Showdown im Kampf um die Übernahme der Addiko Bank

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RBI hat vor maßgeblicher Frist bessere Karten
 © APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
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Im seit Monaten erbittert geführten Kampf um die Übernahme der Addiko Bank nähert sich die Entscheidung. Kurz vor Ende einer maßgeblichen Frist deutet vieles darauf hin, dass die Raiffeisen Bank International (RBI), die neben der konkurrierenden slowenischen NLB bis zuletzt intensiv um die Gunst der Aktionäre warb, das Rennen machen wird. Dass sich das Blatt noch zugunsten der NLB wendet, gilt unter Marktbeobachtern als eher unwahrscheinlich.

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Die RBI hat sich laut eigenen Angaben bereits etwas mehr als 55 Prozent der Addiko-Anteile gesichert. Bleibt es dabei, wäre die eigens gesetzte Mindestannahmeschwelle erreicht und die Übernahme durch die RBI - wenn die Wettbewerbsbehörden dann noch grünes Licht geben - sicher.

Bis heute, Donnerstag, 17.00 Uhr, könnten sich Aktionäre, die ihre Aktien Raiffeisen angedient haben, allerdings noch umentscheiden. Rein rechnerisch wäre unter den gegebenen bzw. seitens der beiden Geldhäuser kommunizierten Kräfteverhältnissen nur so möglich, dass die Slowenen das Ruder auf den letzten Metern herumreißen. Laut NLB haben sich bis zuletzt knapp 30 Prozent der Aktionäre verpflichtet, ihr Angebot anzunehmen. Als Sieger im Bieterwettbewerb würden die Slowenen hervorgehen, wenn sie 50 Prozent plus eine Aktie fixieren.

Denkbar, doch ebenso eher unwahrscheinlich, wäre ein Szenario, in dem beide Rivalen leer ausgehen. Dies wäre der Fall, wenn aus Sicht der RBI noch ein größerer Aktionär "umfällt", sprich sein Angebot zurückzieht, ins Lager der NLB wechselt und die RBI unter 55 Prozent bzw. beide Banken unter 50 Prozent bleiben. Die Angebote würden so neutralisiert und an ihren Schwellen scheitern; Kauf käme keiner zustande. Rein rechtlich könnten dann sowohl RBI als auch NLB ein Jahr lang kein neues Übernahmeangebot legen.

Sollte eine Übernahme verhindert werden, wäre dies wohl der Worst Case für alle Beteiligten. Denn im Hintergrund schwelt weiter die Empfehlung der Zentralbank (EZB) an das Addiko-Management, keine Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Sie ortet unklare Eigentumsverhältnisse bei dem Institut, die mit einem Aktionär, der serbischen Alta Group, zusammenhängen. Eine Mehrheitsbeteiligung - ob durch RBI oder NLB - würde das Problem höchstwahrscheinlich aus der Welt schaffen.

Immerhin könnte sich die NLB, die schon 2024 an einer Übernahme der Addiko gescheitert war, in einer "Pattsituation" damit trösten, verhindert zu haben, dass sich die RBI weiter am Balkan ausbreitet, so ein Beobachter zur APA unter vorgehaltener Hand. Addiko, die einst aus der Skandalbank Hypo Alpe Adria hervorgegangen war, ist vor allem in dieser Region tätig.

Die Dividendenblockade - für 2024 und 2025 gab es keine Gewinnausschüttungen - hatte in den vergangenen Jahren unter Aktionären und dem Management einigen Staub aufgewirbelt. Florian Beckermann, Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), rückt den Bieterkampf, der sich zuletzt mit intensivem Wettbewerb um Stimmen und Anteile, Angebotserhöhungen, Schwellensenkungen und einer zurückgezogenen Management-Empfehlung für das Angebot der RBI zu einem veritablen Krimi ausgewachsen hat, genau in dieses Licht. Und er spart nicht mit Kritik an der Zentralbank: "Warum hat es der Regulator in zwei Jahren nicht geschafft, eine Lösung für die Addiko-Bank zu finden? Warum müssen Aktionäre verkaufen, um ein regulatorisches Problem zu lösen? Warum kann man nicht Aktionär bleiben und jeder macht seine Arbeit?", fragte er im Gespräch mit der APA. Faire Bedingungen herzustellen, sei Aufgabe des Regulators - und das sei ihm aus für ihn, Beckermann, nicht nachvollziehbaren Gründen nicht gelungen.

Was den Übernahmepoker betrifft, in den die NLB mit 37 Euro pro Aktie eigentlich das finanziell attraktivere Angebot eingebracht hatte (RBI: 26,50 Euro), dürfte jedenfalls nach Ablauf der heutigen Frist mehr Klarheit herrschen. Da in solchen Fällen in der Regel Nachlaufzeiten entstehen, ist mit Informationen dazu wohl frühestens am Freitag, wahrscheinlich aber erst Anfang kommender Woche zu rechnen.

Sollte dann die RBI, wie von vielen Beobachtern erwartet, als Sieger feststehen, bliebe es für sie dennoch spannend: Denn die offizielle Annahmefrist läuft noch bis 29. Juli. Bis dorthin könnten weitere, bis dato unentschlossene Aktionäre der RBI ihre Anteile anbieten. Für die RBI wäre es dadurch möglich, eine noch stärkere Kontrolle über die Addiko zu erlangen, was für diverse Maßnahmen, die nach bestimmten Quoren bei der Hauptversammlung verlangen, relevant ist. Generell sind 75 Prozent die für Satzungsänderungen bedeutende gesetzliche Hürde, worunter etwa Kapitalmaßnahmen wie ein Rückzug von der Börse fallen. Sprich: Je höher der Anteil für den Mehrheitsaktionär, desto einfacher sind gewisse Maßnahmen umzusetzen. Das ist auch der Grund, warum beide Institute für die Addiko ursprünglich diese Marke angestrebt hatten.

Sichert sich die RBI genügend Aktien, dürfte sie lediglich das Geschäft der Addiko in Kroatien, Slowenien und Österreich behalten. Die übrigen Märkte - Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro - will sie hingegen mittels eines sogenannten Carve-outs abstoßen. Das soll im Rahmen einer Vereinbarung mit der bereits genannten Alta Group, die derzeit knapp 10 Prozent der Aktien hält, passieren. Die NLB beabsichtigt indessen, alle Märkte der Addiko zu integrieren, würde jedoch auch die Töchter außerhalb der EU - also Serbien, Bosnien und Herzegowina und Montenegro - auf den Prüfstand stellen und diese dann gegebenenfalls verkaufen.

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