
Nach dem Verkauf der Automotive-Sparte trimmt CFO Erika Hochrieser Frauenthal auf Profitabilität. Immobilien etabliert sie als zweites Standbein der Gruppe – was nicht allen Aktionären gefällt.
Manchmal muss ein Unternehmen kleiner werden, um wieder größer denken zu können. Nach dem Verkauf der Automotive-Sparte ist der Umsatz der Wiener Frauenthal Holding AG um rund 200 Millionen Euro geschrumpft. Dafür konzentriert sich das börsennotierte Unternehmen mit nunmehr 790 Millionen Euro Umsatz auf den österreichischen Großhandel für Sanitär, Heizung und Installation sowie auf Elektromaterialien.
„Für uns ist das ein Back to the Roots“, sagt Erika Hochrieser. Sie ist seit 2018 CFO der Frauenthal Holding, seit 2020 CFO und seit 2025 zusätzlich CEO der Frauenthal Handel, des führenden österreichischen Großhändlers für Sanitär, Heizung und Installation. Automotive sei gegenüber den internationalen Herstellern zu klein gewesen.
Der Zeitpunkt dafür ist herausfordernd. Die Bauwirtschaft schwächelt, der Wohnungsneubau liegt deutlich unter früheren Niveaus. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz von 389 auf 380 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn erreichte 370.000 Euro, nach Steuern stand ein Minus von 2,2 Millionen Euro. „Die Zahlen sind vor dem Hintergrund des Konzernumbaus zu sehen, und traditionell ist das zweite Halbjahr umsatzstärker und ertragreicher“, sagt Hochrieser. Zudem hat sie den Handel einem Fitnessprogramm unterzogen. „In Zeiten von Corona zählte Frauenthal zu den Gewinnern. Die Menschen investierten ins eigene Zuhause, und Verfügbarkeit war wichtiger als der Preis.“ Danach trafen Inflation, hohe Zinsen und der Einbruch am Bau das Geschäft.
Die Antwort: „Phoenix“, eine Strategie, die auf drei Säulen steht: Einkauf, Verkauf und Kosten. Personal wurde abgebaut, Verträge neu verhandelt und Standorte auf ihre Rentabilität überprüft. Selbst die Reinigung der rund 100 Standorte wurde zentral neu ausgeschrieben. Auch die 69 Installateur-Service-Center und 17 Schauräume kamen auf den Prüfstand. „Wir haben jetzt eine gute Kostenbasis“, sagt Hochrieser. Die Talsohle sieht sie erreicht.
Immobilienoffensive
Mit dem Verkauf von Automotive verändert sich auch die Struktur der Holding. Der operative Handel und die Immobilien wurden getrennt. Im Zuge der Spaltung wurden drei Liegenschaften – Wels, Gerasdorf und Kematen in Tirol – mit einer vermieteten Fläche von insgesamt 50.000 Quadratmetern, einer Bilanzsumme von 32,6 Millionen Euro und einem Umsatz von drei Millionen Euro auf die Frauenthal Immobilien GmbH übertragen. Alle drei Objekte werden von der Sparte Handel und Logistik gemietet. Durch die Einbringung der Immobilien in eine eigene Division erhöhte sich der Buch- und Bilanzwert der Grundstücke und Gebäude der Frauenthal Immobilien von 6,28 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 31,29 Millionen Euro.
Das Geschäft mit Immobilien scheint im Aufwind. „Wer ohne Altlasten und mit guter Eigenkapitaldecke in den Markt einsteigt, hat gute Chancen“, so unisono der Tenor von Immobilienexperten wie Roland Schmid von Immounited, Eugen Otto (Otto Immobilien), Michael Ehlmaier von EHL und Gerhard Tüchler von Tecto. Im Fokus stehen laut Hochrieser Gewerbeimmobilien und Wohnprojekte: „Wir prüfen laufend Akquisitionen – auch außerhalb Österreichs.“
Einer, der mit dem ausgelagerten Immobiliensektor weniger Freude hat, ist Rupert-Heinrich Staller, über seine Staller Investments langjähriger Frauenthal-Aktionär. „Die neue Immobiliendivision könnte das Ziel haben, die privaten und auf Pump gekauften Immobilien von Hauptaktionär Winkler mit dem soliden Logistik-Großhandelsgeschäft der börsennotierten Holding AG, ausgestattet mit nachhaltiger Ertragskraft und reichlich Netto-Cash, zu vermengen, um die Aktionäre im Streubesitz zu deren Nachteil zu verwässern“, warnt er. Interessantes Detail: Der Versicherer Uniqa hält fast fünf Prozent an der Frauenthal Holding. Laut Hochrieser steht ein Delisting der Aktien nicht zur Debatte.
