Aufwind für Flugzeugzulieferer FACC

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FACC-CEO Robert Machtlinger bilanziert mit seinen Teams ein starkes Geschäftsjahr 2025 und sieht das Unternehmen für alle Szenarien, die eine geopolitisch instabile Weltlage bringen kann, gut vorbereitet.

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Der Boom der Flugzeugbauer lässt die Umsätze beim oberösterreichischen Industrieunternehmen auf Rekordhöhe steigen, ein strenges Effizienzprogramm sorgt für einen satten Gewinnsprung 2025.

Mit 984,4 Millionen Euro schreibt der Innviertler Luftfahrtspezialist im Geschäftsjahr 2025 einen Rekordumsatz, und legt im Jahresvergleich 11,3 Prozent zu. Beeindruckend ist ein EBIT, das gleich um 49,4 Prozent auf 42,3 Millionen Euro gesteigert werden konnte –, wie CEO Robert Machtlinger und CFO Florian Haindl bei der Präsentation der vorläufigen Ergebnisse in Wien berichteten. 

Verantwortlich für diese Performance ist eine global stark expandierende Luftfahrtbranche, die aktuell gerade 17.700 Flugzeuge bauen lässt und für Hochkonjunktur bei Zulieferern wie FACC sorgt. Das beeindruckende operative Ergebnis ist vor allem aber einem strengen Effizienzprogramm namens CORE zu verdanken. „Wir haben uns die Standortfrage bereits im Jahr 2024 gestellt, Personen- und Energiekosten waren massiv gestiegen. CORE ist 2025 in die Umsetzung gegangen“, sagt Machtlinger. „Dass wir mit derselben Belegschaft 100 Millionen Euro Umsatz mehr einfahren konnten, zeigt, dass das Programm wirkt“. Das Umsatzwachstum ist ohne proportionalen Stellenaufbau gelungen. Im Jahresverlauf sind gerade einmal 56 Beschäftigte dazugekommen, der Mitarbeitendenstand beträgt aktuell 3.906. „Der Free Cashflow hat sich von 7,7 auf 59,1 Millionen Euro versiebenfacht“, berichtete Finanzvorstand Florian Haindl. „So etwas konnten wir nur mit dem CORE-Projekt schaffen.“

Kroatien-Werk, Business Jets und Drohnen

Ein wichtiger Pfeiler im CORE-Programm ist das jüngste Werk im kroatischen Jakovlje, das Leichtbauteile für die Innenräume von Verkehrsflugzeugen und Business Jets herstellt und bereits zu „50 bis 65 Prozent ausgelastet ist“, so Machtlinger, „und mit 50 Prozent geringeren Lohnkosten läuft“. Flankierend wird im Konzern ein konsequentes Automatisierungs- und Digitalisierungsprogramm gefahren. „Wir haben uns einige KI- und Robotikspezialisten geholt“, sagt Machtlinger.

Der Flugzeug-Boom spiegelt sich bei FACC in einem Rekordstand bei den Aufträgen wider, um 686 Flugzeuge stieg der Backlog im Jahresvergleich an. „Erstmals in der Geschichte der Luftfahrt sind alle Flugzeughersteller im Hochlauf. Airbus, Boeing, aber vor allem auch Business-Jet-Kunden fahren hoch“, sagt Machtlinger. „Das ist eine einmalige Chance, die uns viel Rückenwind gibt“. Im Mediumsegment bei Business-Jets ist FACC laut eigenen Angaben Weltmarktführer bei der Ausstattung. 

Ein Hoffnungsmarkt mit Potenzial für übermorgen tut sich im kommerziellen Drohnengeschäft auf. „Wir produzieren derzeit 20 Logistikdrohnen pro Woche für den US-Markt. Diese Aufträge werden sich in den nächsten zwei Jahren verdoppeln“, prognostiziert Machtlinger. Weiteren Schub erhofft sich der Hersteller für 2027/28, wenn Verkehrszulassungen für Passagierdrohen kommen. 

Bis zum Jahr 2030 will der Konzern 350 Millionen Euro investieren: Rund ein Drittel davon, 120 Millionen Euro, gehen in ein neues Aerostructures-Werk mit Forschungsbetrieb am Standort in St. Martin, das ab 2028 hochgefahren werden soll und 300 Mitarbeitende haben wird. Ein Investment, das sich rechnen dürfte: Neben den aktuell 17.700 bestellten Verkehrsflugzeugen wird der Bedarf bis 2044 auf 42.000 Stück geschätzt - stark wachsend vor allem auch der Business-Jet-Bereich.

Auf alle Szenarien vorbereitet, Aktie im Höhenflug

Geplant wird in der Luftfahrtindustrie in langen Zyklen, herausgefordert wird sie wie alle Branchen seit geraumer Zeit fundamental und kurzfristig. „In den letzten drei Jahren mussten wir uns daran gewöhnen, dass die Welt dynamisch ist“, gibt sich Machtlinger diplomatisch. „Wir haben gelernt in Szenarien zu denken, um bei Veränderungen schnell reagieren zu können“. So seien die Auswirkungen des Iran-Krieges für die Luftfahrt „schwer einschätzbar“.  Vorbereitet sei man bei FACC von optimistischen Szenarien, etwa dass sich die Lage bald wieder beruhigt, bis hin zu einem Worst Case, „einem 9/11“ erinnerte Machtlinger an ein historisches Grounding für die Branche. „Selbst so etwas könnte von uns gemanagt werden. Wir haben uns noch resilienter aufgestellt und bei der Supply Chain vorgesorgt, Risiken bei Materialien und Energie gehedgt“. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit fünf bis zu 15 Prozent Wachstum – abhängig von den weiteren geopolitischen Entwicklungen. 

Die Geschäftszahlen gaben der Aktie weiter Rückenwind. Analysten von Oddo BHF stuften sie von „neutral“ auf „outperform“ hoch und hoben das Kursziel schon im Februar auf 15,5 Euro. Der Vorstand schlägt eine Dividende von zehn Cent pro Aktie vor.

Das FACC-Geschäftsjahr 2025 in (vorläufigen) Zahlen

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Bislang das größte Greenfield-Investment von FACC außerhalb Österreichs: Das Hightech-Werk im kroatischen Jakovlje baut Kabinenausstattungen.

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