
Der CEO von Unger Stahlbau, Matthias Unger, und der Seniorpartner von PwC in Österreich, Rudolf Krickl, über den Verlust von Vertrauen in Familienunternehmen und deren Stärken und Schwächen.
Ist Österreich wirklich ein Land der Familienunternehmen?
Kann man sagen. Und auch das Land mit der höchsten Dichte an Hidden Champions, die in ihren Nischen Weltmarktführer sind - wobei das "Hidden" auch eines der Probleme ist. Jedenfalls spielen Familienunternehmen eine wichtige Rolle in ihrer Region.
Eine von PwC aktuell durchgeführte Studie zeigt ein ambivalentes Bild. Was sind die Stärken und Schwächen?
Eine Stärke sind schnelle Entscheidungen, weil meist weniger Personen involviert sind. Genau das kann aber auch eine Schwäche sein, wenn nämlich der Know-how-Input von außen limitiert ist.
Als Vorteil wird oft die langfristige Perspektive genannt. Inwiefern denken Familienunternehmer anders?
Dass wir in Generationen denken, ist ein Vorteil bei Investitionsentscheidungen, weil wir weniger auf kurzfristigen Erfolg und die Befriedigung von Shareholden angewiesen sind -und weil die Mitarbeiter erkennen, dass der Betrieb nachhaltig in die nächste Generation wachsen will.
Macht es robuster, wenn man wenig oder gar nicht anderen Gesellschaftern oder Investoren verpflichtet ist?
Sicherlich. Schon weil sehr viel an Reporting entfällt. Es kann allerdings problematisch sein, wenn die Familie nicht funktioniert. Darum macht es Sinn, Aufsichts-oder Beiräte zu installieren. Unger Stahlbau hat einen Beirat, der Know-how zur Verfügung stellt.
Auch ein limitierter Zugang zu Kapital kann ein Hemmschuh sein, oder?
Ja, man hat die kreditfinanzierende Hausbank, vielleicht auch zwei oder drei. Aber was wir in Österreich kaum haben, sind Private Equity und strategische Investoren, die manchmal für schnelleres Wachstum sorgen könnten. Daran fehlt es. Die Börse halte ich weniger für Familienunternehmen geeignet. Auch deswegen, weil sowohl Kultur als auch Finanzbildung fehlen, damit sich die Leute in der Breite an Unternehmen zu beteiligen.
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