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Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen zusätzlich Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien, halten weitere Finanzinstrumente und kämen so nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent. Die UniCredit kann nun an der Börse weitere Commerzbank-Aktien kaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Mit dem aufgestockten Anteil ist eine Commerzbank-Übernahme wahrscheinlicher geworden.
Die UniCredit erklärte, das Ergebnis übertreffe die eigenen Erwartungen deutlich. Der Anteil von 47,59 Prozent entspreche 49,65 Prozent der Stimmrechte der Commerzbank, da die eigenen Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt seien und würde ebenfalls auf dieses Niveau steigen, sobald die Commerzbank ihre eigenen Aktien zurückkaufe. Die UniCredit sei weiter bestrebt, "konstruktiv" mit allen relevanten Stakeholdern zusammenzuarbeiten und zugleich die nötigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Prozesse voranzutreiben.
Mit Stand 19. Juni hatte die UniCredit bereits einen Anteil von rund 40 Prozent an der Commerzbank gemeldet plus Finanzinstrumente. Schon zuletzt hatte die UniCredit mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 gedroht, sollte sie genug Aktionäre hinter sich bringen.
Damit eine Übernahme kommt, müssten aber nicht nur weitere Commerzbank-Aktionäre ihre Anteile verkaufen, sondern auch die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.
Die UniCredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Umgerechnet lag das Angebot der UniCredit lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien. Zuletzt wurde dieses aber mit dem deutlich gestiegenen Aktienkurs der UniCredit attraktiver.
UniCredit-Chef Andrea Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den US-Häusern. Er sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen bei der Commerzbank. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme ebenso ab wie der deutsche Bund.
Die Commerzbank zeigt sich bereit für Gespräche und kritisiert zugleich das Vorgehen der Italiener. Aufsichtsrat und Vorstand stünden einem konstruktiven Dialog mit der UniCredit weiter offen gegenüber, erklärte die Commerzbank in Frankfurt. "Nur mit einer einvernehmlichen Lösung unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter sowie der Bundesregierung als zweitgrößtem Aktionär ist es aus Sicht der Commerzbank realistisch, Synergien aus einem Zusammenschluss in einem angemessenen Umfang und Zeitrahmen zu erreichen", betonte die Commerzbank.
Zugleich erneuerte die Commerzbank ihre Kritik an der UniCredit. Nach eigenen Informationen belaufe sich die Summe der von Profi- und Privatanlegern angedienten Aktien auf weniger als zwei Prozent. "Die angedienten Aktien stammen überwiegend von mit der UniCredit verbundenen Banken und Parteien. Die niedrige Annahmequote unter den unabhängigen Aktionären ist ein Beleg für die mangelnde Attraktivität des Angebot", schrieb die Commerzbank. Die von der UniCredit direkt gehaltenen Aktien, Finanzinstrumente und angediente Aktien sollten nicht als Gesamtposition interpretiert werden.