Vergleich: Österreich unter den größten Schuldnern in der EU

Die Staatsschulden in Österreichs im Verhältnis zum BIP zählen zu den höchsten in der EU. Wie die Verschuldung in vielen Ländern seit 2010 gestiegen ist. Wie Inflation und steigende Zinsen sich auf die Schulden auswirken. Warum gerade die hohe Verschuldung Italiens für die EU besonders problematisch ist.

Vergleich: Österreich unter den größten Schuldnern in der EU

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So hoch sind die Staatsschulden in Österreich

Österreich hatte noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg so hohe Schulden wie heute. Die öffentliche Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) sind zwar 2022 von 84 Prozent auf 80 Prozent gesunken, das Land zählt damit aber noch immer zu den zehn EU-Staaten mit der höchsten Staatsverschuldung.

In absoluten Zahlen ist die Schuldenlast 2022 im Vergleich zum Vorjahr sogar um neun Milliarden Euro auf 343 Milliarden Euro gestiegen (siehe auch Grafik Staatsverschuldung in der EU in absoluten Zahlen). Die genauen Zahlen zur Entwicklung der Staatsschulden in Österreich seit 1995 finden Sie unter Finanzrechner.at. 2020 beispielsweise hat der Staat, um die Wirtschaft zu stützen, um rund 24 Milliarden Euro mehr ausgegeben als noch 2019. Das führte letztlich zu einem Rekorddefizit von über 33 Milliarden Euro.

Über 100 Milliarden Euro mehr Schulden seit 2009

2009 sind die Staatsschulden in Österreich erstmals über 67 Prozent in des BIP gestiegen, in all den Jahren davor lagen sie leicht darunter. Dieses vergleichsweise niedrige Niveau erreichte das Land bis heute nicht mehr. In absoluten Zahlen ist die Lage nicht weniger bedenklich. So lag die Verschuldung noch bei 185 Milliarden Euro, um fast 160 Milliarden Euro weniger als 2022. Die Pro-Kopf-Verschuldung je Staatsbürger beträgt damit rein rechnerisch 46.443 Euro.

Rating-Agentur erwartet sinkende Staatsschulden für Österreich

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating Österreichs 2022 dennoch mit dem zweitbesten möglichen Bonitätsnote AA+ bestätigt und zugleich den Ausblick bei stabil belassen. Damit zeichnet sich auch keine Änderung des Ratings in naher Zukunft ab. Die breit aufgestellte und vergleichsweise starke Wirtschaft, der Euro, starke politische und soziale Institutionen und gesunde Finanzen sieht Fitch als Stärken. Die geht davon aus, dass die Verschuldung Österreichs von 82,8 Prozent des BIP bis Ende 2023 auf 78,5 Prozent zurückgehen wird. Dem stehen relativ hohe Staatsschulden und Risiken wegen des Ukraine-Kriegs und der Inflation gegenüber.


Müssen mittel- und langfristig zu nachhaltigen Budgetpfaden zurückkehren

Finanzminister Magnus Brunner

Welche Risiken für die österreichische Wirtschaft bestehen

Ein überdurchschnittlich hohes Risiko für Österreich erwartet Fitsch für die nächsten Monate, wenn die Energieversorgung unterbrochen werden würde. Laut Berechnungen der EZB würde das BIP, wenn die Gasversorgung um zehn Prozent zurückgehen sollte, um 1,2 Prozent sinken. Ein gewisses Risiko birgt auch die exponierte Situation der österreichischen Banken in Russland und Weißrussland. Doch obwohl diese zu den höchsten in der EU zählt, stuft Fitch das Risiko immer noch als moderat ein. Der österreichische Finanzminister Magnus Brunner schließt daraus: "Die Finanzmärkte vertrauen Österreich weiterhin. Damit das so bleibt, müssen wir mittel- und langfristig zu nachhaltigen Budgetpfaden zurückkehren."

