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Vielfalt bringt Ergebnisse, auch bei Förderungen

IN KOOPERATION MIT FFG
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Sie sind offen für jedes Unternehmen und für jedes Thema: Die Basisprogramme der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützen F&E-Projekte und bieten viele Chancen. Und sie zahlen sichaus, wie eine aktuelle Studie und Praxisbeispiele beweisen.

Gestartet wurde in bescheidenen Kellerräumen – ganz so, wie es sich für ein junges und ambitioniertes Unternehmen gehört. Als 2013 rund um die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer das Spin-off ViraThe­rapeutics gegründet wurde, gab es einige Patente, viel Euphorie – und wenig Geld. Die Mission: der Kampf gegen den Krebs. Das Biotech-Unternehmen entwickelt eine neue Klasse von Immuntherapie-Medikamenten auf der Basis von onkolytischen (krebszerstörenden) Viren.

Zwölf Jahre später gehört ViraThera­peutics zu Boehringer Ingelheim und residiert auf 1.300 Quadratmetern mit großen Laborflächen im Tiroler Rum. Der deutsche Pharmakonzern hat dem Innsbrucker Team weitere Kompetenzen für die Entwicklung von Impfungen gegen Krebs übertragen, die Zahl der Mitarbeiter hat sich innerhalb kürzester Zeit auf 45 verdoppelt.

Unterstützt wurde die Entwicklung des Medizin-Start-ups auch durch ein Basisprogramm der Forschungsförderungsgesellschaft FFG. „Die Mittel aus diesem Programm haben uns in der ­Anfangsphase sehr geholfen, die Firma ins Laufen zu bringen und bekannter zu werden“, erzählt Tobias Nolden, Wissenschaftler und Associate Scientific Director bei ViraTherapeutics.

In einer späteren Phase sei es dann darum gegangen, schrittweise von der Forschung zur klinischen Anwendung und zur Frage der industriellen Herstellung des Impfstoffes zu gelangen. „Eine schwierige Phase, in der viele Daten ­generiert und ausgewertet werden müssen“, so Nolden, und auch dabei habe die FFG-Förderung geholfen.

Kontaktlos bezahlen mit einer Chipkarte – das ist heute Standard. Vor 30 Jahren was das noch Neuland. ­Damals tüftelte das steirische Start-up Mikron gerade an dem kontaktlosen Ticketing-System „MIFARE“, mit entsprechenden Höhen und Tiefen. Der Rest ist Geschichte: Sowohl MIFARE als auch auf NFC (Near Field Communication) basierte kontaktlose Bezahlsysteme sind weltweite Erfolge. Mikron wurde vom holländischen Konzern Philips übernommen, der seine Halbleitersparte unter dem Namen NXP ausgegliedert und an die Börse gebracht hat.

Auch bei dieser Erfolgsgeschichte erzählt die FFG einen Teil mit. „Gerade in den finanziell schwierigen Anfangszeiten als Start-up haben die FFG-Basisprogramme sehr geholfen“, weiß ­Michael Jerne, als Director External Relations bei NXP in Gratkorn auch für das Thema Förderungen zuständig.

Alle Themen erlaubt. 

Die beiden Beispiele illustrieren das Ergebnis einer aktuellen Studie: Die Basisprogramme der FFG wirken. Ihr großer Vorteil: Sie sind themenoffen und stehen allen Unternehmen zur Verfügung. „Unsere Basisprogramme zielen auf die Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen mittels technologie- und themenoffener finanzieller Förderung von Forschung und Entwicklung ab“, so FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth.

Mit Erfolg, wie die aktuelle Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag von FFG und Wirtschaftskammer, konkret den Bundessparten Industrie, Gewerbe und Handwerk sowie Information und Consulting, belegt. Untersucht wurden Mehrwert und Nutzen der FFG-Basisprogramme. Zentrales Ergebnis: Sie konnten eine Verbreiterung der Innovationsbasis innerhalb der Wirtschaft erreichen und so vielen Unternehmen einen Einstieg in Forschung und Innovation ermöglichen. „Die Studienergebnisse belegen den großen Mehrwert und Zusatznutzen der FFG-Basisprogramme“, sagt auch Industrie-Obmann Sigi Menz.

Besonders positiv ist, dass gerade die Beteiligung kleiner Betriebe, junger Unternehmen und von Dienstleistern an den Basisprogrammen zugenommen hat. „Die niederschwelligen FFG-Basisprogramme ebnen kleineren Betrieben den Einstieg in die Forschung“, bestätigt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. Zudem konnte eine hohe Rate an Neuzugängen in die Programme erreicht werden.

