Zukunft der Mobilität: Was Experten für Österreich erwarten

Zukunft der Mobilität: Was Experten für Österreich erwarten

Wird die Bedeutung von Hybrid-Autos überschätzt? Experten sind da einer interessanten Meinung.

Die Energieagentur hat 123 österreichische Mobilitäts- und Energie-Experten und Forscher um ihre Einschätzungen zu den bedeutendsten Entwicklungen in der Mobilität der nächsten zehn, 15 Jahre gebeten. Elektroautos, Brennstoffzellen, Fahrverbote, selbstfahrende Autos und mehr: Wie die Mobilität im Jahr 2030 aussehen wird.

Gemessen an den Zuwachszahlen haben elektrisch betriebene Autos eine herausragende Zukunft vor sich. In der Zeit von 2016 auf 2017 verzeichneten hybridbetriebene Fahrzeug-Neuzulassungen mit einem Zuwachs von 86 Prozent in Österreich den größten Zuwachs. Die Nachfrage nach reinen Elektroautos stieg um 42 Prozent. Der Bestand an Elektroautos hat von 9.073 Autos in Österreich im Jahr 2016 auf 15.618 Stück im Vorjahr zugelegt.

Erdgas-Antrieb stark rückläufig

Eine ganz andere Entwicklung zeichnet sich, gemessen an den Zuwachsraten, bei klassischen Verbrennungsmotoren, ab. Bei Benzinern lag das Plus nur bei 2,4 Prozent, bei Diesel war die Nachfrage mit minus sieben Prozent gar rückläufig. Allerdings geht man bei diesen Antriebsarten auch von einem nahezu gesättigten Markt aus. Schwach war die Nachfrage nach erdgasbetriebenen Modellen. Diese verzeichneten innerhalb des vergangenen Jahres einen Rückgang von zwölf Prozent, obwohl das Angebot der Hersteller in den vergangenen Jahren merklich zugenommen hat.

Elektroautos und Brennstoffzellen: Größte Bedeutung unter alternativen Antrieben

Doch wie schätzen Experten die künftige Entwicklung von alternativen Antrieben und der Mobilität in Österreich ein? Die Österreichische Energieagentur hat dazu 123 Experten aus Forschung, Verwaltung, Infrastruktur und Mobilitäts- und Energiedienstleister zum Thema „Zukunft der Mobilität“ befragt. 59 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich der Elektroantrieb unter den alternativen Antriebskonzepten bei privaten Nutzern und im gewerblichen Verkehr mit bis zu 3,5 Tonnen Fahrzeugen eine hohe Bedeutung haben wird und langfristig zu den drei wichtigsten Antriebsarten zählen wird. Dass Schwerverkehr in Zukunft elektrisch betrieben wird, wird bezweifelt.

Wird die Bedeutung von Hybrid-Autos überschätzt?

Deutlich geringeres Potential messen die Experten der Brennstoffzelle als Antrieb zu. 28 Prozent glauben, dieses Konzept könnte künftig zu den Top-3-Antriebsarten zählen. Allerdings wird dem Hybrid-Antrieb (in Kombination mit einem Benziner) in Zukunft noch weniger Bedeutung beimessen. Nur 25 Prozent erwarten, dass dieser Antrieb langfristig zu den wichtigsten drei Antriebsformen gehören wird.

Erdgas-Autos und Diesel-Hybrid vor dem Aus?

Praktisch keine oder nur marginale Bedeutung wird Modellen in den nächsten zehn Jahren, laut den befragten Experten eingeräumt, die mit Flüssiggas, Erdgas und als Diesel-Hybrid betrieben werden.

Experten rechnen auch in Österreich mit Fahrverbotszonen

Rund 70 Prozent der 123 Experten sind der Ansicht, dass sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht nur eine Antriebstechnik, sondern verschiedenen Konzepte durchsetzen werden. Rund 80 der Befragten erwarten, dass sich Null-Emissionszonen, also Gebiete in denen es Fahrverbote für Verbrennungsmotoren gibt, auch in Österreich durchsetzen werden und 2030 zum europäischen Alltag gehören werden.

