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Für den ATX Prime ging es vor dem Wochenende um 2,39 Prozent auf 3.067,86 Zähler hinauf. Damit entwickelte sich der vergleichsweise konjunktursensible heimische Aktienmarkt auch deutlich besser als das an sich freundliche europäische Börsenumfeld. Der Brent-Ölpreis fiel inzwischen deutlich und markierte zeitweise den tiefsten Stand seit Mitte März.
US-Präsident Donald Trump hatte am Vorabend zuvor angekündigte Angriffe auf den Iran abgesagt und einmal mehr ein baldiges Rahmenabkommen mit dem Iran zur Beilegung des Krieges in Aussicht gestellt. Jedoch spricht diesmal auch die Islamische Republik von einem möglichen bevorstehenden Verhandlungsabschluss. Ein entsprechender Text sei überwiegend finalisiert, sagte der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei nach Angaben der staatlichen Agentur IRNA am Donnerstagabend in einem TV-Programm.
"Trump hat schon viele Male zuvor erklärt, dass ein Abkommen kurz bevorstehe, woraufhin die Feindseligkeiten dennoch wieder aufflammten", schrieb Warren Patterson, Rohstoffexperte bei der ING. "Diesmal scheint es jedoch tatsächlich positivere Signale rund um das Abkommen zu geben - nicht nur aus den USA, sondern auch von anderen an den Verhandlungen beteiligten Parteien." Selbst wenn eine Verlängerung der Waffenruhe zustande komme, könnte diese fragil sein, warnt Patterson: "Und klar ist: Wenn die Atomverhandlungen nicht vorankommen, könnte sie sehr leicht auseinanderfallen."
In Wien waren die für den Leitindex wichtigen Bankaktien stark gesucht. Erste Group, BAWAG und RBI zogen jeweils zwischen 2,6 und 3,9 Prozent an. Sie hatten mit Beginn des Iran-Kriegs noch unter Stagflationssorgen gelitten, die nun weiter abnahmen. Marktbeobachter verwiesen zudem auf eine Versteilerung der Zinskurven, was den Geldhäusern, die sich kurzfristig refinanzieren, um längerfristig zu verleihen, in die Karten spielt.
Klare Aufschläge gab es auch bei den konjunktursensiblen und energieintensiven Industriewerten. Besonders deutlich kletterten Wienerberger um 6,7 Prozent hoch. voestalpine steigerten sich um 2,8 Prozent. Die allgemein gestiegene Risikofreude gab zudem der KI-Rally neue Nahrung - AT&S stiegen um 4,7 Prozent in Richtung ihres Allzeithochs vom Monatsanfang. Kursverluste von bis zu 1,5 Prozent verzeichneten dagegen Verbund und OMV, sie wurden von fallenden Energiepreisen belastet.
Do&Co zogen um weitere 7,3 Prozent auf 207 Euro an und näherten sich so wieder dem Niveau vor Beginn des Iran-Krieges an. Neben der Hoffnung auf eine Belebung des Flugverkehrs im Nahen Osten hatten die Titel zuletzt auch von Quartalszahlen profitiert. In Reaktion auf letztere hoben nun die Berenberg-Analysten ihr Kursziel von 260 auf 265 Euro an und bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Der Caterer sei trotz Nahost-Unsicherheit gut aufgestellt, um robustes Wachstum zu erzielen und die Rentabilität zu steigern, begründete Berenberg-Experte Christoph Greulich.
EVN stachen im verhaltenen Sektorumfeld mit einem Zuwachs von drei Prozent auf 29,25 Euro positiv hervor. Die Erste Group hob ihr Kursziel für die Aktien von 35,50 auf 36,00 an und bestätigte die Kaufempfehlung. Der zuständige Experte Christoph Schultes erwartet fürs Gesamtjahr Ergebnisse am oberen Ende der vom Unternehmen prognostizierten Spanne.