Was die Studie auch zeigt: Ohne die Förderung aus den Basisprogrammen wären rund 85 Prozent der F&E-Projekte bzw. der damit verbundenen Innovationen entweder nicht umgesetzt oder deutlich reduziert worden. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in ­denen Unternehmen unter schwacher Liquidität und Rentabilität leiden, ist

die direkte F&E-Förderung besonders wichtig“, betont FFG-Geschäftsführerin ­Karin Tausz, „andernfalls sind die Innovationsperformance und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des Standorts gefährdet.“

Markus Roth, WKO-Spartenobmann Information und Consulting, unterstreicht das: „KMU und Start-ups sind die treibende Kraft hinter Österreichs Innovationslandschaft. Um diesen Katalysatoreffekt nachhaltig zu sichern, brauchen sie weiterhin beste Rahmenbedingungen, die Innovation und Wachstum fördern.“

Mehr denn je gilt: „Es lohnt sich, den Krisenmodus beiseitezuschieben und Förderungen als günstige und flexible Möglichkeit zu nutzen, um notwendige Investitionen zu finanzieren“, betont BDO-Förderexpertin Eva Martischnig. Auch für sie zählt das FFG-Basisprogramm dank seiner Flexibilität „als Allrounder zu den wichtigsten Förderungen im Bereich F&E“.

Aus Eins wird Acht. 

Jährlich stellt die FFG im Rahmen der Basisprogramme rund 300 Millionen Euro zur Verfügung – in der Regel gut investiertes Geld. Denn jeder Euro Förderung in den Basisprogrammen löst im Schnitt 3,60 Euro an zusätzlichen F&E-Investitionen aus und führt zu 8,60 Euro Umsatz, wie Studien belegen. Egerth: „Ein starkes Signal für die Wirkung von Innovationsförderung“, kommentiert Egerth.

Doch es sind keineswegs nur innovative Start-ups, die das breite Spektrum der Basisprogramme nutzen. Sie sind, gerade wegen ihrer Themen- und Technologieoffenheit, auch fester Bestandteil für F&E-Projekte der Industrie. So nutzt auch das Technologieunternehmen AVL solche Förderungen. „E-Mobilität, Wasserstofftechnologie und Digitalisierung in Verbindung mit autonomem Fahren sind große Forschungsbereiche, bei denen wir auch die FFG-Basisprogramme nutzen“, sagt Horst Pfluegl, Vice President für Forschungskooperationen. Wie lassen sich die verschiedenen Komponenten zu einer Batterie „zusammenführen“? Wie stark sind Geräusche und elektromagnetischen Felder in einem Fahrzeug und wie lassen sie sich reduzieren? Das sind aktuelle Fragen, denen AVL oft in Kooperation mit Universitäten und unterstützt von FFG-Mitteln nachgeht.

Hilfe für Transformation. 

„AVL ist zwar Weltmarktführer in vielen Bereichen, aber auch wir stehen vor einer ­gewaltigen Transformation“, sagt Pfluegl. Vor zehn Jahren hat der Konzern noch einen hohen Anteil seines Umsatzes mit der Verbesserung von Verbrennungsmotoren erzielt, mittlerweile stehen Elektromobilität, autonomes Fahren und entsprechende Software im Vordergrund – auch dank finanzieller Unterstützung aus den Basisprogrammen. Und man ist mit ganz neuen Mitbewerbern konfrontiert. „Eine solche Transformation ist für ein Unternehmen eine gewaltige Aufgabe“, so Pfluegl, „gerade weil wir in Österreich im europäischen und globalen Vergleich hohe Lohn- und Energiekosten haben, ist öffentliche Forschungsförderung ein zentrales Element, um wettbewerbsfähig zu sein.“

Handy als Zentralschlüssel. 

Ganz ähnlich sieht das auch NXP-Manager Jerne. Bei dem steirischen Chipkonzern dreht sich gerade vieles um den ­intelligenten Autoschlüssel, genauer: um ein intelligentes Smartphone, das den Schlüssel ersetzt. Das entsperrt dann nicht nur das Fahrzeug, sondern erhöht auch das Sicherheitsniveau. Verwendet wird dafür die UWB-Technologie (Ultra Wide Band). „Die Anwendungsmöglichkeiten für diese Technologie sind gewaltig“, sagt Jerne, „vom Mobiltelefon als ‚Zentralschlüssel‘ bis Smart Robotics in Fabriken, weil Abstand und Position ­erkannt werden.“ Gemeinsam geforscht wird u. a. mit der TU Graz, gefördert vom FFG-Basisprogramm. Jerne: „Die Förderung von Forschungskooperationen ist ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor für das gesamte Innovationsökosystem.“

„Wir stehen bei solchen Projekten in einem harten konzerninternen Wettbewerb“, sagt Jerne, „und da spielen Förderungen eine durchaus wichtige Rolle.“ Mittlerweile arbeiten bei NXP hundert Mitarbeiter in Gratkorn an dem Thema. „Das hat schon Impact auf den Standort.“

Auch ViraTherapeutics-Wissenschaftler Nolden hat den nächsten Schritt schon vor Augen: Nach dem viralen Lebend­impfstoff geht es jetzt um die Entwicklung von speziellen Viren, die den Tumor direkt angreifen. Geforscht wird gemeinsam mit der Medizin-Uni Innsbruck, gefördert wird das Projekt über das Life-Science-Programm der FFG.

