Aus dem Tritt: Verluste und neue Chefin bei Sports Direct

Aus dem Tritt: Verluste und neue Chefin bei Sports Direct

Der Sporthandelsriese Sports Direct erwirtschaftet in Österreich anhaltend Verluste. Rachel Stockton soll als neue Geschäftsführerin das Blatt wenden, doch der Fortbestand von Sports Direct Austria konnte nur mit einer Finanzspritze des Mutterhauses gesichert werden. Kreditschützer sehen ein "erhöhtes Risiko" für Lieferanten.

Der britische Sporthandelsriese Sports Direct, der 2013 den ehemaligen österreichischen Marktführer im Sportartikelhandel, Sport Eybl & Sports Experts, übernommen hat steckt in Schwierigkeiten. Mit der neuen Geschäftsführerin Rachel Stockton, die zum Jahreswechsel den Chefposten von Dave Forsey übernommen hat, will man zurück auf die Überholspur. Forsey war im Herbst auch als CEO des Gesamtkonzerns ausgeschieden. Interviewanfragen beantwortet Stockton ebenso wie ihre Vorgänger nicht.

Die neue Chefin hat keinen leichten Start: Eine Kooperation zwischen sportsdirect.com Austria und dem österreichischen Mitbewerber Gigasport ist jedenfalls nach nur einem Jahr gescheitert. Gigasport sollte in einem Shop-in-Shop-Konzept seine Fahrrad- und Wintersportkonzept in die Sports-Direct-Premium-Linie "Lillywhites" einbringen, die bisher an zwei Standorten umgesetzt ist. Von einer "wirtschaftlichen Fehleinschätzung", spricht Gigasport-Vorstand Andreas Zinschitz: "Wir waren von Sports Direct als Partner ziemlich enttäuscht."

Anhaltend Verluste in Österreich

Auch die finanzielle Lage der österreichischen Sports-Direct-Tochter ist stark angespannt. Die Übernahme des österreichischen Sporthändlers Sport Eybl/Sports Experts im Jahr 2013 ist für die britische Sportkette bisher ein großes Verlustgeschäft. Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2015/16 um 27 Prozent auf 138,5 Millionen Euro ein, 2011/2012 war er mit 320 Millionen Euro noch mehr als doppelt so groß. Der Verlust lag bei über 44 Millionen Euro, in den wenigen Jahren seit dem Markteinstieg in Österreich haben sich somit bereits Verluste von 126 Millionen Euro aufgetürmt. Das negative Eigenkapital lag zum Bilanzstichtag Ende April 2016 bei 117,9 Millionen Euro

In der Bilanz sind, um den Fortbestand zu sichern, eine per 21. März 2017 eingeräumte "unbedingte Garantie" des britischen Mutterhauses in Höhe von 40,5 Millionen Euro sowie ein neuer Kredit in Höhe von 15 Millionen Euro vermerkt. Sports Direct hat soeben eine Expansion in die USA angekündigt.

Kreditschützer sehen erhöhtes Risiko

Die Kreditschützer des KSV1870 orten bei der Österreich-Tochter von Sports Direct nun ein "erhöhtes Risiko" für Lieferanten. "Aus Bonitätsgründen spricht grundsätzlich nichts gegen die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, wir empfehlen jedoch zusätzliche absichernde Maßnahmen", heißt es im KSV-"UnternehmensProfil" der Sporthandelskette.

Die Finanzierung von Sports Direct Österreich erfolgt laut den Kreditschützern über die britische Mutter, die "als gut fundiert gilt" und der Einkauf wird auch großteils über sie abgewickelt. Die längerfristige Entwicklung bleibt laut KSV abzuwarten.

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