Selbstfahrende Autos in zehn Jahren

Rund drei Viertel der Befragten gehen auch davon aus, dass sich vollautomatisiertes Fahren in zehn Jahren in bestimmten Bereichen mit spezieller Infrastruktur, wie Flughäfen, Autobahnen und Industriegebieten, durchsetzen wird. „Flächendeckendes vollautomatisiertes Fahren privater Autos wird allerdings in diesem Zeitraum noch nicht erwartet“, so Monika Wanjek, Studienautorin und Mobilitätsexpertin der Österreichischen Energieagentur.

Gute Chancen für öffentliche Stationen mit unterschiedlichen Mobilitätsangeboten

Eine große Zukunft prognostizieren die befragten Experten sogenannten multimodalen Mobilitätsstationen. Das sind öffentliche Standorte in denen beispielsweise sowohl Elektroautos geladen werden können, Autos zum Carsharing bereit stehen, Fahrräder ausgeborgt werden können und man gleichzeitig von dort aus auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen kann. 46 Prozent der Studienteilnehmer gehen künftig von einer sehr hohen Bedeutung dieser Mobilitätsstationen aus, 29 Prozent von einer eher hohen Bedeutung.

Sinkender Individualverkehr erwartet

23 Prozent der Experten rechnen mit einem sinkenden Individualverkehr im innerstädtischen Bereich. Allerdings geht aus der Studie nicht hervor, ob bei der Befragung eine steigende Bevölkerung, gerade in den Städten, mit einkalkuliert wurde. Ebenso viele gehen davon, dass die Verkehrsteilnehmer ihre Verkehrsgewohnheiten ändern werden (modal shift).

Mobilitätsanbieter, die verschiedene Verkehrsmittel gegen eine Monatsgebühr anbieten

42 Prozent der Befragten trauen Mobilitätsanbieter in den nächsten Jahren eine steigende und in Zukunft eine hohe Bedeutung zu. Diese könnten, gegen eine monatliche Gebühr, unterschiedliche Mobilitätsangebote aus einer Hand anbieten. So könnte man mit einer einzigen Pauschale sowohl die Nutzung mit Öffis abgegolten haben, als auch die Nutzung eines Auto oder eines Fahrrades. Rund drei Viertel der Experten wären bereit für diesen Service im Schnitt zwischen 85 und 177 Euro zu zahlen. Die größten Chancen solche Konzepte erfolgreich umzusetzen, haben ihrer Einschätzung nach öffentliche Verkehrsdienstleister (86 Prozent der Befragten). Nur 28 Prozent glauben, dass die Autoindustrie sich als Mobilitätsanbieter, der sämtliche Mobilitätsangebote aus einer Hand anbieten kann, durchsetzen wird. Energieunternehmen wird eine Chance von 20 Prozent eingeräumt.

E-Commerce wird private Besorgungswege stark reduzieren

9 von 10 Befragten (92 Prozent) rechnen damit, dass E-Commerce private Besorgungswege um 40 Prozent reduzieren wird. Die Auswirkungen auf den Individualverkehr sind aber noch nicht absehbar. Wie die Menschen, die so mehr Zeit zur Verfügung haben würden, diese nutzen, sei schwer vorherzusagen. „Wenn sie mehr Ausflüge machen, könnte der Individualverkehr sogar stiegen“, sagt Studienautorin Wanjek.

Auto & Mobilität

Peugeot 5008 GT Testdrive: Savoir vivre für Familien

Tesla-Chef Elon Musk und sein Problemkind Model 3

Wirtschaft

Produktionsprobleme: Elon Musk baut bei Tesla um

voestalpine-Boss Wolfgang Eder (li) und Alejandro Agag, Gründer der Formel E

Auto & Mobilität

Voestalpine: Stahlkraft für die Elektro-Formel-1