Erst Sozialpädagogin, dann CEO
Die Managerin ist gewohnt, mit harter Kritik umzugehen. Ihre Karriere verlief so wenig linear wie der derzeitige Umbau des Frauenthal-Konzerns. Aufgewachsen am Sonntagberg, wurde sie zunächst diplomierte Sozialpädagogin, ehe sie im zweiten Bildungsweg Internationale Betriebswirtschaft studierte. 2004 kam sie eher zufällig ins Controlling von Frauenthal. Im Bewerbungsgespräch erwies sich ihre erste Ausbildung als Vorteil: Wirtschaft könne man lernen, den Umgang mit Menschen wesentlich schwerer, erklärte ihr der damalige CEO.
Dass Hochrieser heute ein Unternehmen in einer männerdominierten Branche führt, ist für sie kein Thema. Entscheidend sei Leistung. In diesem Sinne führt sie auch: hart, aber herzlich.
Wettbewerbsvorteile
„Frauenthal macht einen super Job im Bereich Bäder und Gebäudeinstallationen. Rückgrat des Erfolgs sind allerdings die breite Logistik und die geschäftsnahe Unterstützung der Installateure“, urteilt Kapitalmarktexperte Wolfgang Matejka. Waren im Wert von 180 Millionen Euro liegen bei Frauenthal auf Lager, 17.000 Kunden greifen auf die Infrastruktur zurück. „Bestellt ein Kunde bis 18.30 Uhr, ist die Ware am nächsten Morgen bei ihm.“
Die hohe Kapitalbindung sieht Hochrieser nicht als Nachteil. Frauenthal verfüge über ausreichend Liquidität: Der Free Cashflow liegt bei mehr als 27 Millionen Euro, die Netto-Cash-Position bei 16,9 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote stieg von 35 auf für die Branche ungewöhnlich hohe 40,4 Prozent. Der Konzern übernimmt für seine Kunden die Lagerfunktion. Installateure benötigen dadurch weniger eigene Bestände und können die Frauenthal-Schauräume für die Beratung ihrer Kunden nutzen. Ein Asset sind die eigenen Lkw und -Fahrer. Auch beim Antrieb ist die Transformation in vollem Gange: „30 Prozent unserer Flotte fahren bereits elektrisch“, so Hochrieser.
Während das Geschäft mit Sanierungen prosperiert, gibt es Hoffnung, dass auch das Geschäft mit dem Neubau anzieht. Von der Politik fordert Hochrieser dafür verlässliche Rahmenbedingungen. „Förderungen für Wärmepumpen, Photovoltaik oder E-Mobilität müssen planbar sein.“ Thema ist auch die Digitalisierung. Rund 30 Prozent des Umsatzes werden bereits online bestellt. Webshop und App sollen Prozesse effizienter machen. „KI kann etwa Kundenanfragen und Angebotserstellungen automatisieren.“
Am Ende der Transformation muss für Hochrieser auf jeden Fall Wachstum stehen: „Nicht um jeden Preis, sondern wo bestehende Kundenbeziehungen und Infrastruktur zusätzliche Geschäfte ermöglichen. Gleichzeitig bleiben wir offen für Zukäufe und schauen uns laufend Unternehmen an“. In diesem Sinne blickt sie positiv in die Zukunft: „Der Konzern ist kleiner geworden. Der Anspruch ist es nicht.“