Ifo: US-Zollpolitik bremst deutsche Investitionen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Ifo: "Ein Alarmsignal"
 © APA/APA/dpa/Leonie Asendorpf
©APA/APA/dpa/Leonie Asendorpf
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Die US-Zollpolitik belastet die deutsche Industrie und schlägt zunehmend auf deren Investitionen durch. Mehr als 60 Prozent aller Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen durch die US-Zölle, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte. In der Automobilindustrie ist der Anteil mit 74 Prozent besonders hoch – ein Anstieg um 14 Prozentpunkte verglichen mit dem Vorjahr.

von

"Die Zollbelastung hat sich verfestigt, statt sich abzuschwächen", sagte Ifo-Außenhandelsexperte Andreas Baur. "Die Autoindustrie ist doppelt betroffen: durch hohe Zölle und rückläufige Exporte in die USA".

Die Handelspolitik unter US-Präsident Donald Trump hemmt auch immer stärker die Investitionen in Deutschland. Der Anteil der Unternehmen, die geplante Investitionsprojekte gestrichen haben, hat sich von neun auf 16 Prozent erhöht. Etwa jedes dritte Unternehmen berichtet, dass es Projekte zeitlich verschiebt. Das entspricht einem Anstieg um elf Prozentpunkte. "Die US-Zollpolitik trifft nicht nur das Geschäft in den USA selbst, sondern bremst zunehmend auch Investitionen am Standort Deutschland", sagte Ifo-Forscher Sebastian Link. "Das ist ein Alarmsignal, gerade weil Investitionsentscheidungen normalerweise sehr träge sind".

Zumindest gelingt es den Ifo-Experten zufolge vielen Unternehmen, die zusätzlichen Zollkosten über höhere Preise an ihre US-Kunden weiterzugeben: 34 Prozent überwälzen sie vollständig, weitere 28 Prozent zu mehr als der Hälfte. Jedes vierte Unternehmen trage die Kosten jedoch zu einem großen Teil selbst – mit Folgen für Margen und Geschäftslage.

Mit einer schnellen Entspannung der Situation rechnen die wenigsten Befragten: 63 Prozent der Unternehmen kalkulieren mit einem unverändert hohen US-Zollniveau. 13 Prozent rechnen sogar mit weiteren Zollsteigerungen.

Der Weg aus dem Konjunkturtal in Deutschland führt aus Sicht von Ifo-Chef Clemens Fuest über mehr Investitionen und Konsumfreude. "Es könnte dadurch nach oben gehen, dass wir binnenwirtschaftliche Impulse haben", sagte er am Dienstag auf einer Veranstaltung des OECD Berlin Centre. Mit Blick auf das milliardenschwere Paket zur Stärkung der Infrastruktur, der Klimaneutralität und der Verteidigung verwies der Top-Ökonom darauf, dass der Staat bereits viel Geld in die Hand genommen habe: "Wir würden uns wünschen, dass das jetzt wirklich in öffentliche Investitionen fließt, denn die haben einen starken Konjunktureffekt." Leider würden aber viele Mittel in "Richtung konsumtiver Ausgaben verschoben".

MÜNCHEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Leonie Asendorpf

Über die Autoren

Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages