wiiw: EU-Wachstum schwach und beschäftigungsgetrieben

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Schwache Investitionstätigkeit in der EU
 © AFP, NICOLAS TUCAT, Apa
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Das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union schwächt sich weiter ab und wird zunehmend von einer höheren Beschäftigung statt von Produktivitätsgewinnen getrieben. Wie das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) in einer Analyse schreibt, sank das durchschnittliche jährliche BIP-Wachstum der EU im Zeitraum 2020 bis 2024 auf 1,2 Prozent. Zugleich ging das Wachstum der Arbeitsproduktivität pro Stunde auf 0,5 Prozent zurück.

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Ursache der Verlangsamung ist laut der aktualisierten wiiw-Datenbank zur Produktivität vor allem eine schwache Investitionstätigkeit. Der Anteil der Gesamtfaktorproduktivität am Wachstum sank seit 2020 auf 36 Prozent, jener des Kapitals auf 26,5 Prozent. Die entstandene Lücke wurde durch einen Anstieg der Erwerbstätigkeit gefüllt. In 12 der 27 EU-Mitgliedstaaten verringerte sich das verbleibende Kapital pro geleisteter Arbeitsstunde seit 2020 - vor der Finanzkrise 2008 war dies nur in drei Ländern der Fall gewesen.

Die drei größten Volkswirtschaften der EU verharren in der Stagnation. Deutschlands jährliches Wachstum fiel von 1,7 Prozent vor der Krise auf 0,1 Prozent seit 2020, wobei Investitionen kaum noch einen Beitrag leisten. Frankreich verzeichnet knapp 1 Prozent Wachstum vor allem dank höherer Beschäftigung, während Italiens Produktivität seit 2020 erneut schrumpft. Österreich schnitt im Zeitraum 2020 bis 2024 mit einem Wertschöpfungswachstum von 0,5 Prozent und einem Produktivitätsplus von 0,7 Prozent etwas besser ab und konnte das Kapital pro Arbeitsstunde stetiger steigern als die großen EU-Länder.

In Südeuropa wird die Erholung in Spanien, Griechenland und Portugal mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 1,4 und 1,8 Prozent vor allem durch die Wiederbeschäftigung von Menschen getrieben, während das Kapital je Erwerbstätigem (Investitionen in Maschinen, Gebäude und Software) sinkt. Die Kapitalintensität misst also, mit wie viel Ausrüstung, Technologie und Infrastruktur ein durchschnittlicher Arbeitnehmer ausgestattet ist, um seine Arbeit zu verrichten.

Die Studienergebnisse der wiiw-Ökonomen Robert Stehrer, Sebastian Drazsky und David Zenz untermauern die in EU-Berichten identifizierte Investitionslücke von jährlich 750 bis 800 Mrd. Euro. Die Umsetzung der von der Europäischen Kommission im März 2025 beschlossenen Spar- und Investitionsunion verläuft jedoch schleppend: Bis Juli 2026 wurden laut EPIC-Observatorium erst 15,7 Prozent der 383 Draghi-Empfehlungen vollständig umgesetzt.

Ein beschäftigungsgetriebenes Wachstumsmodell stößt angesichts der alternden Bevölkerung und sinkender Arbeitszeiten pro Kopf an deutliche Grenzen. Das wiiw hebt daher hervor, dass Europas Wachstumsproblem primär ein Investitions- und Produktivitätsproblem sei. Während Polen mit Investitionen ein Produktivitätswachstum von rund 2 Prozent pro Jahr erzielt, müsse der Großteil der EU den Kapitalstock wieder aufbauen, bevor der Nachschub an Arbeitskräften stagniert.

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