Amabrush-Pleite: Gläubigern droht Totalausfall

Amabrush-Gründer Marvin Musialek und seine "Zehn-Sekunden-Zahnbürste"

Amabrush-Gründer Marvin Musialek und seine "Zehn-Sekunden-Zahnbürste"

7 Millionen aus Crowdfunding waren nicht genug: Die Pleite des Vorzeige-Start-ups Amabrush dürfte für die Gläubiger und Investoren ein totaler Reinfall werden. Der Kreditschutzverband KSV1870 geht bereits davon aus, dass die Gläubiger keine Quotenzahlung erhalten werden.

Das unkonventionelle Zehn- Sekunden-Zahnputzset "Amabrush" von Marvin Musialek war in den vergangenen Jahren immer wieder eines der Vorzeige-Produkte der heimischen Start-up Szene. 2018 freute sich Musialek über Promotion für seine innovative Zahnbürste (unter anderem auf Puls 4).

Die notwendigen Finanzmittel für die Entwicklung und Herstellung des Produktes wurden im Wesentlichen über Crowdfunding-Kampagnen bei Kickstarter (über drei Millionen Euro) und Indiegogo (über vier Millionen Euro) aufgebracht. An diesen Crowdfunding-Kampagnen haben sich praktisch ausschließlich Privatpersonen aus Europa und den USA beteiligt. Ab Anfang 2018 wurde dann ein Webshop eröffnet und konnten „Vorbestellungen“ vorgenommen werden.

Anfang 2019 wollte man die Zahnbürste - Kostenpunkt für das Starter Set bei 149 Euro - ausliefern und die Vorbestellungen bedienen. Doch dazu kam es nie. Am Markt konnte das endfertige Produkt wegen Lieferverzögerungen, Qualitätsmängel und hoher Entwicklungskosten nicht erfolgreich platziert werden. Laut der noch aktiven Website des Unternehmens ist das Produkt "ausverkauft".

4,5 Millionen € Schulden, 800.000 € Forderungen

Für die Berichts- und Prüfungstagsatzung am Handelsgericht Wien wurden Forderungen von insgesamt rund 800.000 Euro angemeldet. Nachdem der ursprünglich in der Insolvenz angestrebte Fortbetrieb mangels Kundennachfrage gescheitert ist, wurde das Unternehmen Ende Juni geschlossen.

Der Insolvenzverwalter wird die spärlich vorhandenen Aktiva nun verwerten. Die Gläubiger werden davon jedoch kaum etwas bekommen. Der KSV1870 geht bereits davon aus, dass die Gläubiger am Ende des Verfahrens keine Quotenzahlung erhalten werden.

Amabrush sprach im eigenen Antrag auf Insolvenzeröffnung von Passiva von etwa 4,5 Millionen Euro. Die nunmehr geringe Höhe der angemeldeten Forderungen führt der KSV 1870 darauf zurück, dass die meisten der rund 21.000 Crowdfunder und rund 8.000 Webshop-Käufer, die grundsätzlich Gläubigerstellung hätten, haben offenbar ihre Forderungen - meistens ein Betrag von 100 bis 200 Euro - aufgrund der wirtschaftlichen Aussichtslosigkeit im Insolvenzverfahren gar nicht erst angemeldet haben.

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