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Er will die hohe Teuerung nach eigenen Worten in den Griff bekommen. In der Fed ist bereits eine Diskussion über höhere Zinsen im Kampf gegen den Preisauftrieb in Gang gekommen, den die Amerikaner wegen steigender Ölpreise auch an der Zapfsäule kräftig zu spüren bekommen. An den Finanzmärkten wird es für wahrscheinlich gehalten, dass die Fed auf der Sitzung Mitte September die geldpolitischen Zügel anziehen wird.
Die Chefin der regionalen Notenbank von Dallas, Lorie Logan, sprach sich bereits öffentlich für eine Zinserhöhung aus. Und auch Direktoriumsmitglied Christopher Waller brachte eine Anhebung ins Spiel: Die Fed müsse die Zinsen möglicherweise bald nach oben setzen, sollte die Inflation weiter deutlich über dem Ziel von 2,0 Prozent verharren.
Die Notenbank achtet besonders auf ein Inflationsmaß, das auf die Konsumgewohnheiten der Amerikaner zugeschnitten ist - den sogenannten PCE-Index. Sie strebt dafür einen Wert von 2,0 Prozent an. Doch im Mai schnellte der Index infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks auf 4,1 Prozent von 3,8 Prozent im April in die Höhe. "Nach mehreren überraschend hohen PCE-Inflationswerten scheint innerhalb der Fed die Sorge zu wachsen, dass die erhöhte Inflation länger anhalten könnte als bislang angenommen", so die Einschätzung von Tiffany Wilding, Ökonomin beim Vermögensverwalter Pimco.
Bei den Verbraucherpreisen (CPI) ist die Teuerungsrate zwar zuletzt auf 3,5 Prozent zurückgegangen, doch ist sie damit noch immer stark erhöht. "Während die US-Inflationsdaten für Juni noch das Bild einer sinkenden Teuerung zeichnen, holt die geopolitische Realität die Märkte im Eiltempo ein", meint Ökonom Stephan Bales von der staatlichen Förderbank KfW. Durch den erneut eskalierenden Konflikt im Nahen Osten kehre der Preisdruck über die Ölmärkte zurück.
Auf kurze Sicht dürfte die US-Notenbank den Leitzins nach Einschätzung des KfW-Ökonomen konstant belassen und die weiteren Entwicklungen genauestens beobachten: "Sollten sich der Konflikt und die hohen Energiepreise jedoch verfestigen, machen die jüngsten Sitzungsprotokolle der Fed unmissverständlich klar, dass die Währungshüter keine Scheu vor Zinserhöhungen haben."
Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner verweist darauf, dass sich mit dem merklichen Anstieg der Ölpreise die Gefahr von sogenannten Zweitrundeneffekten erhöhe. Damit ist ein Hochschaukeln von Preisen und Löhnen gemeint, das die Inflation weiter antreibt. "Noch dürfte die Fed aber hoffen, dass die Entwicklung der Ölpreise nur ein vorübergehender Störeinfluss ist", sagt Weidensteiner. Die Debatte um eine Zinserhöhung könnte seiner Ansicht nach in den nächsten Monaten allerdings an Schärfe gewinnen. Die Fed werde sich aber erst einmal mehr Klarheit über die Inflationstrends verschaffen wollen, ehe sie ernsthaft eine Zinserhöhung in Erwägung ziehe.
Entsprechend hatte sich jüngst auch Fed-Direktoriumsmitglied Lisa Cook geäußert: Sie sei "bereit zu handeln", sollte die Inflation nicht bald abebben. Doch halte sie es für ratsam, sich noch etwas Zeit zu lassen, um zu beobachten, wie sich die Teuerung entwickle. Fed-Chef Warsh hat klargestellt, dass die Fed keine dauerhaft erhöhte Inflation dulden könne. Er hat sich zugleich vorgenommen, die Fed zu reformieren, und dafür Projektgruppen ins Leben gerufen. Eine Task Force nimmt dabei das Rahmenwerk der Fed zur Inflation unter die Lupe. Warsh ließ Kritik an der Arbeit der Fed unter seinem Vorgänger Jerome Powell anklingen, weil der Preisauftrieb in den vergangenen Jahren nicht gestoppt wurde.