EZB dreht nicht an der Zinsschraube

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EZB-Chefin Lagarde behält die steigenden Energiekosten im Blick
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Die EZB pausiert nach der Zinserhöhung vom Juni und demonstriert zugleich Entschlossenheit im Kampf gegen die hohe Inflation. Der Einlagensatz bleibt bei 2,25 Prozent, teilte der EZB-Rat am Donnerstag mit. Diese Stellschraube zum Steuern der Geldpolitik hatten die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde im Juni erstmals seit fast drei Jahren angezogen. Die vom Iran-Konflikt angetriebene Inflation im Euroraum ging zuletzt zwar auf 2,8 Prozent zurück, bleibt aber erhöht.

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Der EZB-Rat ist weiter wachsam: "Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen", sagte Lagarde nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt.

Man sei fest entschlossen, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Teuerungsrate auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiere. Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hatte die Teuerung in den vergangenen Monaten kräftig nach oben getrieben. Im Juni schwächte sich der Preisauftrieb ab, die Verbraucherpreise im Euroraum lagen um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 3,2 Prozent Inflation im Mai.

Eine Zinserhöhung könnte es im September geben, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen. Denn die Risiken für die Teuerung sind nicht gebannt, solange der Iran-Krieg andauert. Wie Umfragen zeigen, wollen allerdings viele Unternehmen die gestiegenen Energiekosten auf ihre Verkaufspreise umwälzen. Da Europa unter dem Strich Energie importiert, schlagen die hohen Preise unmittelbar auf die Teuerung durch.

Aktuell treiben der Krieg zwischen den USA und dem Iran sowie Berichte über Angriffe der mit dem Iran verbündeten jemenitischen Huthis auf Öltanker im Roten Meer die Ölpreise wieder in die Höhe: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet inzwischen mehr als 100 US-Dollar (87,66 Euro).

Die Notenbank sei in einer schwierigen Lage, meint Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Handelsplattform eToro: "Hält sich der Ölpreis dauerhaft über 90 Dollar je Barrel, könnte das Inflationsgespenst schneller zurückkehren, als vielen lieb ist."

Entscheidend werde sein, wie Lagarde den Ölpreisanstieg einordne. In der Vergangenheit betonte die 70-Jährige immer wieder, dass die EZB nicht auf jeden kurzfristigen Angebotsschock reagieren müsse. "Die Frage ist nun, ob sie den jüngsten Anstieg weiterhin als vorübergehendes Ereignis bewertet oder Anzeichen für dauerhaften Inflationsdruck sieht", so Wienke. Die jüngste Entwicklung am Persischen Golf bezeichnete sie als alarmierend. Ökonomen rechnen angesichts der aktuellen geopolitischen Lage am Persischen Golf mit einer Zinserhöhung im September.

Keinesfalls wollen die Notenbanker im Frankfurter EZB-Turm es wieder so weit kommen lassen wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine einen zunächst unterschätzten Inflationsschub auslöste. Jetzt droht wieder Gefahr: Denn die vom Iran-Krieg angeheizten hohen Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen bergen das Risiko, dass sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln und so die Inflation weiter antreiben.

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