Autozubehörkette Forstinger schon wieder pleite

Autozubehörkette Forstinger schon wieder pleite

Nach 2001 schon wieder Pleite: Der Winter war dieses Mal Schuld und gab Forstinger den Rest.

Nach der Pleite im Jahr 2001 ist die Autozubehörkette Forstinger schon wieder zahlungsunfähig. Auch dieses Mal soll das Unternehmen fortgeführt werden. 15 der 108 Filialen werden laut Sanierungsplan vorerst zugesperrt. Eine Restrukturierung ist gescheitert: Die Kosten liefen davon, zuletzt brach wetterbedingt Umsatz mit Winterartikeln ein. 800 Mitarbeiter sind betroffen.

Die Autozubehörkette Forstinger ist nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten erneut in die Insolvenz geschlittert. Beim Landesgericht St. Pölten wurde am Mittwoch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt, für das eine Quote von mindestens 20 Prozent erforderlich ist, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des Sanierungsplanes. Das Unternehmen mit zuletzt 823 Mitarbeitern soll fortgeführt werden. Bis zu 15 der 108 Filialen sollen allerdings nun zugesperrt werden.

Laut Kreditschutzverband (KSV1870) beluafen sich die Passiva auf 31,2 Millionen Euro, davon sind 27 Millionen Euro unbesichert. Neben den Mitarbeiter sind von der Pleite auch 364 Gläubiger betroffen. Ein aktueller Vermögesstatus liegt derzeit noch nicht vor. Das Insolvenzgericht hat die Anmeldefrist für die forderuzngen mit 13.3.2018 festgelegt. "Der KSV1870 wird prüfen, ob diese angebotenen Quote adäquat und erfüllbar ist", teilte der Kreditschutzverband mit.

Eine Sanierung und Neustart mit Aussicht auf eine Fortführung des Unternehmens könne nur gelingen, falls die Gläubiger auf die angebotene Quote von 20 Porzent einwilligen, heißt es bei Forstinger. Sollte die Zustimmung nicht erfolgen, würde ein Konkurs für die Gläubiger maximal eine Quote von acht Prozent bringen.

Laufende Restrukturierung

Das Unternehmen hat bereits seit gut zwei Jahren eine Restrukturierung eingeleitet, deren Maßnahmen offensichtlich nicht gefruchtet haben. Zuletzt wurden die Kosten um rund zwei Millionen Euro gesenkt, heißt es bei Forstinger. Zwar stabilisierten sich die Umsätze und mehrere neue Sortimentsgruppen wuchsen sogar zweistellig, wie die Forstinger Österreich GmbH am Mittwochin einer Aussendung erklärte. Kostenseitig habe man aber notwendige Einsparungen aufgrund der Altmietverträge und Altlieferantenverträge nicht ausreichend umsetzen können. Bei ienigen Stdnorten mit langfristigen Mitetverträgen zahlt Forstinger Und zuletzt seien im heurigen Jänner - durch die warme Witterung - wetterbedingt die Umsätze bei Saisonwaren wie Starterbatterien und anderen Winterartikeln um bis zu 70 Prozent eingebrochen.

Die Mitarbeiterlöhne für Jänner sind heute ausgeblieben. Diese werden vom Insolvenzentgeltfonds (IEF) ausbezahlt. "Ab Eröffnung des Sanierungsverfahrens werden die Löhne wieder pünktlich bezahlt", versprach der Unternehmenssprecher mit Verweis auf die nächsten Löhne und Gehälter für Februar.

Vorangegangene Pleiten

Schon einmal, 2001, war Forstinger insolvent gewesen, später wechselten die Eigentümer des seit 55 Jahren bestehenden Anbieters von Autozubehör, Ersatzteilen, Reifen und Felgen mehrmals. 2009 war die seinerzeitige Forstinger-Mutter zahlungsunfähig geworden.

2016/17 setzte Forstinger als größter heimischer Einzelhändler für Automobilzubehör, Zweirad und Zweiradzubehör 111 Millionen Euro um, kaum mehr als 2015/16 (109,5 Millionen Euro). An das Netz von 108 Filialen sind 104 freie Autowerkstätten angeschlossen.

Geplant sei eine "Weiterführung ohne Altlasten", erklärte das Unternehmen mit Sitz in Traismauer (Niederösterreich). Schon im Vorfeld des Insolvenzantrags habe man umfassende Vorbereitungen zur möglichst raschen Antragstellung auf Zuerkennung von Insolvenz-Entgelt für die zum Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung rückständigen Löhne und Gehälter getroffen.

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