Was besagen die EU-Maastricht-Kriterien?

EU-Mitgliedstaaten müssen bei Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion die sogenannten Konvergenzkriterien einhalten:

  • Der Schuldenstand der einzelnen Mitgliedsstaaten darf nicht mehr als 60 Prozent des BIP betragen
  • Das öffentliche Defizit darf nicht mehr als drei Prozent des BIP betragen
  • Die Inflationsrate darf maximal 1,5 Prozent über jener der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten des Vorjahres liegen

So weit die Theorie. Die Kriterien zur Staatsverschuldung wurden aber bereits lange vor Corona und dem Ukraine-Krieg aufgeweicht.

So hoch sind die Staatsschulden in der EU

Österreich gehört zu den zehn verschuldetsten Staaten in der EU.

Doch Österreich steht nicht alleine am Schuldenpranger. So manch anderes Land in der EU hat im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt wesentlich höhere Schulden. Von der Maastricht-Schuldengrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sind viele Staaten damit weit entfernt.

Griechenland: Schulden stark reduziert - beim IWF schuldenfrei

Noch immer die höchste Schuldenlast im Verhältnis zum BIP trägt Griechenland. Der Anteil der Verschuldung am BIP kletterte im Corona-Jahr 2021 von knapp 150 Prozent auf 206 Prozent. Doch 2022 sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Die Schuldenquote ist durch den rigide Sparkurs der Griechen auf 185,7 Prozent gesunken. Die Staatsschuldenkrise von 2010 ist laut dem griechischen Finanzminister Sotiris Staikouras beendet. Durch seinen harten Sparkurs hat Griechenland seine gesamten Schulden beim Internationalen Währungsfonds getilgt, sogar zwei Jahre vor der Frist. Das Land spart sich durch die vorzeitige Rückzahlung von 1,85 Milliarden Euro Notkrediten zudem 230 Millionen Euro an Zinsen.

In Spanien, ebenfalls einer der größten Schuldner in der EU, ist die Schuldenlast von knapp 60 Prozent im Jahr 2010 im Jahr 2020 auf 120 Prozent des BIP gesprungen, 2021 leicht auf 115 Prozent gesunken.

Giorgia Meloni hat in Italien die Wahlen gewonnen und zuvor viele Wahlversprechen gemacht, die die Schulden in die Höhe treiben würden, wenn sie so umgesetzt werden.

Italien: Droht eine neue Schuldenkrise in der EU?

Italien steht mit einer Verschuldung von 157,9 Prozent des BIP ebenfalls tief in der Kreide und ist das zweit höchst verschuldete Land in der Union. Die hohen Staatsschulden Italiens stellen im Gegensatz zu Griechenland für die gesamte EU eine Bedrohung dar, da sie in absoluten Zahlen nach Frankreich die höchste in der EU ist. Nun geht nach dem Sieg des Rechtsbündnisses unter Giorgia Meloni die Angst um, dass angesichts kostspieliger Wahlversprechen wie versprochene Pensionserhöhungen oder Steuererleichterungen das Defizit weiter steigen wird – und Rom die Gemeinschaftswährung in eine neue Krise stürzt.

Schulden steigen seit 20 Jahren in vielen EU-Staaten

Die Schulden schnellen in den meisten Ländern der EU nicht erst seit der Corona-Krise in die Höhe. Gerade in den beiden Euro-Schwergewichten Frankreich und Italien kennt die Schuldenquote seit 20 Jahren nur eine Richtung - nach oben. Wenn Italien dank der Reformdynamik des bisherigen Premiers Mario Draghi alleine 2022 sind 67 Milliarden Euro von der EU geflossen und haben damit auch indirekt den Abbau der Schulden leichter. Doch damit könnte nun Schluss sein.

