Digitalisierung bleibt noch im Back Office hängen

Digitalisierung bleibt noch im Back Office hängen

In Österreich werden die Möglichkeiten der Digitalisierung in erster Linie nur zur Prozessoptimierung in der Verwaltung und Rechnungswesen genutzt. Laut KSV gibt es noch viel Bedarf in der Produktion sowie bei der Entwicklung von Produkten und Services. Das Wissen ist jedenfalls bei einer großen Mehrheit der Unternehmen vorhanden.

Umfragen bringen gewöhnlich Wahrheiten auf den Tisch: So auch beim derzeitigen Top-Thema und Dauerbrenner Digitalisierung. Dass unter dem Terminus auch Abgrenzungsprobleme oder unterschiedliche Definitionen verstanden werden, ist ein kollateraler Nebeneffekt, der aber kaum wundert.

Der Kreditschutzverband (KSV) hat unter seinen 24.000 Mitgliedern eine Umfrage zum Thema Digitalisierung gestartet. Beim Großteil der befragten Unternehmen versteht man darunter in erster Linie eine Effizienzsteigerung von Verwaltungsprozessen. Dass die Digitalisierung auch Veränderungen in der Prozesskette oder bei der Verbesserung und Entwicklung von Produkten eine große Rolle spielen kann, scheint für viele Unternehmer noch eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Bei rund 80 Prozent von rund 1000 Umfrageteilnehmern sind digitale Innovationen bei der Modernisierung des Produkt- und Serviceangebots nicht wichtig (siehe Grafik, u.) . Und 70 Prozent haben derzeit keinerlei Projekte zur Digitalisierung von Arbeitsabläufen und Produktionsprozessen. So ist etwa auch Cloud Computing, das für 73 Prozent der befragten Entscheider irrelevant sei. Zumindest derzeit. Denn der Tenor lautet: Das ist Zukunftsmusik.

Für den Großteil der Unternehmer setzt die Digitalisierung im Back Office an. Der Effizienzsteigerung in der Verwaltung und der Prozessoptimierung gilt daher der Hauptfokus. "Die Vorteile einer effizienten Verwaltung in Ehren, aber in Österreich wird bei diesem Thema das Pferd von hinten aufgezäumt", erklärte KSV1870-Holding-Vorstand Ricardo-José Vybiral im trend-Interview.

Am Anfang der Digitalisierung des Unternehmens steht demnach in erster Linie das Back Office, wie der elektronische Zahlungsverkehr (79 Prozent) und Modernisierung des Rechnungswesen (46 Prozent) samt Anbindung an E-Government-Lösungen (52 Prozent) und elektronischer Rechnungserstellung (53 Prozent). Es fehlt aber gleichzeitig die breite Palette der Digitalisierung in Richtung Kunde und vor allem Produkt auszunützen. So blieben die vertrieblichen Chancen, die sich durch digitale Lösungen ergeben können, momentan fast ungenutzt. Was sich auch in den Projekten niederschlägt: So haben 94 Prozent den Unternehmen derzeit kein App-Projekt in Vorbereitung, für 84 Prozent spielt der Webshop derzeit keine Rolle.

Digitale Baustellen

Ähnlich schaut es aus, wenn Digitalisierung zur Produktverbesserung oder Neuentwicklung eingesetzt werden kann. Projekte zur Modernisierung des Serviceangebots oder des Produktes, der Digitalisierung des Produktionsprozesses und von Arbeitsabläufen haben laut KSV-Chef Vybiral noch immer nicht die gebotene Aufmerksamkeit. Nur 22 Prozent der Befragten plant Projekte für die Modernisierung der Services und Produkte, ganze zehn Prozent der Unternehmen hat die Digitalisierung von Produktionsprozessen und der -abläufe auf Schiene. Vybiral: "Die Prozessoptimierung in Ehren, aber das alleine ist noch keine Digitalisierungsstrategie, sondern nur ein Teil."

Und es gibt auch weiterhin Unternehmer, für die das Thema Digitalisierung offenbar keine Rolle spielt. 29 Prozent der Befragten haben das Zukunftsthema Nummer 1 nicht auf ihrer Agenda und haben kein digitales Projekt in der Planung.

Wenn es um den Wissensstand geht, gibt es immerhin einen Lichtblick: Haben 22 Prozent der befragten Unternehmer angegeben, dass ihr Wissenstand zur Digitalisierung "schlecht" sei, geben hingegen 78 Prozent am, dass sie "gut" informiert seien.

Bonität

Out of Business: Aktuelle Insolvenzen

Bonität

Weniger Firmenpleiten, Privatkonkurse auf Höchststand

Bonität

KSV baut den Vertrieb um: Michael Pavlik ist neuer Vertriebschef