklagen gebildet und wollen Investitionen in erster Linie mit Eigenkapital finanzieren", sagt Wagner.

"Bei Bankkrediten sind die Unternehmen vorsichtig", sagt Wagner. 48 Prozent der Unternehmer glaubt laut KSV-Umfrage, dass die Kreditaufnahme noch immer schwierig sei. 41 Prozent der Unternehmen sehen indes den Prozess hinsichtlich Vergabe , Zeit und Höhe für angemessen.

60 Prozent der befragten Unternehmen verwenden die Gelder für Investitionen aus Rücklagen, aus dem Cashflow wollen etwa ein Drittel der Unternehmen (30 %) das Geld für Investitionen einsetzen. Der Bankkredite ist nur noch für 28 Prozent der Unternehmen attraktiv, trotz niedrigerer Kosten als früher, gefolgt von Leasing (20 %) und Förderungen (17 %).

Der neue Datenschutz

Eine "gewisse Orientierungslosigkeit" ortet KSV-Chef Vybiral zum Thema Datenschutz: "Die Leute kommen aus den Schulungen und sind verwirrter denn je." Bis zum 25. Mai 2018 müssen Unternehmen die rechtlichen Vorgaben der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfüllen. Wer untätig bleibt muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Für seine Mitglieder hat der KSV nun auch Webinare im Programm.

Fragezeichen werfen die Ergebnisse der Befragung zum DSGVO-Status auf. Mit Stand Ende Mai 2018 hatten zwar 68 Prozent der Befragten bestätigt, dass sie die Vorgaben erfüllt haben. 30 Prozent haben bislang noch "keine einzige Maßnahme" umgesetzt. Allerdings haben insgesamt 85 Prozent der Unternehmen auch bestätigt, mit der Dokumentation der Daten noch nicht begonnen zu haben.

Und auch hier gilt: DSGVO ist nicht ein reines IT-Thema. Die Wahl für die Unternehmen ist laut KSV-Chef Vybiral auch hier: "Orientierung suchen oder Kopf in den Sand stecken". Ersteres dürfte Zukunftsperspektive haben.

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