Kapsch muss Unternehmensaktien verpfänden

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Die Gläubigerbanken nehmen der Familie das Ruder aus der Hand: Ihre Aktien werden verpfändet, ein zweiter Sanierungsexperte muss in den Aufsichtsrat, das Nordamerikageschäft steht zur Disposition.

Seit der Vorlage der Jahresbilanz 2025/26 vor wenigen Wochen ist klar, dass die börsennotierte Kapsch Trafficcom restrukturiert werden muss. Nun zeigt sich, wie weit die Maßnahmen gehen: Anfang August musste die Familie Georg Kapsch sogar ihre Aktien – rund 60 Prozent des börsennotierten Unternehmens – verpfänden, um die Geldgeber bei Laune zu halten. Zusätzlich soll dem Vernehmen nach auf Druck der Banken nach Ex-Rosenbauer-Sanierer Markus Richter im Vorstand, nun auch im Aufsichtsrat ein Sanierungsexperte Einzug halten. Die Investoren werden unruhig, weil seit Jahresbeginn Rückzahlungsverpflichtungen nicht eingehalten wurden, teilte Kapsch Trafficcom vor wenigen Tagen selbst mit. Die bereits abgeschlossene „Standstill-Vereinbarung“ (bis 2027) ist offenbar mit einem weitergehenden Machtverlust am Unternehmen verbunden.

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Georg Kapsch setzt nach wie vor auf den Durchbruch staatlicher Mautsysteme, als alternative Einnahmequelle und als Tool für Umweltregulierungen.

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Das traditionelle Familienunternehmen, ein globaler Anbieter für Straßenmautsysteme, ist nach der Erholung nach den Coronaturbulenzen erneut in eine schwere Krise gerutscht. Nun muss man offenbar alles auf eine Karte setzen, was auf ein paar versteckte Risiken hindeutet - Stellung nehmen wollte von Kapsch abseits der offiziellen Unternehmensaussendungen dazu niemand. Der Anfang August veröffentlichte Finanzbericht ist zwar nicht erbaulich, aber keine Katastrophe: Der Umsatz sank von 530 auf 430 Millionen Euro, das Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) ist noch positiv, das Ergebnis mit minus 18,7 Millionen Euro aber ins Minus gerutscht (minus 54,5 Prozent). Der Verschuldungsgrad ist wieder gestiegen, auch wenn die Verbindlichkeiten absolut gesehen früher noch höher waren. Dafür ist der Auftragsstand mit 1,3 Milliarden Euro vielversprechend.

Die Gläubiger – etwa Unicredit als einer der größten – verlangen jedenfalls jetzt die Trennung von Assets, auch zur Stärkung des Eigenkapitals, ist in Bankenkreisen zu hören. In die Wege geleitet wurde bereits der Verkauf der deutschen Tochter Tolltickets, aber auch das profitable Nordamerika-Geschäft soll intern zur Diskussion stehen. Gerüchteweise wird auch nach neuen externen Investoren gesucht.

Börsenbewertung: Nur mehr 70 Millionen Euro

Die Gelegenheit zum Einstieg wäre günstig: Mit einem Aktienkurs von zuletzt 4,70 Euro wird Kapsch Trafficcom aktuell nur noch mit knapp 70 Millionen Euro bewertet, der Freefloat-Anteil liegt nur mehr bei 25 Millionen, ein Bruchteil dessen, was ein international tätiges Infrastrukturunternehmen erwarten ließe. Klar ist: Die kommenden Verhandlungen mit den Finanzierungspartnern, die bis Mitte September das endgültige Sanierungskonzept auf dem Tisch haben wollen, werden für Kapsch Trafficcom mindestens so wichtig wie die nächsten Großaufträge.

Für Georg Kapsch, dessen Familienzweig seit einer vorsorglichen Teilung im Jahr 2021 für die Mautsysteme zuständig ist (Bruder Karis Linie übernahm – und verkaufte später – mehrheitlich die IT-lastige Kapsch Businesscom, mittlerweile Cancom Austria), sei die Lage auch persönlich eine Belastungsprobe, sagen Kenner der Familie. Technologische Entwicklungen wurden zwar richtig erkannt, manche Lösungen jedoch deutlich zu früh für den Markt entwickelt. Hinzu kamen externe Faktoren, die Schwäche des US-Dollars, Zahlungsausfälle einzelner Kunden sowie Krisen in Regionen, in denen das Unternehmen riskanter investiert hatte, etwa im Nahen Osten.

Dass daneben Bruder Kari Kapsch ausreichend Kapital hat, um in neue Unternehmen zu investieren (vor wenigen Tagen etwa in den Automobilausrüster Eitek in Ebergassing) könnte den oft beschworenen Familienzusammenhalt doch auf die Probe stellen.

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 14. August 2026 erschienen und wurde aktualisiert.

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