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Heute Forschung, morgen Umsatz

IN KOOPERATION MIT FFG
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 © picturedesk.com/APA/Helmut Fohringer

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Keine Ideen? Im Gegenteil: Die Forschungsförderungs-Gesellschaft holte beim FFG-Forum wieder Forschende vor den Vorhang – und machte auch deutlich, dass Innovationen der Schlüssel für zukünftige wirtschaftliche Erfolge sind.

Künstliche Intelligenz schreibt sich den eigenen Quellcode“ – so könnte in wenigen Jahren eine Schlagzeile in der Zeitung heißen. Aber auch eine andere Meldung ist denkbar: „Quantencomputer knackt RSA-Verschlüsselung“. Beide Ereignisse halten Expert:innen für wahrscheinlich. Das hat eine Publikumsbefragung beim diesjährigen FFG-Forum im Wiener Museumsquartier gezeigt – auch dieses Mal wieder der „Place to be“ für die österreichische Forschungs- und Wissenschaftscommunity.

Im Mittelpunkt standen Themen wie Quantentechnologie, Künstliche Intelligenz, Life Sciences und Halbleitertechnologie – „die zentralen Schlüsseltechnologien, die Österreichs Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärken“, so Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungs-Gesellschaft FFG.

Die Schwerpunkte sind nicht zufällig gewählt: Speziell in diesen Feldern spielt Österreich bei der Forschung international vorne mit. Der Boden ist also bereitet, wer hier sät, kann auf eine gute Ernte hoffen. Und die ist angesichts der gebremsten Wirtschaftslage und der geopolitischen Herausforderung Europas, nicht im Kampf zwischen China und den USA aufgerieben zu werden, immer wichtiger. „Wir können nur durch Forschung und Innovationen wieder nach vorne kommen“, betont auch FFG-Geschäftsführerin Karin Tausz mit Blick auf Österreich und Europa .

Stabile Förderbudgets. 

Die zentrale Rolle von F&E hat auch die Politik erkannt und die Förderbudgets für die Forschung weitgehend stabil gehalten, angesichts des aktuellen Budgetdefizits eine durchaus positive Nachricht. „Es ist absolut erfreulich, dass die politischen Entscheidungsträger hier antizyklisch handeln“, unterstreicht das Egerth.

Unbestritten ist: Innovationen sind das Lebenselixier der Wirtschaft und der Schlüssel für zukünftige Erfolge. Und sie sind ein zentraler Baustein für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes. Als Förderdrehscheibe des Bunds spielt die FFG dabei eine zentrale Rolle. Allein im vergangenen Jahr wurden Projekte von Unternehmen und Forschungsein­richtungen mit 1,2 Milliarden Euro ­angeschoben oder überhaupt erst ermöglicht.

Das Geld ist gut investiert, denn die Forschungsausgaben von heute sind die Umsätze von morgen. Das ist nicht nur so dahergesagt. Jeder Förder-Euro löst im Schnitt 3,60 Euro an zusätzlichen F&E-Investitionen aus und führt zu 8,60 Euro Umsatz innerhalb von vier Jahren nach Projektende. Und acht von zehn Unternehmen bestätigen, dass sie durch die geförderten F&E-Projekte ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern konnten. Das ist das Ergebnis einer Studie der KMU-Forschung im Auftrag von FFG und Wirtschaftskammer, bei der die Wirkung der FFG-Basisprogramme auf die Wirtschaft untersucht wurden.

Doch Geld und gute Ideen alleine machen noch keine Zukunft. Entscheidend ist die Anwendbarkeit und ob es gelingt, aus der Innovation auch ein Produkt zu machen und auf den Markt zu bringen. Wie das gelingen kann, zeigen zwei erfolgreiche Unternehmensgründungen aus der Quantentechnologie: ParityQC und Zerothird, vormals Quantum Industries.

Von der Idee zum Business Case. 

Entstanden aus einem Spin-off der Universität Innsbruck, einem der weltweiten Hotspots der Quantenforschung, gilt ­ParityQC als führendes Unternehmen für die Architektur von Quantencomputern. Dort ist aus einer Idee mittlerweile ein echter Business Case geworden. Als Erste weltweit haben Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser einen Bauplan für Quantencomputer und ein Betriebssystem entwickelt, das diese super-schnellen Hochleistungs-Computer antreibt. 60 Beschäftigte hat das Unternehmen mittlerweile und neben Innsbruck Standorte in Hamburg, London und Paris. Der Hamburger Hafen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt nutzen bereits das Know- how aus Tirol. Aktuell wird gemeinsam mit einem deutschen Forschungspartner im Auftrag der Deutschen Cyberagentur daran gearbeitet, den ersten mobilen Quantencomputer der Welt zu entwickeln. Projektvolumen: 35 Millionen Euro.

