
Die angekündigten Sonderabschreibungen beim Faserhersteller LENZING AG betreffen vor allem die asiatischen Standorte – und dürften einen Rekord-Jahresverlust verursachen.
Vielen Börsianern ist zuletzt der Geduldsfaden gerissen. Als der an der Wiener Börse notierte Faserhersteller Lenzing AG mit Headquarter im gleichnamigen Ort in Oberösterreich Ende Jänner Sonderabschreibungsbedarf von bis zu 480 Millionen Euro anmeldete, war der Schock groß. In den Wochen darauf wartete die Community vergeblich auf Klarstellung, wo das Problem liegt. „Die Kommunikation zum Kapitalmarkt ist verbesserungswürdig“, sagt die Erste-Bank-Analystin Vladimira Urbankova.
Wenn CEO Stephan Sielaff am 15. März die Lenzing-Bilanz für 2023 präsentiert, wird er sich deshalb jeder Menge unangenehmer Fragen stellen müssen. Es droht ein Rekord-Jahresverlust. Schon in den ersten drei Quartalen lag das Minus unterm Strich bei 97 Millionen Euro, nun schlagen die Wertberichtigungen voll durch. Die Experten der Deutsche Bank gehen in ihrer aktualisierten Schätzung von einem Verlust in Höhe von 445 Millionen Euro aus; die Erste Bank erwartet ihn in ähnlicher Höhe.
Anders als die ersten Mutmaßungen, die Abschreibungen hätten mit der variablen Finanzierung bei einer Großinvestition in Brasilien zu tun, liegt laut trend-Recherchen das Hauptproblem aber in Asien. Das mit 323.000 Tonnen Nennkapazität größte Viskosefaser-Werk in Purwakarta, Indonesien, ist in den letzten zwei Jahren auf die Produktion von Spezialfasern umgerüstet worden, die nun wegen der schwierigen Marktlage nicht verkauft werden können; in kleinerem Umfang gilt das auch für das Viskose-Werk im chinesischen Nanjiing. „Wir können bestätigen, dass ein wesentlicher Anteil der Sonderabschreibungen auf den indonesischen Standort entfällt“, so ein Lenzing-Sprecher, ohne Details zu nennen. Nanjing und das Viskose-Werk in Lenzing seien ebenfalls betroffen, nicht allerdings – wie von vielen vermutet – der Standort im burgenländischen Heiligenkreuz.
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