Die vielen Baustellen der B&C Holding

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Lenzing-Wekr von außen
 © IMAGO, Daniel Scharinger

Bei Lenzing muss man einen rigiden Sparkurs fahren und Werke schließen. Die eben abgeschlossene, viel kritisierte Kapitalerhöhung hat an der Börse viele Millionen Euro vernichtet.

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Nach der holprigen Kapitalerhöhung beim Faserhersteller Lenzing wird erneut Kritik an den Haupteigentümern, der B&C-Gruppe, laut. Auch die Beraterkosten in der zweitgrößten Industrieholding des Landes sorgen nicht zum ersten Mal für Kopfschütteln.

Wenn Wolfgang Hofer vor die Presse tritt, hat er für gewöhnlich etwas von Gewicht zu sagen. Der Mann, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert federführend die Geschicke der B&C-Privatstiftung lenkt, wandte sich in einem seiner seltenen Auftritte im Frühjahr 2024 an die Medien und verkündete einen großen Strategieschwenk: „Wir geben unser jahrzehntelanges Dogma auf, immer 50 plus 1 an einer Kernbeteiligung zu halten“, verkündete der Stiftungsvorstand, der im Zivilberuf Rechtsanwalt ist.

Zu diesen Kernbeteiligungen, die in diversen Holdings verwaltet werden, zählen drei einstige Industrieflaggschiffe Österreichs: der Faserhersteller Lenzing, der Gummikonzern Semperit und der Leichtmetallerzeuger Amag. Die Suche nach strategischen Investoren für diese Beteiligungen war damit offiziell eröffnet.

Zweieinhalb Jahre später scheint die groß verkündete Strategie der B&C-Gruppe kaum einen Schritt weitergekommen zu sein. Zwar wurde mit dem brasilianischen Zellstoffriesen Suzano noch 2024 ein potenter Partner (15 Prozent) für die angeschlagene Lenzing gefunden, dessen Interesse an dem Investment dürfte inzwischen aber abgekühlt sein. Bei der eben gelaufenen Kapitalerhöhung zieht Suzano nicht voll mit und gibt Anteile an die B&C Holding ab, auch die Option der Brasilianer auf weitere 15 Prozent scheint mittlerweile fraglich. Insider berichten von einem vorläufigen Investmentstopp von Suzano, der einerseits auf den kürzlich erfolgten Milliardenzukauf der Brasilianer von Kimberly Clark und andererseits auf den neuen CEO zurückzuführen sei. Wer braucht schon Österreich, wenn er ein Milliarden-Business in den USA haben kann? Bei der B&C Holding bleibt man dennoch ruhig: „An den bestehenden Governance-Strukturen und der strategischen Aktionärspartnerschaft zwischen B&C und Suzano ändert die Kapitalerhöhung nichts.“ Ob Suzano die Option bis Ende 2028 noch ausübe, sei nicht bekannt.

Kapitalerhöhung enttäuscht

Analysten werten das zögerliche Mitziehen von Suzano bei der 300-Millionen-Kapitalerhöhung von Lenzing hingegen als Rückschlag. So zog die Berenberg Bank ihre Kauf-Empfehlung zurück: „Die Kapitalerhöhung lässt uns vermuten, dass der Hauptaktionär Suzano hinsichtlich seiner Beteiligung an Lenzing eher eine abwartende Haltung einnimmt, statt weiter auf diese zu setzen“, schrieb Berenberg-Analyst Sebastian Bray. Auch hätten sich die gestiegenen Rohstoffpreise für Baumwolle und Viskose nicht im erwarteten Umfang in den Ergebnissen des Faserherstellers widergespiegelt, bemängelte Bray. Doch damit reißt die Kritik an der Kapitalerhöhung nicht ab. Einige Aktionäre sind verärgert, dass die Investmentbank Goldman Sachs ihr Paket an Lenzing im Zuge der Kapitalerhöhung von 9,9 auf 3,8 Prozent reduziert hat, nur um bei der Kapitalerhöhung zu einem – vermutlich – deutlich günstigeren Preis von 8,65 Euro wieder zuzukaufen. Dies sei ein am Kapitalmarkt übliches Verfahren, heißt es dazu aus der B&C Holding. Dennoch tat all das der Aktie naturgemäß nicht gut. Der Kurs halbierte sich.

Überhaupt habe die B&C Holding bei Lenzing viel zu lange an der Lyocell-Technik festgehalten und in Asien viel zu teure Investments getätigt, bemängeln Analysten, die lieber nicht genannt werden wollen. Denn der mächtige Manager Hofer gilt als äußerst nachtragend.