Förderungen als Turbo. 

Doch bei allem kommerziellen Erfolg: „Ohne öffentliche Förderungen sind solche aufwändigen Entwicklungen nicht möglich“, sagt Annette Messinger, Quantensoftware-Ingenieurin bei ParityCS, „ohne die FFG-Unterstützung gäbe es uns nicht.“ Und das gilt nicht nur für ParityQC: Rund 170 Millionen Euro hat die FFG in den vergangenen zehn Jahren in die Quantenforschung investiert.

Zu den Erfolgsbeispielen der Quanten-Community zählt auch Rupert Ursin. Der Quantenphysiker hat vor drei Jahren der Universität den Rücken gekehrt und ist mit seinem Kollegen Thomas Scheidl in die Business-Welt gewechselt. Und er hat auch schon das erste Rebranding hinter sich: Als Quantum Industries gestartet – unterstützt von der FFG – firmiert das Unternehmen inzwischen unter ­Zerothird. Der ursprüngliche Name erwies sich als zu allgemein und Google-untauglich. Neben dem Schwerpunkt Weltraumtechnologie verdienen Ursin und sein Team ihr Geld vor allem mit der Angst. Denn der größte Nachteil der Quantentechnologie ist, dass sie nicht zwangsläufig nur auf der guten Seite der Menschheit eingesetzt werden wird. Fachleute erwarten, dass Quantenrechner schon in wenigen Jahren aufgrund ihrer gewaltigen Rechenleistungen in der Lage sein werden, die gängigen kryptografischen Verschlüsselungsverfahren zu knacken.

Die Antwort darauf kommt von Zero­third: Das Unternehmen nutzt satellitengestützte Quantenkommunikation für abhörsichere Netzwerke. Kunden sind neben der Europäischen Weltraumorganisation ESA vor allem Finanz- und Logistikbranche sowie Service Provider. „Vor allem auf Banken und Anbieter kritischer Infrastruktur ist der Druck groß, entsprechende Sicherheitssystems zu etablieren“, weiß Ursin.

Er ist überzeugt, dass sich Österreich international bei der Quantenforschung nicht verstecken muss. „Es gibt sehr viele exzellente Forscherinnen und Forscher in Österreich und innovative Start-ups“, sagt Ursin, „daraus hat sich ein gut funktionierende Ökosystem für uns entwickelt, da sind wir sicher gleichauf mit den USA.“

Unis als Verhinderer. 

Aber es ginge noch mehr, stünden dem nicht die Universitäten im Weg. „Der Transfer von geistigem Eigentum von den Universitäten ist ein Albtraum“, kritisiert Ursin, „die sitzen auf ihrem Wissen und sind oft nicht bereit, eine Nutzung außerhalb ihres Bereiches zu erlauben. Das verhindert eine weitere Entwicklung zu konkreten Produkten, ein echtes Drama.“

Zerothird erzielt eine Exportquote von 97 Prozent und beschäftigt rund hundert Mitarbeitende – vorerst, denn es werden laufend neue Leute gesucht. „Wir wollen unseren Business Case erweitern und investieren selber schon in Start-ups, vor allem um unsere Supply Chain zu vertiefen“, erläutert ­Ursin die Strategie.

Daten-Hürde. 

Zweites großes Thema der Forschungsförderung ist der Gesundheitsbereich. So hat etwa das Start-up Aitiologic eine KI-gestützte Plattform zur Analyse der Patientengesundheit über einen einfachen Bluttest entwickelt. Ziel ist es, bei routinemäßigen Blutabnahmen Krankheiten frühzeitig und präzise zu erkennen, inklusive einer personalisierten Behandlung von Patient:innen, die individuelle Unterschiede in der Genetik berücksichtigt.

Eine der größten Hürden im Healthcare-Bereich ist neben der Finanzierung vor allem der Zugang zu Daten. „Bei der ­Zusammenführung von Daten ist die ­Regulatorik ein großer Hemmschuh“, klagt Aitiologic-CEO Andreas Posch. Stattdessen würden viele Patient:innen ihre Befunde bei ChatGPT hochladen, um zu verstehen, was sie bedeuten – ohne zu wissen, wo sie dadurch landen. „Daten im Land zu behalten, bedeutet, Wertschöpfung im Land zu halten“, betont Posch.

Ähnlich spektakulär ist das Projekt SpinCell, das die aus dem Iran stammende Forscherin Tayebeh Saghaei beim FFG-Forum im Rahmen des erstmals in Wien stattfindenden Pitching-Wettbewerb „Falling Walls Lab“ vorstellte. Das von der FFG geförderte Forschungsprojekt der Wiener Universität für Bodenkultur arbeitet daran, die Diagnosetechnologie durch elektroakustisches Spinning (EAS) zu revolutionieren. Einzelne Zellen können durch dieses Verfahren exakt analysiert werden, Veränderungen und Krankheiten – wie zum Beispiel Krebs – frühzeitig erkannt werden.

