Ex-Botschafterin in Venezuela: „Eine Art Marshallplan"

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Der US-Coup kann nicht nur die venezolanische Öl-Industrie, sondern die Wirtschaft der gesamten Region befeuern.

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Wirtschaftsvertreter in Südamerika beurteilen nach dem Venezuela-Coup der US-Amerikaner Anfang Jänner die Chancen für die Region positiv. Venezuela sei unter Maduro „ein Hotspot der Feinde Amerikas und Israels geworden.“

Marianne Feldmann kann sich noch an Zeiten erinnern, als Firmen wie Andritz, Rosenbauer oder Doppelmair in Venezuela tätig waren. Feldmann war von 2006 bis 2010 österreichische Botschafterin in Caracas, später auch in Brasilien und in Kolumbien. Seit ihrem Abschied aus dem diplomatischen Dienst ist sie als Beraterin für Kapsch TrafficCom in Südamerika tätig.

Noch kann man nur erahnen, was nach der US-Intervention inklusive Entführung des Machthabers Nicolas Maduro im erdölreichsten Land der Welt genau passieren wird, für Feldmann ist die Zäsur jedoch total: „In Venezuela geht es jetzt um einen Wiederaufbau wie nach einem großen Krieg. Inklusive Entnazifizierung und einer Art Marshallplan: Die Kräfte des alten Regimes müssen ja teilweise miteingebunden werden.“ Nachsatz: „Gelingt es den Amerikanern, ein investitionsfreundliches Umfeld zu schaffen, gibt es große Chancen für amerikanische und europäische Firmen.“

Viele Wirtschaftsvertreter beurteilen den Coup deshalb vorsichtig positiv: „Obskure Geschäfte mit Drogen, Gold oder Öl haben Maduros System am Leben erhalten“, sagt Feldmann, deshalb habe keine moderne Wirtschaftsstruktur entstehen können. Die Menschenrechtssituation sei fürchterlich, „da haben aber auch die UN versagt.“ Und: „Das Land ist unter Maduro ein Hotspot der Feinde Amerikas und Israels geworden.“

Selbst für das mit Venezuela eng verbundene Kuba gebe es Hoffnung, meint die frühere Diplomatin. „Kuba kann ohne Venezuela nicht überleben. Wenn sie vorausschauend agieren, öffnen sie sich rechtzeitig für amerikanische Firmen.“ Rückkehrer könnten Feldmanns Ansicht nach sowohl in Venezuela als auch in Kuba viel bewirken.

Der Artikel ist erstmals im trend.PREMIUM vom 16. Jänner 2025 erschienen.

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