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"Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht", warnte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. "Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027." Im laufenden Jahr trauen Ökonomen der deutschen Wirtschaft nur ein Mini-Wachstum zu, die Folgen des Iran-Krieges bremsen den erhofften Aufschwung aus.
Teure Energie, zurückhaltende Konsumenten, bürokratische Lasten - die Liste der Probleme ist lang. Der Iran-Krieg hat die Krise verschärft. Vor allem der Preissprung bei Energie belastet Unternehmen und Verbraucher. Die meisten Insolvenzen gab es im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit fast 7.900 Fällen im Dienstleistungsbereich, zu dem die Gastronomie zählt.
Einen überdurchschnittlichen Anstieg der Pleitezahlen um 28,6 Prozent verzeichnet Creditreform bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Es traf etwa den Hotelbetreiber Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und den Spielwarenhändler Rofu Kinderland.
Deutlich mehr Insolvenzen gab es auch bei jungen Unternehmen: Bis zu zwei Jahre nach dem Start am Markt gaben 1.140 Gründerinnen und Gründer auf - gut ein Viertel (25,3 Prozent) mehr als im ersten Halbjahr 2025. "Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen", sagt Hantzsch.
Insgesamt 165.000 Jobs stehen infolge der Insolvenzen des ersten Halbjahres hierzulande auf der Kippe und damit mehr als vor Jahresfrist (143.000), wie Creditreform schätzt. Die Schadenssumme lag mit geschätzten 28,5 Milliarden Euro dagegen etwas unter dem Wert des Vorjahreszeitraums (31,2 Mrd Euro).
Auch immer mehr Privathaushalte, die zuletzt mit wieder kräftiger steigenden Verbraucherpreisen zu schaffen hatten, geraten in finanzielle Not: Im ersten Halbjahr 2026 zählte Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen und damit 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als in den beiden Vorjahren und erreichte nicht das Niveau früherer Jahre.
"Zwar belasten die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Inflation viele Verbraucher, der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch immer noch weitgehend robust, auch wenn zunehmend insbesondere im verarbeitenden Gewerbe gut bezahlte Stellen abgebaut wurden", analysiert die Auskunftei.
Für das erste Quartal meldeten die Amtsgerichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr 2025 waren amtlichen Zahlen zufolge so viele Unternehmen in Deutschland in die Pleite gerutscht wie seit 2014 nicht: 24.064. Schon 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten deutlich zugelegt, nachdem die staatlichen Hilfen aus der Corona-Pandemie ausgelaufen waren, die vielen Betrieben das Überleben gesichert hatten.