Insolvenz beim Autozulieferer Rupert Fertinger trifft 200 Mitarbeiter

Habe fertig: Der niederösterreichische Autozulieferer Fertinger mit Sitz in Wolkersdorf ist insolvent. Knapp 200 Mitarbeiter sind betroffen. Das Unternehmen soll saniert werden.

Veit Schmid-Schmidsfelden, Haupteigentümer der Rupert Fertinger GmbH

Veit Schmid-Schmidsfelden, Haupteigentümer der Rupert Fertinger GmbH

Der Autozulieferer Rupert Fertinger GmbH, Spezialist für die Entwicklung von Komponenten für das Temperatur-Management in Fahrzeugen mit Sitz in Wolkersdorf in Niederösterreich ist zahlungsunfähig. Über das Vermögen der Firma wurde beim Landesgericht Korneuburg ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Betroffen sind 260 Gläubiger und 169 Mitarbeiter an zwei Standorten in Österreich und einem in Polen. Die Passiva liegen bei 20,7 Millionen Euro. Der Standort in Polen, die Fertinger Automotive Polska, ist eine eigenständige Gesellschaft mit 80 Mitarbeitern und von der Insolvenz nicht betroffen.

Als Insolvenzursache wird angeführt, dass sich die Inbetriebnahme des Produktionsstandortes in Polen schwierig gestaltet hat. Der break even point des neuen Werkes wurde verspätet erreicht. Daraufhin wurden zwar umfangreiche Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und ein positives Betriebsergebnis im ersten Quartal 2019 erzielt, allerdings waren diese Maßnahmen mit einem erheblichen Liquiditätsaufwand verbunden, sodass die Kapitaldecke vollständig aufgezehrt wurde.

Firmensitz der Rupert Fertinger GmbH in Wolkersdorf

Firmensitz der Rupert Fertinger GmbH in Wolkersdorf

Prominenter Eigentümer

Das Unternehmen gehört zu 97 Prozent der Metallwarenerzeugung Rupert Fertinger GmbH, die zur Gänze im Eigentum des Industriellen Veit Schmid-Schmidsfelden steht. Er hat das Unternehmen 2002 übernommen und ist gemeinsam mit Gerhard Lampesberger auch Geschäftsführer. 2012 wurde die Produktion in der neuen Fabrik Wolkersdorf im ecoplus Wirtschaftspark in Wolkersdorf aufgenommen.

Schmid-Schmidsfelden ist stellvertretender Industrie-Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich und war als solcher bei den vergangenen Metallerlohnrunden Chefverhandler der Arbeitgeber. Der Unternehmer ist zudem Aufsichtsrat bei den Austrian Airlines und bei Kapsch.

Die zahlungsunfähige Firma hat einen Sanierungsplan eingebracht, in dem sie ihren Gläubigern eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, anbietet. Das Ziel ist, die Firma so zu entschulden. Im ersten Quartal 2019 habe man bereits wieder positiv bilanziert. Man hofft, dass das Unternehmen mit allen bisherigen Mitarbeitern weitergeführt werden kann. Die Wiener Rechtsanwältin Katharina Widhalm-Budak wurde zur Masseverwalterin bestellt. Bis zur Berichts- und Prüfungstagsatzung ist ungewöhnlich lange Zeit. Diese findet erst am 23. August statt, die Prüfungs- und Sanierungsplantagsatzung am 4. Oktober.

Das aktive Forderungsmanagment gehört zu den Pflichten eines jeden Unternehmens.

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