Die Staatsschulden in der EU in absoluten Zahlen - Frankreich und Italien führen

Mit 2,9 Billionen Euro hat Frankreich in der EU die höchsten Schulden, dicht gefolgt von Italien mit 2,7 Billionen Euro.

Inflationseffekt auf die Staatsverschuldung

Hohe Inflation senkt Staatsschulden um Milliarden Euro

Die Teuerung hat für die Staaten und damit auch für Österreich auch Vorteile. Österreichs Schuldenberg könnte dadurch wesentlich rascher schrumpfen. So spielt die hohe Inflation generell verschuldeten Staaten in die Hände, da diese automatisch weginflationiert werden. Denn die Inflation frisst nicht nur Erspartes, sondern auch Verbindlichkeiten. Davon können insbesondere hoch verschuldete Staaten profitieren.

Wie die Inflation das nominelle BIP sinken lässt

Durch höhere Inflation steigt das nominale BIP an. Ein Beispiel: Beträgt das reale Wirtschaftswachstum in einem Jahr 2,0 Prozent und die Inflation 3,0 Prozent, liegt das nominale Wachstum bei 5,0 Prozent. Je höher das BIP und damit das Wachstum, umso niedriger die Schuldenquote. Allerdings gilt diese Regel nur, solange die Zinsen nicht stark steigen, da ansonsten die Refinanzierungskosten auch von Regierungen steigen.

Langfristig gebundene Staatsanleihen weniger problematisch

Hat sich ein Land in der Niedrigzinsphase langfristig verschuldet und sich so die niedrigen Zinsen gesichert, ist es vergleichsweise gut gegen steigende Zinsen geschützt. Hat sich ein Land allerdings kurzfristiger verschuldet, muss es bald neue Anleihen begeben, um die alten zu refinanzieren und ist daher gezwungen dann die höheren Zinsen bezahlen.

In Österreich werden laut dem Wifo-Ökonomen Simon Loretz die Zinsausgaben wieder zu steigen beginnen. Aber dass sich der Anstieg der Leitzinsen auf den Schuldendienst schlägt, ist ein langsamer Prozess. Durch die hohe Inflation werden die nominellen Staatseinnahmen weiter steigen und die Schulden im Verhältnis zu Einnahmen weniger drückend sein.

EZB hat weniger Handlungsspielraum als in der Euro-Krise

Hoch verschuldete Staaten haben es bei steigenden Zinsen und hoher Inflation derzeit jedoch besonders schwer. Im Gegensatz zur Euro-Krise 2008 wäre es nun die Europäische Zentralbank viel schwierig, hoch verschuldete Staaten zu unterstützen. Denn anders als während der Euro-Krise, während der es eine extrem lockere Geldpolitik gepaart mit niedriger Inflation gegeben habe, müsse die EZB jetzt die höhere Inflation bekämpfen. Krisenfeuerwehr spielen und gleichzeitig den Leitzins zu erhöhen, dürfte eine kaum zu bewältigender Spagat sein.


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Prognose Staatsschulden

Fallende Inflation und steigende Zinsen erwartet: Staatsschulden bleiben hoch

Doch die Inflation wird in einem Jahr, also Mitte 2023, bei Weitem nicht mehr so hoch sein wie heute, so die Einschätzung renommierter US-Investmentgesellschaften, wenn das auch in höherem Maße für die USA gilt, wo die Angebotsverknappung an Energie nicht in dem Ausmaß für steigende Inflationsraten sorgt wie in Europa. Die Teuerung könnte demnach laut Prognosen vor allem in den USA in den nächsten Monaten erheblich zurückgehen, die Leitzinsen dürften aber noch weiter angehoben werden, was wiederum die Staatsschulden hochhalten würde. So signalisieren die Fed-Fund-Rate, ein Vorlaufindikator für die Zinsentwicklung, ein Niveau von 4,7 Prozent. Derzeit liegt diese Rate, zu der sich US-Banken untereinander Geld borgen, bei 3,2 Prozent.

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