„Ein starkes Signal für die Wirkung von Förderung“

Die FFG-Chefinnen Henrietta Egerth und Karin Tausz über den Multiplikatoreffekt jedes Fördereuros.

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FFG-Chefinnen Karin Tausz (li.) und Henrietta Egerth

 © SARAH KATHARINA PHOTOGRAPHY

TREND: Sie haben die Wirkung der FFG-Basisprogramme analysieren lassen. Mit welchem Ergebnis?

Henrietta Egerth: Das Ergebnis der Studie, die wir gemeinsam mit der Wirtschaftskammer in Auftrag gegeben haben, ist sehr erfreulich. Die Zahlen sprechen für sich: Jeder Euro Förderung in den Basisprogrammen löst im Schnitt 3,60 Euro an zusätzlichen F&E-Investitionen aus und führt zu 8,60 Euro Umsatz. Das ist ein starkes Signal für die Wirkung von Innovationsförderung.

Karin TauszÜber 80 Prozent der Unternehmen haben bestätigt, dass sie dank der ­Förderungen aus den Basisprogrammen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken konnten. Ein anderer Indikator für den Erfolg ist, dass 81 Prozent der Projekte wirtschaftlich verwertet werden. Da ist es also zu konkreten, am Markt nutzbaren Anwendungen gekommen.

Wodurch zeichnen sich die FFG-Basisprogramme aus?

Egerth: Unsere Basisprogramme zielen auf die Stärkung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen. Die Besonderheit ist, dass sie technologie- und themenoffen sind und allen Unternehmen, unabhängig von der Größe, zur Verfügung stehen.

Tausz: Der Zugang ist sehr ­niederschwellig. Das zeigt sich auch daran, dass rund ein Drittel der geförderten Betriebe New­comer sind – also erstmals in Forschung und Entwicklung investieren. Ich kann nur jeden Betrieb einladen, um Förderungen aus dem Basisprogramm ­anzusuchen. 60 Prozent der Projektanträge werden bewilligt. Da stehen die Erfolgschancen gut.

Ist Forschungsförderung auch ein Antikrisenrezept?

Tausz: Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen Unter­nehmen unter schwacher Liquidität und Rentabilität leiden, ist die direkte F&E-Förderung besonders wichtig. ­Andernfalls sind die Innovations­performance und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des Standorts gefährdet.

Egerth: Und gerade neue Betriebe zur Forschung zu bringen, ist ein ­wichtiger Ansatzpunkt, um Österreichs Innovationskraft weiter zu stärken.

Die FFG hat im vergangenen Jahr fast 8.000 Projekte gefördert. Besteht die Gefahr, dass uns irgendwann die Ideen ausgehen?

Egerth: Nein, im Gegenteil, wir mussten sogar jeden vierten Antrag ­wegen fehlender Mittel ablehnen. Wir sehen keinen Rückgang in der Innovationstätigkeit, die Nachfrage bleibt ­ungebrochen und steigt sogar.

Könnte der Spardruck angesichts des Budgetdefizits auch die Forschungsförderung treffen?

Tausz: Angesichts der mehrjährigen Finanzierungsvereinbarung für den Zeitraum 2024 bis 2026 sind wir optimistisch für ein stabiles Budget, da für diesen Zeitraum ein Kürzungsverbot gilt. Ein positives Signal ist auch die Zielsetzung im ­Regierungsprogramm, den ­Anteil der Forschungsausgaben am BIP bis 2030 auf vier Prozent zu ­erhöhen.

Egerth: Wir werden jedenfalls dafür kämpfen, dass ausreichend Mittel für Innovation zur Verfügung stehen. Denn Österreich steht vor zahlreichen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen. Als rohstoffarmes Land sind Forschung, Technologie und Innovation daher unabdingbar mit Wohlstand, Wachstum und Aufschwung verbunden.

Die Aufgabe der FFG dabei?

Tausz: Wir werden weiter als „Innovationsdrehscheibe“ zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft agieren und unsere Rolle als Kompetenz- und Beratungszentrum weiter ausbauen.

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