U-Boot-Bauer TKMS hofft auf Milliardenauftrag aus Kanada

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Auftragsvolumen auf mehr als 10 Milliarden Euro geschätzt
 © AFP, GREGOR FISCHER, Apa
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Der Kieler U-Boot-Bauer TKMS wähnt sich bei einem Großauftrag aus Kanada in aussichtsreicher Position. "Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen", sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard. Das Rüstungsunternehmen konkurriert mit dem koreanischen Anbieter Hanwha Ocean um den Auftrag über den Bau von bis zu 12 U-Booten. Das Auftragsvolumen dürfte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei mehr als 10 Mrd. Euro betragen - je nach Anzahl der Boote. TKMS äußert sich dazu nicht.

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"Wir haben ein Industriepaket geschnürt, glaube ich, das seinesgleichen sucht", sagte Burkhard. "Sowas hatten wir vorher in der Dimension noch nicht." Die Werft geht von einer baldigen Entscheidung aus. "Wir rechnen damit, dass diese noch im ersten Halbjahr kommen könnte." Sowohl TKMS als auch der Konkurrent Hanwha Ocean haben Kooperationen mit kanadischen Unternehmen verkündet, um ihre Zuschlagschancen zu erhöhen.

TKMS zählt zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Reisen deutscher Regierungsvertreter hätten geholfen, das Angebot zu unterstützen, sagte Burkhard. Zuletzt warb Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei Kanadas Premierminister Mark Carney für das deutsche Unternehmen.

Eine zweistellige Zahl an TKMS-Mitarbeitern halte sich derzeit in Kanada auf, sagte Burkhard. Sie reisten durch das Land, um für das Angebot zu werben. Die Kampagne befinde sich in der "Crunchtime", also der Schlussphase. Nach früheren Angaben des Werftchefs will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Falls TKMS den Zuschlag erhält, sollen diese sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern gebaut werden.

Aber auch ohne den Auftrag aus Übersee sind die Bücher in Kiel bereits gut gefüllt mit Bestellungen für U-Boote und Co. Die Werft profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rüstungsgütern. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres - von Oktober 2025 bis März 2026 - erreichte der Auftragsbestand 20,6 Mrd. Euro. Das ist ein neuer Höchstwert.

Für Deutschland und Norwegen baut die Werft jeweils sechs U-Boote des neuen Typs 212CD, an dem auch die Kanadier interessiert sind. Die Buchstaben "CD" stehen für gemeinsames Design ("Common Design"). Baugleichheit soll Kosten verringern und eine einfache Zusammenarbeit zwischen der Marine verschiedener Staaten ermöglichen. Die neuen U-Boote werden etwa 72 Meter lang sein - damit sind sie etwas länger als die aktuellen deutschen Boote der Klasse 212A. Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik und soll mit 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sei speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt, so TKMS.

Ende vergangenen Jahres hatte TKMS einen Torpedo-Auftrag der Bundeswehr erhalten. Im Jänner war bekanntgeworden, dass die norwegische Regierung zwei weitere U-Boote bestellt hat. Vier sind schon geordert.

Die gesamten Auftragseingänge summierten sich auf 3,4 Mrd. Euro. Im Vergleichszeitraum hatte der Wert noch höher gelegen. Burkhard betonte, TKMS könne den Auftragsbestand mit den eigenen Werften abdecken. "Mit Blick nach vorne prüfen wir aber schon jetzt mögliche internationale Partnerschaften."

Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro, weil TKMS zufolge Aufträge nach Plan abgearbeitet werden konnten. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern nahm bereinigt um 14 Prozent auf 60 Mio. Euro zu.

Unter dem Strich verdiente TKMS 27 Mio. Euro, was einem Rückgang um 41 Prozent entsprach. Der Gewinnrückgang ist die Folge von Investitionen in den Ausbau des Unternehmens, etwa für Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb.

Trotz des konkurrierenden Angebots des Rüstungskonzerns Rheinmetall hält der Marineschiffbauer zudem an den Plänen zur Übernahme seiner Kieler Nachbarwerft German Naval Yards fest. "Geld allein baut keine Schiffe", sagte Firmenchef Oliver Burkhard in Richtung von Rheinmetall. Rheinmetall sei offensichtlich finanziell potenter als TKMS. Er habe für eine mögliche Akquisition "einen Preis im Kopf", wolle aber nicht in ein Wettbieten einsteigen, das wirtschaftlich für TKMS keinen Sinn ergebe.

TKMS und Rheinmetall bieten für die Marinewerft German Naval Yards, die zur französischen Gruppe CMN Naval gehört. Eine Stellungnahme von CMN Naval zu den Berichten liegt bisher auch auf Anfrage nicht vor. Rheinmetall hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass ein unverbindliches Angebot für die Werft abgegeben worden sei. Während TKMS schon länger für die Werft bietet, ist Rheinmetall erst seit kurzem Schiffbauer. Der Düsseldorfer Konzern hatte Ende Februar die Marinesparte der Bremer Werftengruppe Lürssen übernommen.

German Naval Yards baut große Marineschiffe wie Fregatten und Korvetten, aber auch hochseetaugliche Jachten. Die beiden Marinewerften teilen sich eine Fläche und gehörten lange Zeit zusammen. Sie sind aus der früheren Traditionswerft HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft AG) hervorgegangen, deren Ursprünge bis 1838 zurückreichen. Der ehemalige HDW-Überwasser-Schiffbau wurde ausgegliedert und firmiert unter German Naval Yards.

KIEL - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/AFP/GREGOR FISCHER

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