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Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Einen Automatismus nach der jüngsten Zinspause gebe es jedoch nicht. "Sollte es nicht notwendig sein, die Zinsen zu erhöhen, dann wird es auch keine Erhöhung im September geben", betonte Kocher.
Die Zinserhöhung im Juni, die Kocher angesichts der damals verschlechterten Inflationsaussichten verteidigte, habe den Währungshütern den nötigen Spielraum für eine sorgfältige Analyse der weiteren Entwicklung verschafft. Die Notenbank-Sitzung im September sei nun von besonderer Bedeutung, da bis dahin neue Inflationsdaten und eine aktualisierte Prognose vorlägen.
Die Monate Juni und Juli seien von erheblicher geopolitischer Volatilität geprägt gewesen, schrieb Kocher weiter. Während Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen und Mittleren Osten die Ölpreise zeitweise drückten und eine weitere Zinserhöhung weniger wahrscheinlich erscheinen ließen, habe das Wiederaufflammen des Konflikts die Energiepreise zuletzt wieder nach oben getrieben. Die höheren Energiekosten könnten sich auf die gesamte Wirtschaft übertragen, warnte Kocher. Zwar seien derzeit noch keine ausgeprägten Zweitrundeneffekte zu beobachten, das Risiko einer hartnäckigeren Teuerung bestehe jedoch weiterhin – auch weil sich höhere Energiepreise oft erst mit Verzögerung auf Dienstleistungen auswirkten. Zudem rechneten die Verbraucher kurzfristig bereits mit weiter steigenden Preisen. Es sei entscheidend, zu verhindern, dass sich die längerfristigen Inflationserwartungen dauerhaft auf einem höheren Niveau verankerten.
Die EZB hatte am Donnerstag ihren am Finanzmarkt maßgeblichen Einlagensatz bei 2,25 Prozent belassen. Die geldpolitische Ausrichtung bleibe datenabhängig, betonte Kocher. Dies bedeute jedoch nicht, dass alle Optionen gleich wahrscheinlich seien. Neben dem Ölpreis rückten nun vor allem die Entwicklungen am Gasmarkt, bei den Lebensmittelpreisen sowie bei den Löhnen im Euroraum in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.