Land der Ideen. 

Was das FFG-Forum auf jeden Fall gezeigt hat: Österreich ist ein Land der Ideen. Es gibt viele junge Forscher:innen, die hungrig nach neuen Erkenntnissen sind. Das spürt auch die FFG als großer Forschungsförderer: Jeder vierte Antrag musste abgelehnt werden, insgesamt rund 600 Projekte. Nicht mangels Qualität, sondern weil die Mittel dafür fehlten. Ideen für morgen gibt es also genug.

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Von der Präsentation neuer Ideen bis zu Diskussionen über bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Maßnahmen, damit daraus auch marktreife Produkte werden: Auch dieses Jahr brachte das FFG-Forum wieder Visionäre und Macher zusammen. Am Ende waren die Fragezeichen kleiner.

 © Gerald Kührer/Philipp Stambera

„Kommen nur durch Forschung und Innovation wieder nach vorne“

Die FFG-Geschäftsführerinnen Henrietta Egerth und Karin Tausz über Innovationen als Rezept gegen die Krise und die Voraussetzungen für erfolgreiche Forschung.

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FFG-Chefinnen Henrietta Egerth (li.) und Karin Tausz.

TREND: Die Regierung unter Sparzwang, die Unternehmen unter enormen Wettbewerbsdruck: Geraten Forschung und Innovation aufs Nebengleis?

Henrietta Egerth: Im Gegenteil. Gerade in einer Phase großer geopolitischer Unsicherheiten und technologischer Umbrüche ist es entscheidend, dass Österreich konsequent in Forschung, Entwicklung und Innovation investiert. Nur so bleiben wir als Standort attraktiv. Das ist gerade in Zeiten von Sparmaßnahmen notwendig und ­sinnvoll. Deshalb bin ich froh, dass die Forschungsbudgets weitgehend stabil bleiben. Es ist erfreulich, dass die politischen Entscheidungsträger hier antizyklisch handeln. Österreichs Schlüsseltechnologien brauchen genau diese Planungssicherheit.

Karin Tausz: Forschung hat einen enormen Hebel für Wirtschaft, Gesellschaft und Nachhaltigkeit. Investitionen in neue Technologien sind deshalb kein Kostenfaktor, sondern die Grundlage dafür, dass Österreich auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt und Chancen für kommende Generationen schafft. Wir können nur durch Forschung und Innovationen wieder nach vorne kommen.

In welchen Bereichen wird sich Zukunft abspielen?

Tausz: Themen wie Quantentechnologie, Künstliche Intelligenz, Life Sciences und Halbleitertechnologie sind die zen­tralen Schlüsseltechnologien, die Österreichs Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärken. Und in diesen Bereichen ist Österreich durchaus gut aufgestellt, da gibt es eine starke Forschungscommunity. Bei der Quantentechnologie etwa gehören unsere Forscherinnen und Forscher weltweit zur Spitze.

Was sind die Voraussetzungen für erfolgreiche Forschung?

Egerth: Dafür braucht es ausreichend Mittel für die Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien. Die ­öffentliche Hand spielt dabei eine zen­trale Rolle – durch gezielte Fördermittel, Know-how und Begleitung von der Idee zur Marktreife.

Tausz: Österreich darf nicht nur ex­zellent in der Grundlagenforschung sein, sondern muss auch in der angewandten Forschung zur Spitze gehören. Entscheidend ist, das Innovationen tatsächlich in den Markt kommen – denn genau das stärkt den Standort nachhaltig.

Welche Rolle kann die FFG dabei spielen?

Tausz: Wie in vielen anderen Bereichen auch sind Kooperationen und starke Netzwerke Schlüssel zum Erfolg. Deshalb verknüpfen wir Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen und unterstützen Forscherinnen und Forscher bei der Weiterentwicklung ihrer Projekte nicht nur mit finanziellen Mitteln, sondern auch durch die Förderung von Kooperationen.

Egerth: Als Förderagentur des Bundes sind wir die zentrale Innovationsdrehscheibe zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Österreich. Diese Rolle als Kompetenz- und Beratungszentrum werden wir weiter ausbauen. Das Ziel der FFG bleibt es, Forschung zu fördern und Innovationen konsequent in marktreife Produkte und Services zu überführen. Und natürlich werden wir uns weiter dafür einsetzen, dass sich die Quote der Forschungsausgaben am BIP auf vier Prozent erhöht, wie es ja auch im Regierungsprogramm vorgesehen ist. Denn als rohstoffarmes Land sind Forschung, Technologie und Innovation für Österreich unabdingbar mit Wohlstand, Wachstum und Aufschwung verbunden.

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