Dazu kommen ständige Wechsel im Management. Alleine in den letzten fünf Jahren wurden bei Lenzing die CEOs drei Mal, die Finanzvorstände zwei Mal ausgetauscht. „Der Markt hat kein Vertrauen mehr in das Management“, sagt ein Börsenexperte. Es habe einfach zu viele Wechsel gegeben, die vor allem auf den Eigentümer zurückzuführen seien.

Ähnlich verlief es bei Semperit, das ebenfalls drei CEO-Wechsel und letzte Woche erst einen im Finanzvorstand verkraften musste. Anders als bei Lenzing dürfte man dort aber die Kurve gekratzt haben. Entgegengekommen ist den Eigentümern die Coronapandemie, die es erlaubte, die veraltete Handschuhproduktion zu einem passablen Preis zu verkaufen. Dennoch herrscht auch bei Semperit nicht eitel Wonne, wie Minderheitsaktionärin Isabella de Krassny bestätigt: „Wir sind nicht allzu glücklich.“ Der Kauf von Werkzeugbauer Rico sei zu teuer gewesen, der Aktienkurs dümpelt seit Jahren dahin. Anders als vor zwei Jahren angekündigt, hat die B&C Holding sogar Anteile zugekauft, statt einen Partner zu suchen. Ein Übernahmeangebot diesen Sommer verlief aber eher mau und führte zu einer Aufstockung der Anteile von 58,5 auf nur 63,45 Prozent. „Ich verstehe den Zickzackkurs der B&C Holding nicht“, sagt ein enttäuschter Börsianer. Der Industrielle Norbert Zimmermann, der mit der B&C-Gruppe eng verbunden ist, hat hingegen eine Erklärung dafür „In diesen Zeiten des unberechenbaren Umfelds gelten Strategien eben nicht ewig.“ Intern sei die Holding, die 30 Mitarbeiter beschäftigt, aber solide aufgestellt, versichert er. Denn auch dort war in den letzten Jahren von Personalwechseln zu hören. Einzig bei der Amag scheint es rund zu laufen, was Beobachter auf ein Gegenwicht zur B&C im Aktionariat (Treibacher, die Invest Holding) zurückführen. Und auch der diese Woche angekündigte Verkauf von Steyr Motors an Red Cat bekommt der B&C Holding sicher gut.

136 Millionen für Beratung

Ein weiterer Kritikpunkt an der B&C-Stiftung scheint seit der gescheiterten Machtübernahme Michael Tojners aus dem Jahr 2018 nach wie vor zu gelten. Einen „Selbstbedienungsladen“ nannte Tojner damals die Stiftung, weil die Kanzlei von Anwalt Hofer daran gut verdiente. De Krassny bemängelte die Beraterkosten in Höhe von 12,2 Millionen Euro auch auf einer der letzten Semperit-Hauptversammlungen. Sie beantragte eine Sonderprüfung, die aber mit den Stimmen der B&C Holding abgeschmettert wurde. Aber auch heute noch verschlingen die Beratungskosten in der Gruppe schier unglaubliche Summen: Wie aus dem Konzernabschluss der B&C Holding Österreich hervorgeht, wurden 2025 nicht weniger als 136,5 Millionen Euro unter dem Titel „Rechtsprüfungs- und Beratungsaufwendungen“ verbucht. In der B&C Holding beschwichtigt man: Im Wesentlichen seien hier die konsolidierten Aufwendungen aller Industriebeteiligungen umfasst, heißt es. Ein Großteil davon dürfte jedenfalls noch auf die Nachwehen des missglückten Zukaufs von Schur Flexibles zurückzuführen sein. B&C musste in einem verlorenen Verfahren den gegnerischen Anwälten immerhin 37 Millionen Euro bezahlen.

Immer wieder wird auch Kritik laut, dass die mäßige Performance der Gruppe auf das fortgeschrittene Alter der Stiftungsvorstände zurückzuführen sei, denn Wolfgang Hofer und Erich Hampel haben die 70 bereits weit überschritten. Zwar endet die Funktionsdauer laut Statut mit 70 Jahren, diese ist aber mehrfach befristet verlängerbar. In börsennotierten Unternehmen wäre das undenkbar.

Die B&C Holding und ihre Beteiligungen

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 23. Oktober 2026 erschienen und wurde aktualisiert.

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