
von
Die Federal Reserve achtet besonders auf ein Inflationsmaß, das auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher ausgerichtet ist. Die daraus berechnete Teuerungsrate schnellte im Mai infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschubs auf 4,1 Prozent von 3,8 Prozent im April in die Höhe.
Als wesentliche Faktoren, die die Inflation im vergangenen Jahr angetrieben haben, nannte Williams höhere Zölle, Störungen der Lieferketten, durch den Nahostkonflikt bedingte Spitzen bei den Energiepreisen sowie kräftige Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Seiner Ansicht nach hat sich der Effekt der zollbedingten Preiserhöhungen bereits weitgehend entfaltet. Und das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage infolge des KI-Ausbaus dürfte abnehmen. Überdies trage der Arbeitsmarkt nicht zum Preisauftrieb bei, und die Inflationserwartungen blieben fest verankert. "Ich gehe davon aus, dass die Gesamtinflation bis Jahresende auf rund 3,25 Prozent sinken, sich dann auf einem stetigen Pfad in Richtung unseres Zwei-Prozent-Ziels bewegen und dieses im Jahr 2028 dann erreichen wird", sagte Williams.
In dieses optimistische Bild passt, dass die US-Hersteller ihre Preise im Juni gegenüber dem Vormonat überraschend um 0,3 Prozent gesenkt und damit Inflationssorgen etwas gedämpft haben. Auch die Jahresteuerungsrate bei den Verbraucherpreisen sank im Juni - und zwar auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Williams bezeichnete den Rückgang als einen "kleinen Baustein" auf dem Weg zur angestrebten Preisstabilität. US-Notenbankchef Kevin Warsh hat im Kongress allerdings klargestellt, dass sich die Fed mit dem Rückgang nicht zufrieden geben kann. Die Mission Preisstabilität sei damit keineswegs erfüllt.
NEW YORK - USA: FOTO: APA/APA/GETTY IMAGES/ROB KIM