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Die Waffenruhe in Nahost sei kein Grund zur Entwarnung für die Geldpolitik. "Die Energiepreise sind gefallen, aber sie liegen noch immer deutlich höher als vor dem Krieg", fügte sie hinzu. Die EZB schaue besonders auf die Energiepreise für Lieferungen in den nächsten Jahren. Und diese blieben erhöht.
Der Iran-Krieg habe das Wachstum gebremst, und sein Ende könne jetzt wieder für mehr Schwung sorgen. Zinserhöhungen dämpfen zwar die wirtschaftliche Aktivität, sagte Schnabel: "Allerdings ist die bisherige Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gering, und die Zinsen sind noch nicht restriktiv." Die Wirtschaft sei trotz des großen Energiepreisschocks relativ resilient ist: "Die Wachstumseinbußen sind laut unseren Projektionen nicht so stark, wie man es hätte erwarten können. Das hat auch damit zu tun, dass der Iran-Krieg vom KI-Boom überlagert wird, der die globale Wirtschaft stützt."
Gleichzeitig gebe in vielen Ländern der Staat Geld aus, um den Energiepreisschock für die Menschen abzufedern. Und gerade in Deutschland fließe viel Geld in die Erneuerung der Infrastruktur und in die Verteidigung, sagte die deutsche EZB-Direktorin. Hinzu komme, dass der jetzt fallende Ölpreis es für die Unternehmen sogar leichter machen dürfte, ihre zuvor gestiegenen Kosten auf die Verbraucherpreise zu überwälzen, weil jetzt die Nachfrage wieder stärker anspringen dürfte: "Das alles kann die Inflation auf mittlere Sicht anheizen", warnte Schnabel.
Auch EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte jüngst gewarnt, es bestehe weiterhin das Risiko, dass die Teuerungsrate noch "geraume Zeit" über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent verharren könnte. Die EZB hatte am 11. Juni erstmals seit fast drei Jahren den Leitzins angehoben. Die gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Konflikts haben die Inflation im Euroraum in die Höhe getrieben - auf eine Teuerungsrate von 3,2 Prozent im Mai. An den Finanzmärkten wird für den weiteren Verlauf des Jahres mit mindestens einem weiteren Zinsschritt gerechnet.
FRANKFURT AM MAIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/AFP/DANIEL ROLAND
TO GO WITH AFP INTERVIEW on SEPTEMBER 16, 2020