Das sagen die Chefs von Telekom, Infineon & Co wie es um Österreich steht

Das sagen die Chefs von Telekom, Infineon & Co wie es um Österreich steht

Bei der WirtschaftsXChange by KSV1870 diskutierten Experten über den Status quo der heimischen Wirtschaft, den aktuellen Digitalisierungsgrad der Unternehmen und wie es um Österreichs Wirtschaft im internationalen Vergleich steht.


Österreich schafft es nicht unter die Top 10

„ Der Konjunktureinbruch infolge der Lehman-Pleite ist mittlerweile einem beständigen Aufwärtstrend gewichen. Trotzdem schafft es Österreich nicht unter die Top 10 der attraktivsten Wirtschaftsstandorte“, erklärt Vybiral auf dem Business-Event. Diese Entwicklungen belegen auch die aktuellen Zahlen der Austrian Business Check-Umfrage, die der KSV1870 unter Mitgliedern und Kunden durchgeführt hat:

Über 40 Prozent wollen mehr investieren als im Vorjahr
70 Prozent der Befragten bewerten die Geschäftslage auch heuer wieder als sehr gut bzw. gut – gleichzeitig sind 43 Prozent der Unternehmen bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen als im Vorjahr. „Doch die Betriebe investieren vor allem deshalb, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Investments in die Entwicklung neuer Produkte oder Geschäftsfelder stehen dabei ebenso wenig im Fokus, wie die Finanzierung der Bereiche Innovation und Forschung“, so Vybiral.

Digitalisierung: Zwei Drittel ohne digitale Agenda
Das Vertrauen auf Altbewährtes führt in weiterer Folge dazu, dass es die Digitalisierung nach wie vor nicht vollständig bis nach Österreich geschafft hat. Das bestätigen auch die Umfrage-Ergebnisse: Demzufolge nehmen zwar 84 Prozent der Betriebe Marktveränderungen aufgrund der digitalen Transformation wahr, trotzdem haben rund zwei Drittel keine digitale Agenda installiert bzw. in Planung. Mehr als ein Viertel der Befragten bezeichnet die Digitalisierung sogar als die größte Schwäche des eigenen Unternehmens. „Es zeigt sich einmal mehr, dass es hierzulande an einer digitalen Kultur fehlt. Aktuell zählen wir nicht zu den digitalen Gestaltern“, erklärt Vybiral.


Man wird schlechter weil andere besser geworden sind

Damit der heimische Wirtschaftsstandort nicht an Attraktivität verliert, bedarf es wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen: „Es benötigt Agilität in Entscheidungen und ein Bildungssystem, das junge Leute auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet“, so Thomas Arnoldner, Chef der Telekom Austria. In die gleiche Kerbe schlägt auch Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria: „Wir müssen die großen Trends wie die Digitalisierung oder die Globalisierung als Chance begreifen, denn man wird auch schlechter, weil andere besser geworden sind. Dafür benötigt es Investments vor allem in die Bereiche Bildung, Forschung und Infrastruktur.“ Ähnlich sehen es laut Austrian Business Check auch die Unternehmen selbst. Neben altbekannten Faktoren wie der Senkung von Lohnnebenkosten (74 %) oder einer modernen Verwaltung (59 %) werden vor allem die verstärkte Fachkräfteausbildung (53 %) sowie die Förderung von Innovationen bzw. Forschung und Entwicklung (53 %) als absolut notwendig eingestuft.


Echte Investitions- und Risikokultur nötig

Für Stefan Dörfler, Finanzchef der Erste Bank Holding, geht es auch darum, das Mindset nachhaltig zu verändern: „Neben den ‚klassischen‘ Themen wie F&E, Digitalisierung und Bildung benötigt es eine echte Investitions- sowie eine kontrollierte Risikokultur. Gerade für den Vermögensaufbau sind das entscheidende Elemente – und dafür ist eine fundierte Finanzbildung von klein auf ein ganz zentraler Baustein.“

Unis kriegen nicht genug Geld
Um die Zukunft des Landes positiv zu gestalten und den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig zu stärken, sind laut Dörfler gut ausgebildete Fachkräfte ein entscheidender Faktor: „Es mangelt jedoch nach wie vor an einer ausreichenden Finanzierung der Universitäten. Dabei sollten wir weniger von Kosten sprechen, sondern viel mehr von Investitionen“, erklärt WU-Professorin Edeltraud Hanappi-Egger.

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