Reisetipp: Über den Wolken in Südtirol

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 © Gerald Sturz

Die Pension Briol befindet sich hoch über dem Eisacktal in Südtirol.

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Die Pension Briol in Südtirol ist nicht nur eine Architekturikone und eine Hotellegende, sondern auch ein perfekter Ort, um sich zu entspannen - auch wenn die Anreise bisweilen ein Abenteuer sein kann.

Urban von Klebelsberg hatte den trend-Traveller am Bahnhof von Waidbruck abgeholt, einer kleinen Ortschaft südlich von Brixen. Jetzt ging es in seinem Jeep die schmale Strecke hoch, die wohl eher ein Waldweg als eine Straße ist, über enge, steile Serpentinen, millimeterscharf am Abgrund vorbei, und wenn der trend-Traveller dann mutig beim Fenster hinaussah, blickte er weit nach unten ins Eisacktal hinein. Immer höher ging es, und ein Gedanke ließ sich bald nicht mehr verdrängen: Eine falsche Bewegung am Lenkrad und es ist um uns geschehen. Wenigstens lag kein Schnee mehr.

Und dann führte der Weg aus dem Wald hinaus auf eine weite, große, leicht abschüssige Wiese, und da sah der trendTraveller sie schon: die berühmte Pension Briol. Ein Hotel, das nicht nur eine Architekturikone ist, sondern auch eine Hotellegende. Ein verstecktes Hideaway im besten Sinn des Wortes.

Als das Gebäude in den 1920er-Jahren errichtet wurde, muss es eine Provokation gewesen sein. Ein rationalistischer, moderner Bau, der sich stur allen alpin-rustikalen Tirol-Klischees verweigert. Ein kubusförmiges Gebäude, klare, schlichte Formen, Flachdach, weiße Fassade. Der Schriftzug „Briol“ über dem Eingang ist berühmt und viel kopiert.

In der Küche empfing Johanna Fink, die Hausherrin, den trend-Traveller mit einem gut gefüllten Stamperl Schnaps. Mit Unterstützung von Urban, ihrem Ehemann, führt sie das Briol. „Dieser Begrüßungsdrink hat bei uns Tradition“, sagte sie. Der Schnaps tat dem trend-Traveller jetzt gut.

Das Briol ist nicht nur ein Wallfahrtsort für alle, die sich für Architektur interessieren, sondern auch für all jene, die „splendid isolation“ suchen. Johanna Fink zählte eine lange Liste von Künstlern, von Schriftstellern, Musikern, Schauspielern auf, die regelmäßig vorbeischauen. Auch gestresste Manager, erzählte sie, suchen die Abgeschiedenheit, um hier zur Ruhe zum kommen, nachzudenken, zu wandern, zu lesen und sich vielleicht auch einem digitalen Detox zu unterziehen. Das Briol hat eine treue Schar von Stammgästen. Man muss weit im Voraus buchen, wenn man hier die eine oder andere Nacht verbringen will.

Das Haus hat eine interessante Geschichte. Hotelgründerin Johanna Settari, die Urgroßmutter von Johanna Fink, hatte eine starke Bindung zu diesem Ort, und als sie einen reichen Unternehmer aus Bozen heiratete, wünschte sie sich zu jedem Kind, das sie bekam, ein Grundstück und ein Sommerhaus am Berg. Sie bekam 15 Kinder – elf von ihnen waren Mädchen. Und so entstanden neben dem Hauptbau in der unmittelbaren Umgebung am Berg 14 weitere Häuser. Einige davon werden heute als Feriendomizile vermietet.

Architekt des 1928 errichten Hotels war Hubert Lanzinger, der in Wien an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert hatte und einer der Schwiegersöhne von Johanna Settari war. Dass Lanzinger später zu einem der Propagandamaler der Nationalsozialisten wurde, ist eine andere Geschichte.

Das Hotel Briol hat in jüngster Zeit Zuwachs bekommen. Einen modernen Holzrundbau namens Einäugl, in dem es beheizbare Zimmer gibt, was einen Ganzjahresbetrieb ermöglicht, und das Chalet Baumhaus Isidor, das sich bestens als Unterkunft für alle eignet, die es gerne ganz privat haben wollen.

Der trend-Traveller verbrachte hier entspannte, schöne, ruhige Tage. Mit Wandern, Lesen und dem, was man in Italien „il dolce far niente“ nennt. Eine schöne Wanderung führt auf das Rittner Horn, sie dauert etwa drei Stunden und man wird für die Mühen des Aufstiegs mit einem fantastischen Rundblick belohnt. Ein gutes Ausflugsziel ist Dreikirchen, das etwas unterhalb vom Briol liegt. Man wandert vorbei an jenen 14 Villen, die einst für die Kinder von Johanna Settari gebaut wurden. Die Sehenswürdigkeit des Ortes sind die namensgebenden drei Kirchen, die auf sehr eigenwillige Weise miteinander verbunden sind. Eine Tafel erinnert daran, dass Sigmund Freud hier gerne Urlaub machte.

Der Weg zurück zur Bahnstation von Waidbruck war noch wilder als die Anfahrt. In den engen, steilen Serpentinen hatte man den Eindruck, das Auto würde jeden Moment nach vorne kippen. Der trend-Traveller musste an die Fahrt mit einer Hochschaubahn denken, an jenen Moment, an dem man sich am höchsten Punkt befindet, kurz bevor man nahezu senkrecht in die Tiefe stürzt. Vorsichtig blickte er aus dem Fenster. Und er sah, dass es inzwischen zu schneien begonnen hatte …

Gut zu Wissen: Brixen

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 24. April 2026 erschienen.

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